Mittwoch, 27. April 2016

Everything must come to an end...

Tja. Und dann wären wir einmal mehr wieder hier - in Bangkok.
Es hat 36 Grad. Es ist schwül. Es nervt ein kleines bisschen.
Das letzte Geld, von dem ich erst dachte es sei ein Problem, innerhalb von nur 3 Tagen ausgegeben zu werden, hat im MBK ein derart dankbares neues Zuhause gefunden, dass ich mich auf einmal mit 2 Resttagen und umgerechnet 10€ in der Tasche wiederfand.
Nochmal Geld abheben verstößt gegen den selbst auferlegten Codex. Und so gabs halt einfach Streetfood und Wasser. Auch mal ganz gut. Und es geht!
Jetzt brechen meine letzten Stunden in diesem Land an. Vorhin bin ich aus meinem Hostel ausgecheckt und habe 500 Baht Schlüsselpfand zurückbekommen. Somit reicht es sogar noch für eine allerletzte Fußmassage...
Was für geile 4 Monate, die zu Ende gehen. Wehmütig bin ich nicht, ich freue mich auf zuhause.
Aber eine sehr spannende Zeit liegt hinter mir. Neue Eindrücke, Freunde, Abenteuer, das Gefühl, ein kleines bisschen gewachsen zu sein und eine gute Portion Dankbarkeit nehme ich heute Abend mit nach Hause.
Ich freu mich. Über alles, das war, und auf alles, das noch kommt.

Was noch in Taiwan geschah...

Irgendwann war ich also in Hualien, strategisch günstig neben Bahnhof und Bushaltestelle Richtung Taroko untergebracht.
Eigentlich wollte ich 3 Tage dort verbringen, um den Nationalpark eindringlich zu erkunden. Nach 2 Tagen hatte ich alle ohne Genehmigung begehbaren Wanderwege abgegrast. Tatsächlich ist sehr viel aufgrund von vergangenen Taifunen und Erdrutschen gesperrt. Herabfallende Steine sind in Taroko an der Tagesordnung und Busse fahren unregelmäßig weswegen man meiner Meinung nach auch mindestens 2 Tage braucht.
Am Abend von Tag 2 traf ich dann allerdings Maciej (dessen Name ich IMMER noch nachschlagen muss) in der Lobby meines Hostels, der mich über den Park ausgefragt hat und mir gleichzeitig gezeigt hat, dass Google Translate ein chinesisches Foto(!!!) übersetzen kann!! Ich war ganz baff.
Weil ich tags drauf nicht wirklich viel vorhatte, und Maciej tatsächlich einen Weg ausfindig gemacht hatte, den ich noch nicht gelaufen war, begab ich mich abermals nach Taroko. Es war mehr Zufall dass ich am Parkeingang halt machte und mich nach den Bedingungen erkundigte. Aber die sehr freundlichen Mitarbeiter schlugen mir sofort vor, ich sollte mich für eine Genehmigung für den Zhuilu Old Trail besorgen. Und weil sie gar so nett waren haben sie mir bei der chinesischen Anmeldewebsite dafür geholfen. Nächster verfügbarer Termin: Dienstag.
So kam es dann, dass ich eine geschlagene Woche in Hualien verbracht habe. Aber die Stadt ist sehr süß, deswegen fand ich das nicht weiter tragisch.
Am Sonntag habe ich dann gleich mal in eine, DIY Schmuck-Workshop ein Ginkgo Blatt aus Silber gehämmert. Sollte ich jemals im Geheimen von einer Karriere als Goldschmied geträumt haben - jetzt tue ich das nicht mehr... Auch wenn mein Erstling sich sogar sehen lassen kann, sägen, feilen und schleifen hab ich mir irgendwie weniger anstrengend vorgestellt.
Am Dienstag gings dann auf den Trail. Highlight - die Klippenpassage, bei der es 700m senkrecht den Berg runter geht. Schon spannend.
Alle weiteren Städte ließ ich aus, weil es irgendwie in Stress ausgeartet wär, also hab ich einen unstreitigen Zug nach Taipei gebucht, um dort ganz gechillt meine letzten Tage zu verbringen.
Und wie ich Taipei mag! Die Stadt hat ungelogen so wahnsinnig viel zu bieten. Nationalpark vor der Haustür, viel Grün, das Prinzip You-Bike, mit dem man kindereinfach an einer Verleihstation ein Rad ausleihen und damit durch die City düsen kann. Der Zoo, der neben süßen Pandas und Koalas einen Seven Eleven beherbergt. Der Berg neben dem Zoo, auf den man mit ner Gondel (teilweise mit Glasboden!) hochfahren kann. Die Taipei Expo, die zufällig genau an meinem letzten Wochenende stattfand und samt Red Dot Museum mein designaffines Herz höher schlagen ließ. Und dann gibts - ebenfalls per Metro erreichbar, noch die Beitou Hotsprings. Da denkt man endgültig, man ist in einem japanischen Dorf gelandet.
Taiwan begeistert einfach, und wie Japan ist es manchmal ein klein wenig skurril.

Hier kommt meine Top 5, der Dinge die man einfach mögen muss:

1. Melodie der Müllabfuhr (wahlweise spielt der Müllabfuhrlaster Beethovens "Für Elise" oder eine andere eingängige Melodie die ich vorher nicht kannte) Und alle Leute die sie hören rennen dann mit ihren Müllsäcken auf die Straße. Einzig für die Müllabfuhrmenschen muss es ein bisschen traumatisch sein, jeden Tag stundenlang die Melodie zu hören.

2. Überall gibt's Trinkwasser. Gut, das hört sich komisch an, ist aber außerhalb von Europa oft nichts, das wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn sprudelt. Aber in Taipei gibt's überall Wasserspender, an denen man seine Flaschen wieder auffüllen kann.

3. die freundlichen Leute - die sollten eigentlich an Platz 1 stehen. Immer nett, immer hilfsbereit, und ohne Hintergedanken, dass man in einen Laden (oder eine dunkle Seitengasse) gezerrt wird. Einmal gab mir ein Hostelbesitzer allen Ernstes den Tipp, ich sollte zu einer Sehenswürdigkeit die etwas weiter weg liegt doch einfach trampen.

4. Die Omnipräsenz von Seven Eleven. (im Zoo!! Dem Ort, an dem es in Deutschland nur 1-2 überteuerte Imbissbuden gibt. Dieser Zoo hatte einen Seven Eleven, Mc Donalds, und selbstredend überall kostenlose Trinkwasserspender)

5. Die Ampeln zeigen an wie lange noch grün ist. Dazu ist das Ampelmännchen animiert. Erst schlendert es, wenn der Coundown unter die 10 Sekunden fällt, fängt es an, zu rennen.

Das Einzige, mit dem ich weiterhin auf Kriegsfuß stehe, ist die chinesische Sprache. Nichtmal Straßenbahnhaltestellen kann ich fehlerfrei aussprechen. Dabei meine ich das ja nicht böse, aber ich erinnere mich an Casdeen, den ich eigentlich nur fragen wollte ob wir hier schon aussteigen sollen. Als Antwort kam: "Marina, du hast gerade auf die schlimmste aller erdenklichen Arten Muschi gesagt..." Na, großartig...
Sogar meinen allerletzten Abend, den ich aufgrund meines frühen Fluges am einzigen Hostel in Flughafennähe verbrachte, das ich finden konnte war super. Und ich hatte mir so wirklich garnichts davon erwartet. Aber der Host war super freundlich und wir hatten auf Anhieb ein 3-stündiges Gespräch über Gott und die Welt (Todesstrafe, Gruppenreisen, Folter, China, wie man eine F-16 fliegt... Über was man sich halt so unterhält). Seine Mama hat mir den leckersten Salat Asiens zubereitet und wollte von mir wissen, wie man den um Himmels wissen geräuschfrei isst. Sie hatte gehört, das sei in Europa voll verpöhnt, Geräusche beim Essen zu machen... Fazit Taiwan - einsame Spitze. Ich kann dieses Land nur jedem empfehlen.

Mittwoch, 13. April 2016

Flowing upstream

Doulan. Warum genau bin ich eigentlich hier? Stimmt, hatte mir der Ralf erzählt. Da kann man dieses Naturwunder ankucken. Water Flowing upstream. Doulan gehört zu Taitung und liegt auf direktem Weg mit dem Bus von Fu Gang nach Norden. Und - das mag jetzt vielleicht der bescheuertste Grund sein, warum ich hier bin... Ich konnte mir den Namen merken weil ich mir ne Eselsbrücke zu diesem Disney Film gebaut hab. Mulan-Dulan... Easy... Da gehma hin.
Das aufwärtsfließende Wasser ist am Dorfeingang, und das eigentliche Phänomen sind die Busladungen voller Chinesen, die hier abgesetzt werden. Ich bin den Kilometer dahin zu Fuß gelaufen und muss sagen das war irgendwie verlorene Zeit.
 Auf dem Rückweg bin ich auf der Suche nach Essbarem bei einem Inder im Shop gelandet, der mir einen überteuerten Wrap verkauft hat und mir in einem halbstündigen Monolog erklärt hat, dass Kettensägen von Stihl die besten sind. Gut. Das hab jetzt sogar ich gewusst. Ich erspare dem Mann mein gesammeltes Halbwissen über Hilti Bohrmaschinen und DeWalt Akkuschrauber und seh zu dass ich Land gewinne.
Mein Hostel veranstaltet an diesem Abend ein Konzert mit Livemusik, das so lange gut ist, bis mich eine Taiwanesin auf die Bühne schubst und mich zwingt "Happy Birthday" zu singen (weil das jeder kann...) WTF? Ich kann nicht singen und kein Mensch hat hier Geburtstag! Aber gut.... Wenn es sie glücklich macht...
Tags drauf erkunde ich den Strand und esse einen sehr sehr leckeren Burger, gefolgt von sehr sehr leckerem Vietnamesischem Essen. Und der Herr vom Imbissstand hat sogar eine Ankreuzkarte auf Englisch!! Laminiert und abwaschbar, das nenne ich mal nachhaltig!
Weil das Hostel aber nicht so der Bringer ist (bin mittlerweile zu verwöhnt von den hippen, bezahlbaren Unterkünften) ziehe ich weiter. Mal wieder ohne vorherige Erkundungen im Lonely Planet eingeholt zu haben. Dabei lese ich ihn durchaus. Aber nicht so... eindringlich...
Mein nächster Stop ist Donghe, dort fahre ich hin weil eine Straße ins Hinterland abzweigt und ich hoffe, den Li Song Hot Spring machen zu können. Und weil das Hostel so herrlich hip aussieht.
Die Bushaltestelle an der ich aussteige ist die Donghe Dumpling Factory - klingt ja vielversprechend. Und das Hostel bleibt nicht hinter den Erwartungen zurück. Freiliegendes Backsteingemäuer, Loft-Chic, ein ultra reizendes Mädel an der Rezeption die einfach immer lächelt und total hilfsbereit ist und eine 1,40m Matratze! (Open Surf Hostel Taitung - falls ihr mal in Taiwan sein solltet). Womit wir naja, beim "Nachteil" wären.
In Donghe gibts irgendwie garnichts zu tun. Wer hier herkommt hat nur eins im Kopf - surfen. Der Plan ein Moped zu mieten erweist sich auch als illusorisch. Die Roller sind steinalt, haben einen angebauten Surfbretthalter und mir wird empfohlen, damit maximal bis an den Strand zu fahren. Endgültig zerschmettert werden meine Hot Spring Pläne von einem japanisch-taiwanischem Zimmernachbarn, der mir erzählt, dass allein die Hinfahrt dorthin 4 Stunden gedauert hat, unterwegs der Sprit ausging und man dann eine 1-stündige steile Kletterpartie nach unten in Kauf nehmen und anschließend einen Fluß überqueren muss, um da hin zu kommen... Okay, gut, dann eben beim nächsten Mal.
Dann laufe ich spazieren, rette einen Schmetterling, leihe mir ein klappriges Fahrrad von Sisi, fahre damit über die historische Brücke die Schlucht nach hinten mitten ins grün hinein. Unterwegs mache ich Fotos von Affen und der Natur, die wie immer atemberaubend ist. Als es abends regnet freue ich mich fast.
Die Regenmomente sind die einzigen, in denen man ohne schlechtes Gewissen mal ein Buch lesen (oder Blog schreiben) kann. Das liegt bescheuert, aber auch nach fast 4 Monaten (2 Wochen sind es jetzt noch!!) hat man manchmal diesen Druck, dass man nicht faul rumsitzen darf. Irgendwie hab ich im Hinterkopf die latente Angst dass mich wer zuhause fragen könnte "Was, du warst jetzt 4 Wochen in Taiwan, und dann hast du noch nichtmal xy gesehen?!" Was hast du denn da gemacht?! Und deswegen freut mach sich, ein einem der Regen diesen Druck "produktiv" sein zu müssen abnimmt, und man sich einfach mal nen ganzen nachmittag lang faul aufs Bett flacken kann.
Für Tag 2 (ich habe vor lauter Enthusiasmus 2 Nächte gebucht) fahre ich nach Chenggong um mir die Sanxiantai Insel anzusehen. Nach einem kleinen Umweg komme ich dort auch tatsächlich an, höre dem Meer zu, wie es am Pebble Beach sein ganz eigenes Wellengeräusch macht (wenn die Brandung vom Kieselstrand zurückfließt, ist das Geräusch sehr laut, aber gleichzeitig ziemlich beruhigend) und laufe über die Brücke, mit ihren 8 Bögen, die ich mittlerweile auf so vielen Postkarten gesehen habe.
Als ich am Abend nach Hause komme sitzen alle Surferboys in unserem Zimmer und schauen sich einen schlechten Film mit tollen Surfszenen an (Point Break - wenn man die schlechte Story weglässt, hätte es durchaus das Zeug zu nem Red Bull Movie).
In den 2 Tagen Donghe hatte ich außerdem den höchsten Bautse pro Tag Konsum meines Lebens. Ein weiteres phonetisches Mysterium, diese Bauzis. Keine Ahnung wie man das akkurat schreibt. Wahrscheinlich garnicht. Hefedampfknödel mit Schweinebällchenfüllung müsste das wohl korrekt heißen. Und die Teile sind echt lecker... Am nächsten Morgen - heute, um genau zu sein - heißt es also ein letztes Mal Bauzis kaufen und weiterziehen. Einen weiteren Hot Spring lasse ich aus, weil die Hotelpreise in dem Ort schweinisch sind. Stattdessen mache ich mich auf nach Hualien, dem Eingangstor zum Taroko Nationalpark. Mal wieder regnet es, deswegen sitze ich in einem Café, höre irgendwas, das sich nach Jack Johnson anhört und schreibe das hier. Draußen sitzen allerhand Künstler und solche, die es noch werden wollen, und bieten ihre Waren feil. Vorhin zum Beispiel hat mir einer einen Löffel German Cake angeboten, mir dazu erzählt, dass er dafür alle Zutaten aus Deutschland einfliegen lässt, keinerlei Zucker, Mehl oder Eier verwendet und ich den Kuchen doch mal hochheben soll. Der ist total schwer. - Weil da so viel gute Sachen drin sind! Gut ähm. Die Logik, warum das Gewicht eines Kuchens ein Qualitätsmerkmal sein soll erschließt sich mir noch nicht so ganz... Und gesehen hab ich sowas zuhause auch noch nicht. Wie ers schafft, dass sein Kuchen ganz ohne Zucker so süß ist, frag ich ihn (auf englisch! Weil ich Angst hab, dass ich sonst aus rein patriotischer Solidarität heraus so nen Klotz kaufen muss...) und er meint, heut sei ein bisschen Honig drin, aber sonst nimmt er Früchte... Zitronen (Zitronen?!) Beeren.. und... "Und Bananen??" Frage ich mitleidig. Ja, Bananen auch, sagt er. Alter Schwede, der ist ein Fall für "Die Auswanderer" denke ich im weitergehen.

Sonntag, 10. April 2016

Green Island - die Perle

Jetzt aber. Green Island. 2 Tage habe ich vorgebucht, und nach einer ersten Umrundung mit dem E-Roller (für alles andere bräuchte man einen taiwanischen Führerschein) verlängere ich um eine Nacht, und auch da werde ich später bereuen, dass es nicht 2 oder 3 Nächte sind.
Die Schönheit von Green Island ist wirklich nur schwer in Worte zu fassen. Dieser Flecken Erde zieht mich sofort in seinen Bann. Da wären Buchten, die in allen Blautönen leuchten, Felsformationen mit so poetisch klingenden Namen wie "Sleeping Beauty" (und der Fels sieht tatsächlich einem schlummernden Dornröschen ähnlich) und ein Salzwasserhotspring.
Am meisten hat mich aber an Green Island fasziniert, dass es so garnicht überlaufen war. Da kuckt man auf einen Sonnenuntergang und ist dabei allein. Kann ungestört seinen Gedanken nachhängen, in den Horizont starren (und dabei Unmengen von Selfies machen) und glücklich sein.
Am ersten Tag tuckere ich ganz allein über das Inselchen. Mach alle Meter mal Halt, knipse Fotos, fahr weiter, halte wieder an, und so weiter. Die Insel ist komplett vulkanisch, am Strand haben die Felsformationen allerhand Einschlüsse, der "Sand" besteht aus Korallen, wenn man genau hinsieht, entdeckt man kleine Krebse (und springende Shrimps!) und im Wald tummelt sich das ein oder andere Reh.
Gegen 22 Uhr mache ich mich auf zum Hot Spring. Man kann im Becken sitzen und den Sternenhimmel beobachten, heißt es. Und so mache ich das dann auch. Fast noch schöner finde ich allerdings den Heimweg. Auch wenn ich sehr darauf achten muss, keine Frösche zu überfahren, denn die kommen nachts raus und hüpfen sehr suizidal über die Straße.
Irgendwann, und ich weiß garnicht mehr warum, ich glaub ich wollte mir die Sterne ansehen, halte ich am Straßenrand an und mache das Licht aus. Es ist stockduster. Und auf einmal sehe ich es überall um mich herum funkeln. Glühwürmchen! Da gabs Glühwürmchen! Ich werd nimmer...
An Tag 2 laufe ich im Hostel einem Mädel über den Weg. Theresa aus Tschechien. Sie ist glaube ich schon einen Tag länger da, hat aber schon alles ausgekaspert. Den Tag verbringen wir zusammen. Wir wollen die Hiking Trails der Insel erkunden. Unterwegs machen wir unzählige Bilder von Riesenspinnen, Leguanen und Schmetterlingen. Diese tollen riesigen Schmetterlinge, die manchmal ohne mit den Flügeln zu flappen einfach durch die Luft segeln und sich vom Wind tragen lassen.
Doch irgendwann sehen wir auch unsere erste Schlange und ab da kucken wir peinlich genau auf den Boden. Das ist so lange kein Stress wie der Weg schön breit und gepflastert vor uns liegt. Aber kurz darauf wird er schmaler, und die Pflanzen wuchern von beiden Seiten in den Weg hinein.
Aber ich merk schon... Theresa ist outdoorerprobt. Die wilden Wälder Tschechiens sind wohl von einem anderen Kaliber als der deutsche Normalwald. So schnappt sie sich den nächstbesten Bengel am Wegesrand und ab sofort wird in jedes Grasbüschel, das zu weit in den Weg hineinragt beherzt draufgeschlagen. Gegen die Schlangen. Ich fühl mich sicher. Einmal treffen wir andere Menschen auf dem Weg. Ansonsten sind wir - wie so oft - ganz allein.
Für den nächsten Tag nehmen wir uns das Gefängnis vor. - Ja auch das hat Green Island zu bieten. Geschichte. Hier war nämlich eine Art Alcatraz, in dem das KMT Regime politische Gegner "umerziehen" ließ. Sogar das Gefängnis hat einen poetischen Namen: Oasis Villa. In diesem Fall ist er aber durchaus zynisch. Abends im Hostel gesellt sich Ebba zu uns, eine Deutsche, und den letzten halben Tag unternehmen wir zu dritt etwas.
Mal wieder hat Theresa die perfekte location in petto. "Blue Lagoon". Das klingt nicht nur, wie aus dem Erotikfilm, das ist auch genauso geil. Wir parken am Strand und klettern über das Vulkangestein und tatsächlich! Da ist eine kleine Lagune. Tief genug zum baden, in den herrlichsten Blau- und Grüntönen schimmernd, und keine Menschenseele weit und breit! 10 Meter weiter prallt die geballte Wucht des wilden Pazifiks an die Steilklippen, das Wasser donnert hier tiefblau an die schwarzen Felsen und zerstäubt mit weißer Gischt wieder in den Ozean zurück.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch ca. 10 Minuten, bis ich zum Roller laufen, gen Hostel fahren, duschen, auschecken, zum Hafen düsen und wieder aufs Boot muss... Hier hätt ichs locker ne Woche ausgehalten... Man halte fest: Green Island, absolutes Highlight(!!) von Taiwan bis jetzt, und definitiv in den Top 3 der gesamten Reise überhaupt.

Zwischenstop In Taitung - unverhofft kommt oft

Nachdem ich Casdeen überredet habe, dass es besser ist, wenn er alleine mit dem Roller zurück nach Kaohsiung (jetzt hab ich "Gaushong" doch mal gegoogelt) zurückfährt, setze ich mich in einen Bus nach... einem Ort, dessen Name ich ebenfalls vergessen habe, um einen Zug nach Taitung (gesprochen Taidong) zu nehmen.
Also chinesisch wird nicht mein bester Freund. Man tut sich teilweise schwer, die Orte, für die man ein Hotel buchen will in die Suchmaschine einzutippen, weil Schreibweisen und Aussprachen von Orten wild variieren, teilweise für einen Ort mehrere Schreibweisen gelten, und das ganze dann nochmal anders ausgesprochen wird. Wuaaaahhh. Phonetisches russisch Roulette, gepaart mit Analphabetismus.
Aber Agoda kennt Green Island (Google nicht! Kein Scheiß!). Zum Glück. Leider ist langes Wochenende, und die Preise auf der Insel sind unschön hoch, was mich dazu zwingt, eine Nacht Zwischenstop in Taitung einzulegen.
Und das mache ich nicht gerne, denn wenn ein Reiseführer schonmal keine lobenden Worte mehr für einen Ort übrig hat... Darin steht soviel wie "Fahr da bloß nicht hin, da gibt's nur viel Verkehr und sonst garnix, sogar der Bahnhof liegt außerhalb und die Sehenswürdigkeiten kann man sich eh sparen." Ui.
Also buche ich missmutig ein Bed and Breakfast in Bahnhofsnähe und hoffe, dass der Tag irgendwie rumgeht. Und mal wieder kommt es anders. Die Besitzer des Magic Seed B&B sind super nett, mein 4-Bett Dorm entpuppt sich als 2-Bett Zimmer, und ich bin darin der einzige Gast. Dazu habe ich ein riesiges Bad. Kann man nicht meckern.
Als ich mich auf in die Stadt machen will (die auf dem Flyer ebenfalls so einiges zu bieten scheint) werde ich von einer Taiwanerin - ebenfalls Gast - auf deutsch angesprochen. Sie und ihr Mann (Ralf aus Heidelberg) und ihre Tochter machen hier gerade Urlaub. Treffen sich später noch mit Freunden, was essen und in den Hot Spring. Ob ich mitwill...? Da lasse ich mich garnicht erst 2 Mal bitten. Ich werde mit ins Auto gesetzt und wir fahren in diesen Laden mit dem sehr unfreundlichen Besitzerehepaar aber diesem wahnsinnig leckeren Essen. Am besten schmeckt mir das Blätterteigröllchen mit Schweinefleisch und sauren Gurken. Das taiwanische Äquivalent zum Döner. Danach geht's in einen Hot Spring. Meinen ersten auf der Reise.
Und Vivi und Ralf sind so nett, dass sie mich am nächsten Morgen auch gleich mit an den Hafen nach Fu Gang mitnehmen, denn dort legt die Fähre nach Green Island ab, und auch die Zimmerpreise sind dort wieder erschwinglich.

Taiwan - was bisher geschah...

Wenn man über die Taiwaner eines sagen kann, dann dass sie ein absolut freundliches und hilfsbereites Völkchen sind. Die einzigen wirklich frustrierenden Erfahrungen die ich bisher machen musste basierten auf Kommunikationsschwierigkeiten.
Für das ultimative Reiseerlebnis empfehlen sich 2-3 Brocken Mandarin. Sonst kann es schon mal passieren, dass man sich auf einen bestellten Salat freut und dann einen Teller mit mariniertem Tintenfisch vorgesetzt bekommt.
Davon abgesehen ist Taiwan das so ziemlich schönste Land der Reise. Der Überraschungsjoker sozusagen. Und vielleicht auch deswegen weil ich keine bestimmte Erwartungshaltung hatte. Wenn man nicht weiß, was einen erwartet, können schon mal keine Träume zerstört werden. Aber das alleine klingt jetzt zu negativ. Man darf durchaus anspruchsvoll sein, wenn man hierher reist.
Vor allem begeistert mich immer wieder die Natur. Und im Gegensatz zu anderen gehypten Destinationen kann es vorkommen, dass man mutterseelenallein vor einem atemberaubenden Naturwunder steht und sein Glück garnicht fassen kann. Gebannt aufs Meer starrt, wie sich die Wellen an den Steinklippen brechen und die Gischt weiß schäumt und brodelt.
Man lässt sich an die Gegenwart fesseln und schaut einfach mal zu.
Aber der Reihe nach... Ich hab ein bisschen getrödelt mit dem Schreiben, deswegen stecke ich chronologisch immer noch in Taipeh fest, obwohl ich längst ein ganz anderes Highlight auserkoren habe.
Taipeh, Yangmingshan. Das war am....Ostermontag. Ein herrlich milder und sonniger Tag. Zusammen mit Delia und Casdeen, meinen beiden Taiwanern mache ich mich auf.
Taipeh ist eine der wenigen Städte, die innerhalb der Stadtgrenzen einen Naturpark haben (man kann mit Ubahn und Bus hinfahren!). Nach ein paar mal Umsteigen und nach dem Weg fragen stehen wir auf dem Berg, sehen Kühen beim grasen zu und laufen den ausgeschriebenen Rundwegen nach. Wir kommen an einem schönen Wasserfall und einer Hängebrücke vorbei. Auf den Wiesen werden unzählige Hochzeitsfotos geschossen. Verlaufen kann man sich eigentlich nicht. Alle Wege sind wunderbar beschildert, sogar zweisprachig. Und als wir denken es war genug Natur für einen Tag, setzen wir uns wieder in den Bus und fahren zurück zum Shilin Night Market und futtern uns durch bis wir keinen Hunger mehr haben. Frittierter Oktopustentakel, Süßkartoffelbällchen, Jakobsmuscheln und Austern mit Maracujacreme. Und einmal mehr plant sich die nächste Reiseetappe wie von selbst.
Casdeen erzählt mir vom Spring Scream Festival, das Anfang April in Kenting, also am südlichsten Zipfel Taiwans, sein soll. Ich checke die Lage hinsichtlich Hostels und entdecke genau eines im Umkreis von 20km, das noch genau 2 bezahlbare Betten im Dorm verfügbar hat. Das deute ich als Wink des Schicksals.
Da das Festival noch ne kleine Weile hin ist, verbringe ich 2 Nächte dazwischen in Tainan, ehemaliger Hauptstadt von Taiwan. Gleich nach meiner 5 stündigen Busfahrt dorthin, werde ich von einem freundlichen Typen angequatscht, der mir zu guten Konditionen einen E-Roller vermietet. Mobil bin ich also auch.
Tag 1 widme ich einer Tempeltour. Konfuzius und Co. werden gnadenlos abgegrast und ich stelle fest, dass auch die Tempel in Taiwan erfrischend anders sind als im Rest von Asien. Die Figuren darin sind meist düster, mit Grimassen, aus dunklem Holz, es riecht herrlich nach Räucherstäbchen und man kann allerhand skurriler Riten beobachten.
So hat jeder Tempel einen kleinen Ofen, in dem Menschen munter gelbes Papier verbrennen. Als ich frage, was es damit auf sich hat, wird mir gesagt, das sei Papiergeld für die Ahnen. Wenn man es verbrennt, kommt es mit dem Rauch ins Jenseits und kann dort verprasst werden. Interessantes Konzept. Einmal liegt so ein "Geldschein" auf dem Boden rum. Ein Pferd und ein Männchen ist drauf. Damit kann man sich dann ein Pferd kaufen im Jenseits, und einen, der es füttert. Aha... Und im August machen alle Ahnen Urlaub auf der Erde, dann wird zusätzlich Essen gespendet... Das ist doch mal was anderes, als alle 2 Meter über nen Buddha zu stolpern.
Tag 2 widme ich einem anderen Stadtteil, dessen Hauptattraktion ein Haus ist, das komplett von Banyanbäumen überwuchert ist. Das sind die gleichen, die auch in Angkor in den Tempeln wachsen. Und sieht ziemlich cool aus, wenn sich diese Wurzeln durch das Mauerwerk kämpfen.
An Tag 3 treffe ich Casdeen am Bahnhof und wir fahren mit dem Zug nach... Ähm... Gaushong oder so. Vergess ich immer. Aber is auch Wurschd, weil wir da nur nen Roller ausleihen um schnell nach Kenting runterzufahren. Dauert ne Stunde sagt Casdeen. Und weil er Local ist, glaube ich ihm das natürlich. Dreieinhalb(!!!) Stunden später erreichen wir Kenting. Ich mit meinem 12 Kilo Rucksack und einem zu großen Helm als Sozius. Mit Zahlen hats der Gute wohl nicht so. Aber gut. Wir sind da. Und das Hostel hätt ich ohne ihn wahrscheinlich auch nicht gefunden.
Die nächsten 3 Tage verbringen wir abends jeweils am Festival und tagsüber in der Umgebung. Das Springscream ist ganz witzig. Angepriesen als Festival mit über 200 Bands hat es 5 Stages, jede davon so klein, dass man bei jedem Auftritt in der ersten Reihe - oder gleich auf der Bühne - stehen kann wenn man das will. Dazwischen gibt es Chill Areas und Stände die Essen und Hippiekram verkaufen. Ihr wisst schon... Selbergehäkeltes und so. Der schönste Tag war der, den wir in der Forest Recreation Area verbracht haben. Zwar kostet dieser Wald Eintritt, aber man wird mit schönen Wanderwegen, tollen Bäumen (ja, wirklich!) und anderen Naturphänomenen belohnt. Und die Taiwaner sind sehr kreativ, was die Namensgebung ihrer Naturschönheiten angeht. So waren wir am "Fairy Cave" also der Feenhöhle, danach am "Silver Dragon Cave" danach am "Cliff of Apes" und an der " One line Sky". Es ist wie bei einem raffiniert verschnürten Geschenk. Nicht nur schön ansich, sondern auch sehr geil verpackt. Und wie von selbst plant sich auch mal wieder die nächste Etappe der Reise. Ich soll mir Green Island anschauen, rät mir Casdeen, da isses echt schön. Also guuuut.

Samstag, 9. April 2016

Formidables Formosa

Als der Flieger nach etwas mehr als 4 Stunden in den Sinkflug über Taipeh geht, fühlt es sich an, wie in Frankfurt zu landen. Sonnig ist es nur über der geschlossenen Wolkendecke. Darunter empfängt mich grau. Grau nass und kalt. Jetzt habe ich mir das ja irgendwie gewünscht, sage ich mir. Aber so wirklich glücklich bin ich darüber nicht.
In Bangkok hatte ich mir am Abflugmorgen eine meiner Plusterhosen angezogen und ein Tshirt, meine nackigen Füße stecken in Birkenstocksandalen. Aus meinem Rucksack am Gepäckband krame ich mir dazu schnell Fleecepulli und Windjacke. Bei der 2-stündigen Fährt ins Zentrum fange ich trotzdem das frösteln an. Es ist 19 Uhr abends, als wir am Bahnhof einrollen. Es regnet, hat 12 Grad und ich habe den ganzen Tag nichts zu essen bekommen. Was hab ich nur getan?? Hier ist alles voll garstig.
Als ich nach einer Suppe am Bahnhof zumindest eines meiner 3 Probleme behoben habe, watschle ich mit einem neuen Knirps gen Hotel und heule mich per Skype beim Sandi aus.
Alles ned so tragisch, beschwichtigt er mich, ich soll jetzt mal warm duschen, ne Nacht drüber schlafen und dann wird das schon wieder.
Und wie er recht behalten sollte...
Nach einer heißen Dusche fühle ich mich tatsächlich etwas besser, und mein Bett hat - ein Daunenkissen!!! Mit Federn! Versöhnt moffle ich mich in den Schlaf.
Am nächsten Morgen sagt man mir an der Rezeption, dass ich nicht verlängern kann, weil ausgebucht ist. Ein neues Hostel muss her. Als ich auf die Straße trete bin ich plötzlich im Sonnenschein. Ich frühstücke ein Schinken Käse Croissant, und mir geht es dabei schon sehr viel besser.
Als nächstes buche ich ein neues Hostel und ziehe mit Sack und Pack um. Das "Oxygen" liegt direkt neben dem 228 Memorial Park, und da ich das erste Mal überhaupt vorab das Geschichtskapitel meines Lonely Planet gelesen habe, weiß ich sogar grob, was ich mir da ansehe.

Exkurs - Jüngere Taiwanische Geschichte
(Ohne Anspruch auf ultimative Richtigkeit)
Taiwans strategisch günstige Lage im Pazifik hat immer wieder zu Kolonialisierungen geführt. Erst durch Holland, dann durch Japan.
Im Sino-Japanischen Krieg, den Japan verlor, fiel Taiwan dann an die Chinesen. Das war glaube ich zeitgleich mit dem 2. Weltkrieg. (Na gut, so intensiv hab ichs doch nicht gelesen...)
Auch China - obwohl ein Großteil der taiwanischen Bevölkerung aus Exilchinesen besteht, behandelte Taiwan als Kolonie und Ressourcenlieferant. De facto wurden viele Annehmlichkeiten aus der japanischen Kolonialisierung (Müllabfuhr, usw.) unter den Chinesen wieder vernachlässigt. 
Die chinesischen Besatzer waren die Kuomintang (KMT) unter Chiang Kai Shek, dessen Ziel es war, Taiwan chinesisch zu machen.
Gleichzeitig gab es aber innerhalb von China Machtkämpfe zwischen den KMT und den Kommunisten. Die Kommunisten (Mao & Co.) haben diesen Machtkampf für sich entschieden und die KMT flüchteten nach Taiwan.
Die KMT Diktatur hielt an bis in die späten 80er Jahre. Seither ist Taiwan eine Demokratie mit freien Wahlen und allem. De facto unabhängig. Aber nur fast. China sieht Taiwan nicht als eigenen Staat an, was auch der Grund ist, warum es in Taiwan zum Beispiel keine deutsche Botschaft gibt.
Allerdings wären die Taiwaner gerne unabhängig. Wirklich leiden kann man die "Mainlanders", die immer in Rudeln und im 200m Umkreis eines Reisebusses auftreten, hier nicht.
Und der 228 Incident.... Den kann man sicher auch auf Wikipedia nachlesen.

Im 2-28 Museum laufe ich an einem Tisch vorbei, an dem ältere Damen aus Papier Blumen basteln. "FREE" steht an einem Schild auf dem Tisch.
Ich setze mich dazu und tatsächlich bekomme ich von einer Dame erklärt, wie man eine solche Blume (Lilien, glaube ich) bastelt. Ich finde es interessant und habe gefühlt sein dem Kindergarten nichts mehr gebastelt, voll toll!! Aber die erste Blume wird mir immer wieder aus der Hand genommen.
Das hier ist nichts für Kleinkinder, sondern hochwissenschaftlich. 3 gelbe Fruchtstempel brauche ich, daneben 5 braune. Die braunen müssen exakt 5mm unter und kreisförmig um den gelben Stempel platziert werden.
Ich werde dabei genauestens observiert. Ich brauche 6 Blütenblätter, 3 davon konzentrisch um das Stempelkonstrukt, die anderen 3 in die Lücken dazwischen, oben müssen sie genau mit dem gelben Stempel abschließen... Etc. etc.
Wie gesagt, so eine Blume will schon liebevoll gebastelt sein.
Etwas trotzig mache ich nach der ersten noch eine 2. weil Blume 1 streng genommen meine Lehrerin gebastelt hat. Als ich fertig bin wird eine 3. Blüte dazuarrangiert, das Ganze wird kunstvoll geknickt und mir mitgegeben. Danach mache ich noch ein paar Fotos mit den Damen und trete glücklich wieder in den Park hinaus. Die sind ja nett.
Auch im Memorial Park selbst freut mich, was ich sehe. Die Menschen hier sind ein bisschen schrullig. Opis machen Tai Chi, andere spielen Kreisel, füttern Eichhörnchen, oder führen ihre Katzen an der Leine spazieren. Mir gefällt das. Hier macht jeder sein eigenes Ding. Am Ende des Parks steht ein weiteres Museum, und mit meiner Eintrittskarte komme ich sogar noch in ein drittes, gegenüberliegendes. Dort sehe ich - ebenfalls nach einer Ewigkeit - Dinoskelette. Im Museumscafe bestelle ich Waffeln mit Früchten und bekomme Waffeln mich Früchten und Cocktailtomaten, daneben komme ich mit einem Taiwaner ins Gespräch. Er malt mir sofort ein paar Kanjis auf einen Zettel, und sagt, dass sich an der Haltestelle mit diesem Namen einen Nachtmarkt finde und außerdem einen Berg besteigen kann. Mitten in Taipeh quasi. Glücklich schlendere ich durch eine Shopping-Seitenstraße wo ich in der Umkleide ebenfalls Begegnung mit einer ganz unorthodoxen Verkäuferin ohne jegliche Berührungsängste mache. (Sie versucht mich in irgendwas reinzuzwängen, das Größe L hat - leicht frustrierend aber irgendwie lustig.) Am Abend melde ich mich für das Pub Crawl an und mache Bekanntschaft mit der Kneipen und Clubszene Taipehs, sehe ein Karaoke Taxi, und lerne Casdeen, einen kleinen pfiffigen Taiwaner kennen. Am folgenden Tag mache ich gleich den nächsten Stadtspaziergang mit, der mich und einige weitere durch ein Fressviertel und schließlich vor das Chiang Kai Shek Memorial führt. Außer einer kleinen Handvoll Ausländern ist auch eine Gruppe taiwanischer Studentinnen mit von der Partie, die von ihren Dozenten aufgetragen bekommen haben, ihr Englisch auszuprobieren. In der Praxis redet eine, die anderen stehen etwas schüchtern lächelnd daneben. Aber als das Ende der Veranstaltung naht zückt jede nochmal kurz ihr Smartphone, macht ein Memorial-Selfie mit mir und addet mich auf Facebook. Weswegen ich jetzt ca. 8 neue Freundinnen habe, die ich so garnicht zuordnen kann. :) Es ist schon dunkel als ich auf den Xiangshan Elefantenberg klettere, um einen guten Blick auf das Taipei 101 zu erhaschen. Zurück im Hostel werde ich von Delia, die an der Rezeption arbeitet, ganz freudig begrüßt. Was ich morgen vorhabe, frägt sie mich. Öhm.... Nix. Ob ich mit ihr auf den Yangmingshan will? Weil sie hätte morgen frei, und sie würd gern mit mir hin... Wahnsinn, denk ich. Nichtmal um die Reiseplanung muss ich mich wirklich kümmern. Ich sage zu, und freue mich.

Last days in Bangkok

Nachdem mein lieber Sandi von mir wieder schweren Herzens am Flughafen abgeliefert worden ist, brechen auch meine letzten Tage in Bangkok an.
Zum einen läuft meine Aufenthaltsgenehmigung am 26. März ab (je Einreise immer 30 Tage) zum anderen ist es einfach unerträglich heiß.
Hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen weit jenseits der 30 Grad schlauchen einen enorm, sobald man aus einem klimatisierten Gebäude tritt. Ich will irgendwohin wo es etwas kühler ist.
Damit fällt Laos schonmal aus. Denn auch ohne mich weiter damit zu befassen kann ich mir nicht vorstellen, dass es in Luang Prabang kälter sein soll als in Chiang Mai.
Für China benötige ich ein Visum und selbstredend habe ich mich NICHT darum gekümmert, eines zu beantragen. Zu teuer, zu umständlich, zu anstrengend, wahrscheinlich auch zu zeitintensiv (das Visum) und zu faul (ich).
Korea überlege ich mir kurz aber ziemlich schnell fällt meine Wahl sehr intuitiv auf Taiwan, das mir Ilse (eine Mitreisende - und Mitreißende) im Januar ans Herz gelegt hat.
Oft habe ich ein Bild im Kopf, bevor ich irgendwo hin will. Aber was Taiwan angeht ist das Kopfkino auf Sendepause. Ich kann mir unter der Insel absolut nichts vorstellen, es ist für mich ein dunkler Fleck auf der Landkarte.
Von Deutschland aus käme ich wahrscheinlich nicht auf die Idee, ausgerechnet dorthin zu wollen. Und wahrscheinlich ist es genau dieses "now or never" Gefühl, das mich nach Flügen suchen lässt. Nicht ganz billig, aber immerhin 4 Flugstunden nach Norden, also bestimmt moderat, was das Klima angeht.
Bevor ich buche, sehe ich mir in der Wetter App Taipeh an und werfe einen Blick auf die ersten 10 Seiten des Lonely Planet. Outdoorparadies steht da, und die Bilder sehen toll aus. 2 Stunden später klicke ich auf den "Book"-Button bei V-Air, der taiwanischen Version von RyanAir. Ganz schlau buche ich mir für den Hinflug 15kg und für den Rückflug 20kg Gepäck zu. Wer weiß, vielleicht gibt's in Taiwan Klangschalen....
Die letzten beiden Tage in Bangkok lasse ich es mir nochmal gutgehen. 1 Fußmassage pro Tag, kleine Sightseeingtour mit Michaela, Sundowner auf dem Hosteldach (- Chao Hostel in Siam, das geilste Hostel der Welt) erfolgreiche CalvinKlein-Goldbund Tour durch die Khao San, Abstecher ins Jim Thompson House (nebenan) und ein Besuch im bacc, dem "Bangkok Art & Culture Center".
Das ist ein kostenloses Museum mit Ausstellungen aller Art. Im 6. Stock wird gerade eine Installation aufgebaut, als ich vorbeilaufe. Ich werfe einen neugierigen Blick auf das geschäftige Treiben, und herausgestürmt kommt ein sichtlich gestresster Amerikaner, der mir sagt ich soll doch morgen Abend um 6 Uhr bitte wiederkommen, da wär Eröffnung.
Ist ja gut, denk ich, und ziehe weiter in den 7. Stock. Dort gibt's sehr interessante Kunstwerke, darunter ein riesiges Krokodil aus Holz, in das ich mich sofort verliebe. Auf dem Rückweg laufe ich dem gleichen Typ von Stockwerk 6 nochmal über den Weg, und komme mit ihm ins Gespräch.
Stellt sich raus - er ist der Künstler, und nicht wirklich davon überzeugt, dass alles rechtzeitig zur Eröffnung fertig wird...
Nichtsdestotrotz führt er mich durch die unfertige Ausstellung und erzählt mir, was er mit seiner Kunst aussagen will. Und das ist wichtig, weil selbsterklärend sind seine Videoinstallationen nicht. Am nächsten Tag komme ich mit Yvonne und Peter wieder zurück um mich am Eröffnungsbuffet zu laben (kleine Becher mit Spaghetti Bolognese!) und werde tatsächlich ganz herzlich von dem Künstler (John - selbstverständlich sind wir per du...) begrüßt, der danach noch mit uns essen geht, weil es hier keine der üblichen After Partys gibt, was ihn etwas zu deprimieren scheint.
Das ist mein letzter Abend in Bangkok. Ich beschließe ihn mit einer allerletzten Fußmassage.

Etappe 4 - Berg, Wasserfall und Chiang Mai

Am letzten Tag wollten wir auf den Doi Inthanon, Thailands höchsten Berg.
Den wollten wir selbstredend nicht zu Fuß besteigen (dafür war ohnehin keine Zeit) aber der hatte ganz convenient eine geteerte Straße bis ganz zum Gipfel.
Kurz vorher geht es links in einen toll angelegten Garten mit 2 Stupas zu Ehren des Königs und der Königin. Weil wir verhältnismäßig früh dran waren, hielt es sich mit den Besuchern auch noch etwas in Grenzen.
Hier musste ich auch mal wieder meinen Freund beschützen, die thailändischen Männer stehen irgendwie auf den... Ob Sie Fotos mit uns machen dürfen, fragten uns 2 Militärpolizisten (wobei, eigentlich haben sie uns das eher befohlen), aber ich bin mir fast sicher, dass ich nicht auf dem Bild bin. Der Fokus lag ganz klar auf Muskeln und Testosteron.
Nach dem Park gings noch schnell auf den Gipfel zum Gipfelbild vorm Schild und dann den Berg wieder runter vorbei an einem kleinen Markt an dem wir uns mit gefühlt einem Kilo Erdbeeren gestärkt haben.
Auf dem weiteren Weg Richtung Chiang Mai lag noch ein Wasserfall, den wir fast ausgelassen hätten. Denn oft lohnt sich der Abstecher in den trockenen Monaten nur wenig, da meistens nur Rinnsale aus einem Berg raustropfen.
Man weiß nie so wirklich, was einen erwartet. Aber irgendwie hatten wir mit unserer Intuition mal wieder Glück. Nach einigem Suchen fanden wir den kleinen Weg versteckt hinter einem Häuschen und trafen bei Ankunft gerade so lange noch ein französisches Paar mit lokalem Guide, um 2 Stückchen Pomelo geschenkt, und den geheimen Weg hinter den Wasserfall erklärt zu bekommen. 
Dann waren wir plötzlich allein. Allein in einem Traum aus blau und grün, mit Dschungel um uns herum. Das sind genau die Momente, die einen solchen Urlaub ausmachen. Und sie sind deswegen schön, weil man nicht mit ihnen rechnet.
Dann ging es auch schon wieder zurück nach Chiang Mai. Erwähnenswert ist eigentlich nur das Hotel, das wir ganz kühn am anderen Ende der Stadt gebucht haben - weil, man ist ja mobil.
Bei Ankunft sagt der freundliche Mann an der Rezeption "You booked the superior Double Room. (Jupp. Superior, baby. Man gönnt sich ja sonst nix. Und der einzige Grund dafür ist, dass der Zimmerpreis auf Agoda um 75%(!!) reduziert war). "I am sorry, superior room is fully booked." (Bitte was?!) "I will give you upgrade to Junior Suite." (Gut, ich vergebe dir, freundlicher Rezeptionist)
Unsere Suite (wie das klingt...) hatte gleich 2 Klimaanlagen, um die nötige Kühlleistung zu erzeugen, und in dem Zimmer konnte man sich regelrecht verlaufen.
Unklar ist mir zwar, wozu man eine Küche ohne Geschirr oder Besteck braucht (bringen das die noblen Herrschaften normalerweise selbst mit?) Aber Upgrade ist Upgrade. Da kühlt man schonmal das Zimmer auf 18 Grad runter, damit es kalt genug ist, um ein wärmendes Vollbad zu nehmen. Einfach weil mans KANN. Einen Tag später gings dann auch schon mit dem Flieger nach Bangkok, wo wir ebenfalls eine Suite gebucht haben (diesmal mit Whirlpool auf dem Dach). Downgraden ist halt wahrhaft schwieriger...

Etappe 3 - Immer schön tanken

Am 3. Tag unseres Abenteuers schaffen wir es, früh aufzustehen und uns auf den Weg zu machen. Die Touristenattraktionen von Mae Hong Son lassen wir komplett aus.
Ein Tempel auf dem Berg liegt im Morgennebel, der Hot Spring ist für die frischen Morgenstunden ebenfalls zu abwegig. Also machen wir erstmal Strecke.
Ein Wasserfall und ein gigantisches Blumenfeld sind auf dem Weg ausgewiesen und den Umweg machen wir gerne.
Am Blumenfeld merken wir, dass wir die Blütezeit verpasst haben, aber das war uns eigentlich schon fast klar, da komplett Nordthailand im März eher dürr wirkt, der Wasserfall war dann ganz nett. Sagen kann man auf jeden Fall, dass er nicht überlaufen war. Weit und breit gab es außer uns keine Menschenseele. Bis auf den Herren am Eingang, der uns nichtsdestotrotz 100 Baht Eintritt abgenommen hat (ob sich das rechnet..?)
Als nächsten Halt wird Mae Chaem erkoren (das musste ich gerade nachgoogeln) und auf dem Weg dahin war das allerspektakulärste die Tankanzeige unseres Mopeds. Die ging nämlich beständig nach unten. Eine Tankfüllung reicht ca. 150km, hätte man uns mal gesagt.
 Und so kommen wir zu den heiligen 2 Geboten des Mae Hong Son Loop:
1. Gebot: Fahre defensiv und achte auf Gegenverkehr.
2. Gebot: Sobald du eine Tankstelle siehst - so tanke.
Was ja ansich kein Problem ist. Einzig die spärliche Tankstellendichte in Thailands Norden macht Gebot 2 ... Etwas abenteuerlicher als es im ersten Moment klingt.
Und so fuhren wir, ein Auge auf Google Maps, die Käffer am Wegesrand abklappernd, das andere Auge auf der Tankanzeige. Ein Strich bei gerader Strecke, Berg rauf 2 Striche, aber meist nur kurz. Ein Nervenkitzel der anderen Art. Da kommt man dann auch mal auf die Idee, an ganz wahnwitzigen Benzintonnen zu tanken, wo der Tankwart des Vertrauens noch selbst kurbelt. Alles gemacht.
Schlussendlich haben wir aber eine richtige echte Tankstelle gefunden und konnten unseren Weg entspannt fortsetzen.
Kurz vor unserem Ort haben wir eine Art Naturschwimmbad am Wegesrand entdeckt. Mit Fressständen die den mit Abstand schärfsten Papayasalat verkauft haben und Bier so kalt, dass die Hände schmerzten.
Am Besten findet man als Deutscher Tourist aber immer noch, wenn man der einzige Ausländer ist. Check. Und dann hats nichtmal Eintritt gekostet! Da ist das Tatami gleich doppelt so gemütlich.
In Mae Chaem haben wir dann eine Bar ausgegraben die tatsächlich deutsches Bier verkauft hat! Der Besitzer hat für uns sogar die Soundanlage samt Lasershow angeschmissen und uns ein romantisches Kronkorkenkerzchen auf den Tisch gestellt.
So ging dann auch dieser Tag zu Ende. Unser Hotel trug den romantischen Namen Chadaporn. Was will man mehr?

Sonntag, 3. April 2016

Etappe 2 - Mae Hong Son

Am nächsten Morgen wollen wir früh los. Wir stellen uns den Wecker auf halb 8 - und verschlafen glorreich. Kurz nach 9 sitzen wir am Frühstückstisch.
Gleich am Ausgang von Pai soll es einen Hot Spring zum Baden geben, sagt uns die Besitzerin Loi nochmal, bevor sie uns einmal herzlich drückt und uns entlässt.
Um halb 11 sitzen wir wieder auf dem Motorrad. Und auch den Hot Spring machen wir ohne Probleme ausfindig. Er ist klein, liegt aber sehr hübsch mitten in der Natur und hat angenehme Badewannentemperatur. Wir testen gleich unsere Go Pro über und unter Wasser und befinden für gut. Als eine Schulklasse eintrifft, packen wir unser Zeug zusammen, kaufen eine Handvoll "Bang Bang" Schokoriegel und fahren wieder weiter.
Die Strecke ist wie angepriesen herrlich bergig und kurvig. Unterwegs kommen wir an einigen Aussichtspunkten und zum Glück auch an dem ein oder anderen Pad Thai Stand vorbei.
Nachmittags entdecken wir ein Schild. Mae Lana Cave - längste Höhle in Thailand steht drauf. Cool. Wir biegen ab und fahren in die Pampa, immer dem Schild hinterher.
Zum Glück haben wir ein Crossmoped, denn einige der Straßen sind mehr off- als onroad. So wirklich wissen wir nie ob wir richtig sind, Schilder sindvorhanden, aber spärlich, Hühner rennen über die Straße, Mini-Dörfchen zieren den Wegesrand und die Straßen haben wahnwitzige Steigungen. Irgendwann, nach Umfahren einer Straßensperre und 2 Dörfer weiter stehen wir vor einer Schranke mitten im Nirgendwo. Und tatsächlich ist daneben ein Häuschen und 2 Typen sitzen drin. Auf einem Schild steht: "Guide for Cave 300 Baht, no Guide no Cave, dangerous" Also gut. Welchen Cave wir machen wollen, werden wir gefragt. Diamond Cave ist billiger - no have water. Mae Lana - have water. Der Sand hätte gern Wasser.
Wir bekommen Gummischuhe und Stirnlampen ausgehändigt und sitzen wenig später wieder auf dem Moped und fahren unserem neuen Guide eine noch wahnwitzigere und steilere Strecke hinterher. Und um fair zu sein: den Eingang der Höhle hätten wir ohne Guide eh nicht gefunden. Es geht auf 2 Bambusbrettern über den Fluss, um die Ecke rum und eine Leiter runter. Kein Mensch würde sowas für den offiziellen Eingang einer Touristenattraktion halten. Aber wir sind die einzigen 3 Menschen, die sich hierher verlaufen haben. Unser Guide geht zielsicher voraus. Es ist stockfinster und man könnte sich sicher ohne Probleme verirren. Viel reden tut er nicht. Er ist da, damit wir hier rein und wieder rausfinden, aber seine Dienste sind nötig. Wir sehen riesige Tropfsteinformationen. Die Höhle ist an einigen Stellen gut und gerne 10 Meter hoch. Und tatsächlich: es gibt auch Wasser. Ein einigen Stellen ist es fast hüfttief. Der Guide sagt in der Regenzeit kann man hier garnicht rein. So waten und kraxeln wir fast 2 Stunden lang durch die Dunkelheit.
Fledermäuse sehen wir und auf dem Rückweg - eingekringelt und giftgrün - eine Schlange. Poison? Fragen wir. Der Guide nickt und lächelt. Wir machen ein Erinnerungsfoto.
Als wir aus der Höhle rauskommen dämmert es bereits. Wir haben noch ein bisschen Weg vor uns und Angst, dass unser Licht wieder schlapp machen könnte, daher geht's so schnell wie möglich nach Mae Hong Son.

Donnerstag, 31. März 2016

Mae Hong Son Loop - Etappe 1: Die große Freiheit

Am Morgen nach Harrys lebhaften Beschreibungen und den Billigmojitos in der Rockbar stehen wir beim Motorradverleih und sehen uns Mopeds an.
Der Mae Hong Son Loop ist eine ca. 800km lange Strecke in Nordthailand mit exakt 1.864 Kurven und wunderschöner Landschaft.
Der Vermieter möchte uns für unser Abenteuer einen Roller schmackhaft machen. Den Stauraum preist er an, 150 Kubik Hubraum und einen moderaten Spritverbrauch. Eine vernünftige Wahl, so ein Roller.
Aber der Sand wird ganz zappelig bei den Ausführungen. Mehrmals läuft er skeptisch um das massige und etwas unförmige Zweirad herum. Sagen wir es, wie es ist. Dieser Roller sieht absolut unsexy aus. Und unsexy, so hat er sich das nicht vorgestellt.
Aber im Grunde ist er ja ein Vernünftiger, deswegen sucht er nach irgendeinem logischen Grund, warum dieser Eimer auf Rädern nicht das richtige Fortbewegungsmittel für uns ist.
Er weiß nicht, wie so ein Roller in der Kurve liegt, äußert er schließlich seine Bedenken. Er ist sowas noch nie gefahren. Mit so kleinen Rädchen. Wer weiß wie da der Grip ist. Aber am meisten Sorgen macht ihm der Motor. Ob der's den Berg hochschafft? Die Crossmaschine hat immerhin 250... Kubik...dingers Hubraum, also 100 mehr, und das macht schon was aus... (Er sagt natürlich nicht Kubikdingers, schließlich hat er Ahnung. Aber ich nicht, und ich hab mirs nicht gemerkt). Ja und damit fährt man dann letztendlich auch sicherer, weil man wird dann nicht überholt und so...
Eine halbe Stunde später laufen wir wieder aus dem Laden, in der Hand einen unterschrieben Mietvertrag für ein gänzlich unvernünftiges aber sehr sehr geiles Cross-Motorrad. So riecht Freiheit! Nach Stollenreifen und einer krassen Federgabel. Und nach viel Hubraum, selbstverständlich. Hubraum ist voll wichtig. Und auf einmal hat jemand ganz leuchtende große Augen. Die Tour wird bestimmt super, meint er.
Der restliche Tag ist dann der Organisation gewidmet. Wir packen um (alles nötige in den kleinen Rucksack), buchen schonmal einen Flug nach Bangkok, kaufen spontan (naja, weitestgehend spontan) eine SJCAM 4000 (GoPro für Arme) und selbstverständlich lassen wir uns mit einem von Ben's Cocktails in der Hand eine Fußmassage geben.
Am nächsten Morgen verabschieden wir uns ein letztes Mal von unserem Klodelphin (der eigentlich ein Gekko ist) und besorgen uns Knie- und Ellenbogenschoner sowie Rückenprotektoren. Vielleicht übertrieben, aber wär komisch, mit weniger Schutz aufs Motorrad zu steigen als auf ein Fahrrad, denken wir uns. Ein kleines Vermögen später sehen wir aus wie die Ninja Turtles. Wir fahren los. Unser erster Stop wird Pai.
Auf dem Weg dorthin werden wir Zeugen eines kleinen Auffahrunfalls, aber eigentlich wundert der nicht. Die Thais fahren wie die Henker. Es kann theoretisch zu jeder Zeit vorkommen, dass einem in einer Kurve Gegenverkehr auf der eigenen Fahrbahn entgegen kommt. Sei es weil jeder überholt, wenn er denkt es sei angebracht, oder einfach nur weil die Straße so herrlich breit ist. Hat man sich darauf mal eingestellt ist es wunderschön.
Als wir gegen Nachmittag mit einer Packung zerknuddelter Erdbeeren (unterwegs gekauft, nicht zu Ende konsumiert und zu Matsch zerdrückt) in Pai ankommen, beschließen wir, ein Hotel zu buchen das etwas abseits vom Ort liegt. Immerhin sind wir ja mobil!
Die Wahl fällt auf das Pura Vida Resort. Dort angekommen, sind wir überwältigt. Die Anlage sieht aus, wie ein japanischer Garten, mit Teichen, Brückchen drüber und viel grün. Unser Bungalow ist toll, und das reizende Besitzerehepaar erklärt uns von der Dusche bis zu dem wichtigsten Sehenswürdigkeiten alles was wir wissen müssen.
So starten wir dann auch rechtzeitig zum Sonnenuntergang in Richtung Pai Canyon. Interessante Steinformationen und viele Bäume lassen uns Fotos machen bis lange, nachdem die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist.
Als wir in Richtung Motorrad zurücklaufen ist es bereits zappenduster. Jetzt was essen. Der Zündschlüssel dreht sich im Schloß. Das Motorrad springt an. Das Licht nicht. Mist. Der Sand flucht! Hat er extra noch überprüft, meint er. Oh nein, oh nein, was machen wir jetzt?! Was würde Marina jetzt tun? Marina würde auf die Straße laufen, wild winken und darauf hoffen, dass jemand anders sich ihres Problemes annimmt und es löst.
Während ich noch überlege, ob ich besser mit einem, oder verzweifelt mit beiden Armen winken würde, rüttelt der Sand schon an der Motorradverkleidung für das Frontlicht. Braucht nen Schraubenzieher. Haben wir eh nicht. Und auch kein Schweizer Taschenmesser. Vielleicht winke ich mit 2 Armen, überleg ich mir.
Aber der Sand läuft einmal um das Moped rum und haut links unterm Sitz einmal mit der Hand dagegen. Und ich schwör das ist wahr: Es macht plopp, ein mysteriöses Geheimfach springt auf und ein Werkzeugkitt purzelt raus! Ja, wirklich! Motorräder haben Geheimfächer mit Werkzeug drin! Ich bin total überwältigt. Wir schrauben die Verkleidung vom Licht ab. Also Sand macht das selbstverständlich, ich halte das Licht. Währenddessen läuft das Motorrad, denn wir müssen ja wissen, ob die Operation den gewünschten Effekt hat. Da sind ziemlich viele Kabel, und ein paar Stecker. Er zieht einen. Das Moped geht aus. Falscher Stecker, meint er. Gut. Stecker wieder einstöpseln. Motorrad wieder starten. Wir haben es jetzt schon ein paar mal neu angelassen. Seine Miene verdunkelt sich abermals. "Die blöde Reisschüssel hat ja nichtmal nen Kickstarter! Da weiß man, was man an die Österreicher hat." An den Österreichern?! Wie kommt er denn jetzt auf die Österreicher? Und wofür genau sind die gut, außer Flüchtlinge von der ungarischen bis an die deutsche Grenze zu fahren? Aber gut, wir haben wichtigere Probleme und ich bekomme eine neue Aufgabe. Ich muss Gas geben. Damit die Lichtmaschine die Batterie schneller auflädt. Hier lernt man noch was. Er rüttelt noch an ein paar weiteren Kabeln. Der ist so mutig, denk ich. Ob das denn nicht gefährlich ist, frage ich ihn über den Lichtstrahl hinweg. Nö, hat nur 12 Volt Steuerspannung, murmelt er. Ist alles harmlos, da vorne. Moment, ist das derselbe Mann, dem ich vor einer Woche noch den Unterschied zwischen Spannung und Stromstärke mit den weisen Worten von Herr Spieß erklärt hab? (Spannung ist der Druck auf der Blase, die Stromstärke ist die Dicke des Pinkelstrahls - das war in der 8. Klasse Physik, aber den Vergleich vergisst man so schnell nicht.) Und ich bin mir sicher, dass der Sand bei Quizduell IMMER noch Volt drückt, wenn er Ampere drücken müsste. Aber wen verdammt nochmal juckt das, weil er gerade einen Wackler gefunden hat und das Licht wieder funktioniert! Das Moped ist repariert! Real Life Mc Gyver! Kontaktspray bräuchten wir noch, sagt er, ob wir sowas zufällig...? Hallo? Ich musste meine lebenswichtigen Klangschalen zurücklassen, aber ja sicher, für Notfälle hab ich immer mein WD-40 in der Handtasche... Geht aber auch ohne. Wir fahren nach Pai City und drücken uns ein Steak mit Pasta rein. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende.

Donnerstag, 24. März 2016

Downhill Revival

Irgendwann an Tag 5 oder so kam mir die Idee, wir könnten ja mountainbiken. Ganz stilecht Downhill, so wie wir uns kennengelernt haben.
Ein bisschen Überredungskünste hat es schon gebraucht, denn ganz billig war es nicht, und am Ende steht man eventuell doch an nem Provinzhügel mit Klapprad... Aber wie findet man heraus, auf was man sich einlässt? Schon allein die Frage des Veranstalters, ob man das schonmal gemacht hat, ist irgendwie tückisch.
Sagt man nein, steht man am Idiotenhügel, oder sie lassen einen um den See rum fahren.
Sagt man ja, erwarten sie am Ende zu viel, und dann verwechselt man noch 1-2 Buchstaben weiter hinten im Alphabet, und ruck zuck gehts senkrecht den Berg runter.
Dazu kommt, dass der Sand beim Fahrradfahren ein bisschen begabter ist als ich, aber gut... Ich hab mir vor ein paar Jahren mal den großen Zeh gebrochen, und seither ist meine Aerodynamik am Bike einfach nicht mehr die gleiche... ;-)
Letztendlich lassen wir uns von den durchweg guten Bewertungen auf Tripadvisor (und der einen schlechten Bewertung von dem Typen, der sagt sein Sattel war zu niedrig) überzeugen, und buchen eine Tour bei "X-Biking Chiang Mai" für den nächsten Tag.
Als wir ankommen, begrüßt uns ein Guide und wir werden erstmal in eine ordentliche Schicht Protektoren und einen Integralhelm eingepackt. Auf dem Anhänger sind schon die Räder festgeschnallt. Mein erster Downhiller erwartet mich.
Und unser Guide - Harry aus Österreich(!) - spricht unsere Sprache und kennt jeden Stein in Saalbach. Was mich irgendwie beruhigt.
Also wirkliches echtes richtiges Downhill steht an. Ist vergleichbar mit daheim, meinte er. Was mich irgendwie beunruhigt. Hoffentlich hoffentlich komme ich irgendwie diesen Berg runter, denk ich.
Mal wieder haben wir Glück und erwischen eine kleine Gruppe. 2 Dänen kommen noch mit, meint Harry. Die Frage, obs in Dänemark überhaupt Berge gibt, schießt mir in den Kopf, aber ich verkneif sie mir.
Lange lange zuckeln wir mit unserem Jeep den Berg hoch. Oben ziehe ich mir bedächtig alles an, was uns an die Hand gegeben wurde. Handschuhe, Knieschoner, Ellenbogenschützer, Integralhelm. Mir ist ein bisschen mulmig. Dann geht's los.
Bamboo Trail heißt unsere erste Strecke. Team Dänemark fährt vor, dann Sand, dann ich. Ziemlich aufregend das alles. Wurzelig, steinig, aber auch nicht zu anspruchsvoll. Eigentlich genau die richtige Strecke für mich. Eigentlich. Aber halt auch immer noch steil, mir schießt das Adrenalin in die Adern, ich zittre überall. Nach ca. 10 Sekunden Fahrt sehe ich von meinem Freund nichts weiter als eine kleine Staubwolke. Dem taugts, denk ich. Blöd nur, dass ich das letzte halbe Jahr keinen Sport gemacht, und die letzten 3 Monate zudem mit Fressen und Saufen zugebracht hab. Nicht zu vergessen - mein böser Fußzeh. Und so zuckle ich meine Kurven ziemlich langsam den Berg runter.
Diese Hitze! Das strengt an! Zu den schlottrigen Knien kommen ziemlich schnell müde Finger dazu, und beim ersten Sammelpunkt wird beschlossen, dass der Sand mit Team Dänemark und den thailändischen Guide mitfahren darf. Harry bleibt bei mir. Jetzt hab ich meinen eigenen Privatguide.
Die Strecke ist technisch wahrscheinlich nicht viel herausfordernder als andere Sachen die ich schon gefahren bin, allein ich bin so kaputt! Während der ganzen Abfahrt hört mein Zittern nicht auf, und am liebsten würd ich mich hinsetzen, was ich auch bei jeder halbwegs flachen Passage tue.
Aber Harry ist super. Macht viele Pausen mit mir, bietet mir an strategisch wichtigen Punkten Wasser an und verwickelt mich in taktischen Smalltalk damit ich Kraft tanken kann.
Als wir unten sind, beschließe ich, die 2. Abfahrt auszusetzen. Ich bin fix und alle.
Aber Freund ist glücklich, und das ist ja die Hauptsache. Zusammen mit Rene von Team Dänemark und Harry schlürfe ich einen Milchkaffee, und lasse die Männer sich über technischen Schnickschnack, Federgabeln, Leogang und Motocross unterhalten. Der Bongo Bongo ist voll krass, meint Rene irgendwann. Hab ich auch schonmal geschoben, denk ich.
Zum Mittagessen kommt mir ein nun endgültig lächelnder Sand entgegengerollt. Die 2. Abfahrt war technisch ein bisschen anspruchsvoller, aber er ist dem Guide gut hinterhergekommen. Er klingt ein bisschen stolz, als er das sagt.
Nach einer Portion Fried Chicken mit Reis sitzen wir wieder im Jeep bergaufwärts. Ich hab wieder ein bisschen Angst vor der Abfahrt. Kaum sind wir oben auf dem Berg muss ich aufs Klo, aber Mädchenallüren kann ich jetzt nicht brauchen, was sollen da die Männer denken, also steig ich wieder aufs Bike und die 2. Abfahrt ist tatsächlich nicht ganz so anstrengend. Landschaftlich wars auch sehr schön, mit Lycheebäumen und Erdbeerfeldern - hab ich mir sagen lassen. Am Abend trifft sich die komplette Truppe zu Cordon Bleu im "German Beergarden" und ich erfahre endlich, wie man eine Massage happy macht. Dann gibt uns Harry den entscheidenden Tip, der unseren Urlaub endgültig sagenhaft macht. Ob wir kein Motorrad mieten wollen, frägt er uns. Dan Mae Hong Son Loop fahren. Der wär echt schön.

Back to Business

Ja ich weiß ich hab lang nichts von mir hören lassen... Ich hatte Besuch. Es gab einfach irgendwie wichtigeres, als stundenlang Erlebnisberichte zu verfassen. Aber jetzt bin ich wieder einsam und alleine und habe genug Muse, über die vergangenen Wochen zu resümieren.
Nach dem Inle Lake war für Myanmar ursprünglich noch ein Besuch in Hpa An angestanden, einer Stadt, die alle meine französischen Mitreisenden immer als wunderschön und "pittoresque" beschrieben haben. Nachdem ich dann aber eine Weile flach lag und mir gegen Ende auch ein bisschen die Lust auf lange Busfahrten vergangen ist (man wird faul, sehr faul), habe ich diesen Stop kurzerhand ausgelassen, und bin direkt zurück nach hustely bustely Yangon gefahren. Habe mich ein letztes Mal in den waghalsigen Verkehr gestürzt (für Fußgänger wird absolut nicht gebremst, und auf dem Beifahrersitz eines Taxis geht man nicht selten im stillen sein Testament durch) und mich an den See gesetzt, wo ich mich auch durch die letzten Seiten von George Orwell gequält habe, um danach wieder in den Flieger nach Bangkok zu steigen.
Das war am 26. Februar.

Einen Tag später kam dann der Mann, der viele Namen hat (Ellocco, Butzele, Mc Gyver....) -der Einfachheit halber nennen wir ihn hier einfach Sand. Am 27.2. hab ich also in meinem schönsten Kleidchen und bemalt mit einem meiner mittlerweile 5 Lippenstifte am Flughafen gestanden, und den Sand in Empfang genommen. Was dann folgte, waren dreieinhalb Wochen quer durch Ost- und Nordthailand, die ursprünglich mal als "Thailand und Laos" oder "Thailand und Angkor Wat" geplant waren. Aber Pläne sind da, um geändert zu werden, und schöne Flecken gibt's hier überall, auch ohne sich vorher für zig Bananenstaaten ein Visum ausstellen zu lassen.
1. Stop - Bangkok. Wie so oft. BTS fahren, Boot fahren, Khao San ankucken, durchfressen, Massage geben lassen, im Pool schwimmen, Frühstücksbuffet im 4. Sterne Hotel leer fressen, Hello Kitty Zuckerwatte bewundern und Bubble Tea trinken, Vroni und Stefan treffen, Königspalast, liegender Buddha, noch ne Massage (feat. Finger des Todes), All You Can Eat Buffet im Central World Fooodcourt, schlafen, packen.
2. Stop - Ayutthaya. Jetzt geht's also los, dachte ich. Wir zwei allein. Im Urlaub. Mal sehen. Aber ich hab ein wirklich unkompliziertes Exemplar Freund erwischt. Meckert nicht, murrt nicht, isst alles, was man ihm vorsetzt. Wobei sich relativ früh eine klare Präferenz für Pad Thai herausstellt.
Ich glaube, der Sand hat von Zentral- bis Nordthailand jedes auffindbare Pad Thai konsumiert. Präferenz 2: Mango mit Sticky Rice, und ansonsten alles wo kein Fisch oder Koriander drin ist.
Mit Rädern ausgestattet, machen wir die Ruinen unsicher, finden nach dem Umrunden vieler Bäume irgendwann den eingewachsenen Buddhakopf, radeln ans eine Ende der Stadt um auch die entlegenen Tempel und die Elefanten anzuschauen, und wieder ans andere Ende um "den 10er" Tempel ausfindig zu machen. Zum Sonnenuntergang buchen wir die Sunset Bootstour, die uns zu den 3 wichtigsten Tempeln bringt, und auch der Schnitt von einer Massage täglich wird locker gehalten. Am nächsten Morgen wollen wir wieder abreisen, aber irgendwie haben wirs nicht so mit dem früh aufstehen, und als wir um 10 an der Rezeption stehen und fragen, ob es irgendwas in Richtung Kambodscha gibt, ist der einzige vernünftige Bus bereits abgefahren und noch ne Nacht wollen wir nicht bleiben. Also wie wärs mit.... Dem Khao Yai Nationalpark? Der liegt zumindest auf dem Weg.
3. Stop - Khao Yai. Eine Stunde später sitzen wir im Zug nach Pak Chong. Wir kommen dort rechtzeitig genug an, um uns für die 1,5 Tages Tour anzumelden, die eine halbe Stunde nach dem Einchecken in unser Hotel beginnt. Wir sind eine schnuckelige 4er Gruppe und gehen zunächst in einer Quelle baden, um danach einen stinkenden Batcave zu besuchen und in der Dämmerung Tausenden von Fledermäusen beim ausschwärmen zuzusehen, wie sie sich in einem nicht abreißenden Strom durch die Luft schlängeln.
Tags drauf geht's in den Park. Schon im Auto sehen wir Gibbons und Nashornvögel. Als wir später zu Fuß unterwegs sind anstatt den angekündigten Krokodilen und Elefanten allerdings nur noch Eidechsen und Spinnen. Aber was für Spinnen! Eine waschechte Tarantel mit fleischigen, haarigen Beinchen, und einem prallen schwarzen Spinnenkörper krabbelt da aus ihrer Höhle. Vor sich rollt sie ein kleines eingesponnenes eiförmiges...Opfer. Und der Sand hat todesmutig gleich Makroaufnahmen von dem Viech gemacht und es unter Einsatz seines Lebens angeblitzt, damit das Bild scharf wird. Weiterhin haben wir ein paar tosende und imposante Wasserfälle gesehen, nur nicht ganz so tosend und imposant, weil, ist ja Trockenzeit. Wieder im Hotel ist auch der hiesige Besitzer nicht so ganz glücklich mit unserem Wunsch, dass wir nach Kambodscha wollen. Da ist gefährlich, meint er, und wir sollten besser die Nacht an der Grenze verbringen, weil sicherer. Darauf haben wir keine Lust, und so wird Siem Reap spontan auf Eis gelegt und wir beschließen, stattdessen in Thailand zu bleiben. Unser netter Hotelier fährt uns daraufhin zum Bus und hilft uns sogar beim Buchen des Tickets. Vielleicht hat er auch Angst, wir könnten es uns doch anders überlegen.... 4. Stop - Sukhothai. Drückende Hitze, mehr Ruinen, abermals auf Fahrrädern. Einen Papayasalat, von dem wir erst denken wir überleben ihn nicht, weil die Dame am Straßenstand bevor wir protestieren können eine roh und schleimig aussehende Krabbe mit reinmörsert, und Abendessen im Poh Poh Restaurant, das besser schmeckt, als der Name vermuten lässt. 5. Stop - Chiang Mai. Tja. Da sind wir wohl irgendwie versumpft. Ich hab keine Ahnung mehr, wie lange wir genau ich Chiang Mai verbracht haben, aber allein die Tatsache, dass wir dort 5 verschiedene Hotels hatten, spricht Bände. Am Anfang, wie so oft, kommt man an, Bucht ne Massage, kuckt sich nen Tempel an, isst was, lässt dabei die Beine baumeln. Dann haben wir einen 2 Tages Trek gebucht, der irgendwie keiner war. Bei sengender Hitze irgendnen Hügel hochgestampft, wieder runtergestampft, bei nem Elefantencamp angekommen. Den größten und dicksten Elefanten zum Reiten erwischt. Alle überholt hat der. Um sich als erster den juckigen Bobbes am Baumstamm zu schrabbeln. Ich weiß, eigentlich soll man auf Elefanten nicht reiten, aber ich finds trotzdem irgendwie schön, im Genick von so einem mächtigen Tier zu sitzen, dessen Ohren einem links und rechts an die Beine flappen, und dabei die borstigen Haare und die rauhe graue Haut zu streicheln. Anschließend hätten wir unseren Dickhäuter auch waschen können, aber dann haben wir in letzter Sekunde gesehen wie einer dieser unzivilisierten Elefanten doch original in sein Badewasser gekackt hat, und uns in Anbetracht der Tatsache, dass wir keine Wechselklamotten eingepackt hatten, dagegen entschieden. Man muss sich ja nicht jeden Scheiß antun. Stattdessen sind wir auf einen Abendspaziergang und haben uns dort sofort mit einem kleinen schwarzen Hund angefreundet, den wir Gonzo genannt haben und der uns auf Schritt und Tritt überall hin gefolgt ist. An Tag 2 hatten wir einhellig die Nase voll vom Wandern, unser nunmehr 10-minütiger Spaziergang führte uns dann auch nur zum "kleinen Wasserfall mit Bademöglichkeit" aka Rinnsal mit Planschgrube. Beim darauf folgenden Wildwasserrafting sind wir ebenfalls an so ziemlich jedem Stein vorbeigeschrubbt wobei das noch Spaß gemacht hat. Absolut schenken können hätten wir uns das anschließende Bamboo Rafting, wo wir mit ein paar fetten Touristen auf ein völlig überfülltes Bambusfloß gesetzt wurden, das mehr im als über Wasser in einer Brühe vor sich hingedümpelt ist. Sagenhafte 5 Minuten lang... Ne. Not amused.... Wir also wieder nach Chiang Mai, nächstes Hotel, dann Upgrade auf was nettes mit Pool, Samstagsmarkt, Sonntagsmarkt, die Suche nach dem perfekten Katzen-T-Shirt, downgrade auf ein etwas billigeres Hotel, immer noch mit Pool. Dann Kochkurs! - Der Sand, mittlerweile süchtig nach Pad Thai, lernt, wie er "im Leben nach dem Urlaub" komplett autark ein leckeres Thaigericht zubereiten kann. Er mörsert die weltbeste und sämigste Currypaste, die die (sichtlich beeindruckte) Kochlehrerin je gesehen hat und auf der Suche nach einem authentischen "thai-spicy" haut er sich 2 volle Teelöffel Chilipulver in seine Nudeln. Das feuerrote Ergebnis, (aka Pad Thai des Todes) schmeckt echt gut. Kochen kann er also auch! Unsere Abende enden meist mit einer Fußmassage am Straßenstand, aber nicht bevor wir uns gegenüber bei Ben's Cocktailbar ein Kaltgetränk Mixen lassen. So lässt sichs aushalten.

Dienstag, 23. Februar 2016

Grounded

Seit 2 Tagen bin ich am Inle Lake. Ich hab mich zusammen mit Laia, der Spanierin in einem gerade neu eröffneten und deswegen ziemlich günstigen Hotel niedergelassen. Gestern haben wir die Sightseeing Bootstour über den See gemacht und dabei allerhand Souvenirs geshoppt. Ich hab meine Liebe für Klangschalen entdeckt und mir nach langem und hartem feilschen eine gekauft. Mit dem festen Ziel diese auch zum klingen zu bringen, was etwas schwieriger ist. Zumindest wenn man so ein Grobmotoriker ist wie ich.
Meiner Meinung nach ist der Inle Lake eine einzige große Touristenfalle. Wenn auch eine ganz schöne. Die Einheimischen haben sich mittlerweile darauf spezialisiert, Bootstouren oder Nippes zu verkaufen. Aber sie tun das immer noch mit einem Lächeln und zu halbwegs fairen Preisen.
Teilweise wird man sogar von einem Händler darauf hingewiesen, dass der Schmuck, den er verkauft nicht echt ist. Allerdings nur dann, wenn er im Hinterzimmer mit echtem Silbergeschmeide aufwarten kann.
Aber als Nicht-Goldschmied ist man weiterhin auf den Nasenfaktor angewiesen. Den einzigen 925 Stempel, den ich entdeckt habe, war in einem Armreif, der unechter nicht hätte sein können. Der gute alte Feuerzeugtest ist hier ein schwarzer Stein, an dem man das Schmuckstück seiner Wahl rubbelt. Ist der Abrieb rot, hat man eine Kupferlegierung gekauft. Weiß bedeutet Silber.
In verschiedenen Hütten am Fluß werden diverse Kunsthandwerke demonstriert und die Waren daraufhin zu überteuerten Preisen an Touristen verhökert. Muss man alles mal gemacht haben.
Super schön war der Tempel mit den Katzen. Auch wenn diese nicht mehr wie früher Kunststückchen aufführen und Salti springen sondern faul am Boden rumliegen und sich von Touristen ablichten lassen.
Vor dem Tempel waren Laia und ich die Hauptattraktion für die Einheimischen, die Schlange standen, um ein Foto mit uns zu schießen. Lag vielleicht an unserem roten Lippenstift (und der für 6 Wochen immer noch recht blassen Bräune, die wir uns zugelegt haben). Dabei fühl ich mich knackigst braun mittlerweile. Für meine Verhältnisse...
Den gestrigen Abend haben wir mit reichlich Alkohol und frittiertem Eis ausklingen lassen. Und ich finde es immer noch erstaunlich, wie gut wir uns doch verstehen, und das obwohl wir nur auf spanisch kommunizieren können. Wohlgemerkt... Ich kann eigentlich gar kein Spanisch. Vor nem Jahr hab ich mal nen Volkshochschul-Anfängerkurs besucht. Aber irgendwie... Gings. Und da bin ich mächtig stolz drauf.
Heute wollten wir zum Markt, und zur Massage, und zum Weinberg inkl. Weinverkostung. Dafür haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind losgedüst. Aber ich hab mich seit dem Frühstück ziemlich schlapp und müde gefühlt und irgendwann... Wir standen gerade mitten auf dem Markt und haben mit einem netten Verkäufer über einen Bieröffner aus Teak verhandelt, kam ein flaues Gefühl mit dazu.
Flaue Gefühle in großen Menschenmengen - nicht gut. Ich habe kurz überlegt ob und wo es hier ein Klo geben könnte, kam aber sehr schnell auf den Trichter dass auch ein Klo auf einem solchen Markt ganz und garkein guter Ort für ein flaues Gefühl ist...
Dann kam mir eine Idee. Ich könnte mir ja einfach eine Plastiktüte geben lassen? Nur so zur Sicherheit. Der nette Händler hat mich zwar erst ein wenig verdutzt angeschaut, dann aber hinter sich gegriffen und mir eine Plastiktüte gereicht.
Eine schwarze Plastiktüte.
Was 20 Sekunden später geschah, muss ich dem geneigten Leser nicht näher schildern. Schwarze Plastiktüten werden nur zu einem einzigen Zweck produziert. Sie verheißen ein dunkles Omen, wie schwarze Katzen, unter Leitern, von links, an einem Freitag dem 13.
Die Marktfrau gegenüber kam mit einem Päckchen Tempos herbeigeeilt, der nette Händler bot mir einen Stuhl an, 2 mitleidige Touristen haben mir eine Wasserflasche vererbt. Und 10 Minuten später lag unter dem Marktstand des netten Händlers ein sorgsam zugeknotetes Tütchen (When in Burma, do as the Burmese do...) und ich hab mich vor lauter schlechtem Gewissen dazu genötigt gefühlt, eine weitere Klangschale von ihm zu erwerben. Völlig uneigennützig natürlich...
Danach hieß es für mich schnurstracks nach Hause. Mein nobler Versuch, mit dem Fahrrad zurückzufahren, endete 2 Kreuzungen weiter, wo ich abstieg, und mich erstmal schweißgebadet auf einen Randstein setzen musste.
Und wie der Zufall es will, kam gerade in dem Moment eines dieser Pickup Taxis vorbeigefahren, der mich samt Fahrrad auf die Ladefläche gepackt und ins Hotel chauffiert hat. Glück muss man haben.
Den restlichen Tag hab ich hier - im Bett verbracht. Laia hat mich mit spanischen Elektrolyten und Cola versorgt und mir geht's schon um einiges besser. Vielleicht ist ne kleine Zwangspause mal ganz gut.

Kalaw - Trekking zum Inle Lake

Morgens um 4 erreicht der Bus ohne weitere Zwischenfälle Kalaw. Es ist schweinekalt. Ich steige aus und eine Spanierin hat anscheinend das gleiche Hotel gebucht wie ich. Wir checken zusammen ein, und obwohl ich einen halben Tag extra berappen muss (early check in) bin ich froh über mein Zimmer mit Dusche.
Beim Frühstück treffe ich sie wieder und komme außerdem mit einem netten älteren Pärchen ins Gespräch, das mir Pindaya empfiehlt, einen Ort, nur 35km entfernt, mit einer Tropfsteinhöhle, die insgesamt 9.000 Buddhastatuen in allen Größen und Materialien beherbergt. Da muss ich hin.
Ich treffe meine Spanierin wieder, die kein Englisch spricht, wie sich herausstellt, aber irgendwie sind wir uns sympathisch und machen uns auf den Weg zum Reisebüro, wo wir einen weiteren 3 Tages Trek buchen und außerdem eine nette Amerikanerin mit ihrem Sohn fragen, ob sie mit zur Höhle wollen. Die beiden kommen spontan mit, und so sitzen wir ne halbe Stunde später im eigens dafür gecharterten Taxi.
Und Pindaya ist wirklich beeindruckend. Von Privatmenschen oder Organisationen gestiftet, nimmt die Anzahl der Buddhas in der Höhle beständig zu. In jeder Ecke, an jedem Vorsprung, einfach überall stehen kleine, mittlere und große Buddhas.
Ebenso zeigt uns unser Taxifahrer eine kleine Schirmmanufaktur, in der aus der Rinde des Maulbeerbaumes Papier hergestellt, und zu kleinen Schirmen und Lampions verarbeitet wird.
Als wir am Abend unser Reisebüro anrufen ist unsere Trekkinggruppe bereits auf 7 Personen angewachsen, 2 Britinnen und 3 Kanadier kommen mit, sagt man uns.
Je mehr desto besser, denke ich.
Am nächsten Morgen stehen wir bereit. Wir haben uns davor noch kurz auf dem Wochenmarkt umgesehen und ein frittiertes Teilchen verdrückt, als wir unsere Gruppe kennenlernen. Ich komme sofort mit Jean ins Gespräch, der Englisch mit einem wunderbaren Hauch eines französischen Akzentes spricht, Buchverleger ist, und Julien, seinen Lebensgefährten aus Montreal mitgebracht hat. Dann wären da noch Marcus aus Hamilton (dass er den meistens nichtsahnenden Mitreisenden als Toronto verkauft mit dem Hinweis, man solle es bitte NICHT googeln), Becks und Lizzy aus England (Lizzy studiert arabisch und hat gerade 2 Jahre in Korea gelebt) und schließlich Laia und ich.
Die Chemie stimmt. Und obwohl auch hier Staub eine dominierende Komponente des Weges ist, finde ich diesen Trek super. Weil wir einen eigenen Koch haben ist das Essen lecker und abwechslungsreich. Unterwegs kommen wir an zahlreichen Bauern vorbei die mit vorzeitlichen Methoden und Gerätschaften Chili, Ingwer und Mais ernten, oder Knoblauch anbauen. Am Abend erreichen wir unseren ersten Homestay mit einem sehr kuscheligen Matratzenlager. Wir sehen eine Katze die ziemlich dick ist und beschließen, dass sie schwanger sein muss. Am nächsten Morgen erweist sich diese Vermutung als wahr, da 3 nasse, blinde, halbnackige Kätzchen neben unserer Katze liegen und diese zufrieden brummelt. Das schwarz-weiße Kätzchen, das etwas abseits liegt, taufen wir Lizzy, weil Lizzy es zurück an die Zitze der Mama legt. Und dann werden wir Zeuge einer weiteren Geburt und ein viertes Kätzchen erblickt das Licht der Welt. Süß. Ein bisschen eklig, aber im allgemeinen süß.
Auch die nächsten beiden Tage werden dominiert von guten Gesprächen, gutem Essen (Avocadosalat!!) und guter Stimmung. Dann werden wir noch in ein Boot gesetzt und erreichen am 3. Tag Nyaung Shwe am Inle Lake, touristisch, aber mit einer Essensvielfalt, die seinesgleichen sucht.

Kotzen continues

Ich fahr mal wieder Bus. Vos Hsipaw nach Kalaw, 15 Stunden. Der Bus hat schöne Vorhänge, jede Menge Mitreisender Touristen, unschuldige blaue Fleecedecken und eine funktionierende Klimaanlage. Im Bordkino läuft - etwas zu leise, mit burmesischen Untertiteln und einem großen schwarzen Kreis im Bildschirm ein Screener von James Bond Spectre.
Und ich weiß nicht welche göttliche Eingebung es ist, dass ich mir am ersten Halt mal wieder einen Menthol Schnüffelstift kaufe. Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht weil er so schön rosa ist, vielleicht weil ich meinen letzten ohne ihn je wirklich zu benutzen dieser doofen Holländerin ausgeliehen hab, die ihn mir nie zurückgegeben hat, vielleicht weil ich mir meinen Kindheitstraum vom eigenen Stift, den ich mir beliebig oft in die Nase stecken kann erfüllen will. Aber mal wieder erweist sich mein Instinkt als brillant.
Weil ich vor meinem Abflug aus Deutschland Star Wars den Vortritt vor James Bond gegeben habe, starre ich wie gebannt auf den Bildschirm und merke anfangs nicht, dass wir in der Tat sehr viele Serpentinen fahren. Sehr magenfreundlich sind die Straßenverhältnisse wirklich nicht, das muss man sagen.
Als das erste etwas lautere und persistentere Husten anfängt bin ich alarmiert. Und dann geht es relativ schnell. Der Mann schräg hinter mir nestelt verzweifelt an seiner zugeknoteten lunchtüte. Sie ist schwarz - was auch sonst?! Er bekommt sie auf, rechtzeitig, aber nicht mehr ganz rechtzeitig. Er kotzt sich über die Hand, auf den Fußboden und ja - auch in die Tüte.
Jetzt bin ich verzweifelt. Ich packe meine Platiktüte mit den Keksen die ich mir eben gekauft habe. Selbstverständlich ist diese, als hätte sie ihren späteren Verwendungszweck geahnt schwarz. Ich kippe die Tüte über meinem Nachbarn aus, reiche sie nach schräg hinten. Der Mann bedient sich meiner Tüte. Es riecht säuerlich. Dieser Geruch eben, bei dem man unweigerlich selbst eine schwarze Tüte zur Hand haben möchte... Oder eben... Einen Schnüffelstift!
Ich kann nicht beurteilen, ob diese Stifte wirklich gegen Motion Sickness helfen, aber ich kann sagen, dass ätherisches Mentholöl in der Tat stark genug riecht, um so einiges zu übertünchen, und so halte ich mir meinen neuen rosa Stift ganz eifrig unter die Nase. Mal sehen was das noch wird....

Hsipaw - Trekking wie es keinen Spaß macht

Einmal mehr stelle ich fest: es kommt nicht darauf an, was man tut, sondern mit wem man es tut. Und dabei fing alles ganz gut an. Die Ankunft in Hsipaw - stressfrei, das Mr. Charles Hotel - fast schon zu gut organisiert. Dann das nette amerikanische Pärchen vom Zug in der Stadt wiedergetroffen, was mit denen gegessen. Die Wäsche zu nem vernünftigen Preis zum Waschen gegeben, und am Infoschalter des Hotels gleich für den nächsten Tag eine 3 Tages Trekking Tour zu den Minderheitendörfern gebucht. Zusammen mit 2 anderen, einem Pärchen das angeblich keins ist, das aber ebenfalls nett aussieht. Jorgen, der Norweger und Uschi, aus Holland. (Uschi heißt nicht wirklich Uschi, aber um ehrlich zu sein hab ich ihren Namen genauso vergessen wie sie meinen.) Weil wir nur zu dritt sind, ist die Tour teurer, aber so haben wir eine schön kleine Gruppe.
Der erste Tag ist ganz nett. Unser junger Guide gibt sein Bestes, erzählt uns, wie er sein Leben umgekrempelt hat, dass er noch vor 2 Jahren nur gesoffen und sein Geld verprasst hat, aber dann einen Lehrer gefunden hat, der ihn in einen Englischkurs gesteckt und ihm eine Stelle als Guide verschafft hat. Landschaftlich ist der Trek nicht sonderlich atemberaubend. Am ersten Tag geht es viel bergauf, die Umgebung wird dominiert von Staub. Was alles nicht so schlimm wäre, wenn sich meine 2 Mitreisenden nicht als Reise-gelegenheitspärchen entpuppen würde, das bis auf ein bisschen Smalltalk mit mir völlig auf sich fixiert ist und mich komplett links liegen lässt. So kommt es, dass ich 3 Tage lang und umgeben von Staub und Steppe absolut niemanden zum Reden habe. Bravo.
Uschi ist zudem krank und hat Husten, was unsere freundliche Gastfamilie dazu bringt, sämtliche Medizin und Hausmittelchen aus den Schränken zu kramen. So kommt es, dass mitten in der ersten Nacht die Mutti mit Taschenlampe an unserem Matratzenlager steht und Uschi liebevoll mit Diesel (ja, Diesel!!!) einreibt. Ein bisschen was auf die Zunge, ein bisschen was auf Hals und Bronchien. Das burmesische Wick VapoRub.
Tag 2 und 3 empfinde ich als noch ätzender. Und vielleicht tue ich der Landschaft um Hsipaw damit unrecht, vielleicht tue ich auch Jorgen und Uschi unrecht, die für sich genommen sicher 2 ganz liebenswürdige Personen sind. Aber die Gruppendynamik ist absolut unterirdisch. Und so mache ich so gut es geht mein eigenes Ding und bin mittelmäßig frustriert. Als wir am Ende unserer 3 Tage die erste (und einzig leckere) Shan Nudelsuppe essen, bin ich froh, dass der Spuk ein Ende hat.. Auch dass wir die heißen Quellen auslassen, stört mich dann nicht mehr. Ich will eigentlich nur noch weiter.

Dienstag, 16. Februar 2016

Mandalay in der Nußschale

Eine Nacht habe ich in Mandalay gebucht. Mehr braucht man nicht, sagen alle. Mein nächster Halt soll Hsipaw sein, eine Stadt in den Bergen, als Trekkingparadies bekannt. Die Zugfahrt dahin wird als besonders idyllisch beschrieben, mit einer Brücke über eine große Schlucht. Deswegen muss ich natürlich unbedingt mit dem Zug hin. Was ich nicht weiß: Es gibt nur einen Zug am Tag. Um 4 Uhr morgens. Das finde ich am Bahnhof heraus. Ein Ticket kaufe ich mir trotzdem. Viele Alternativen gibt es ja nicht. Weil ich mich vorher im Supermakt mit Fresskram und einem neuen Duschgel sowie einer neuen Powerbank für mein Handy (Stichtwort Stromausfall) eingedeckt hab, bin ich ziemlich schwer beladen, und als mich ein Mopedtaxi anspricht und mir für den Weg ins Hotel einen ziemlich fairen Preis macht, bitte ich den Mann kurzerhand, mir eine Tour durch die Stadt zu geben.
Er strahlt. Damit hat er nicht gerechnet. Er nennt mir einen Preis von umgerechnet 10€ und ganz rudimentär englisch kann er auch. Dieser Taxifahrer, rettet meinen Tag. Er ist aus Mandalay, sagt er, und da auch ziemlich stolz darauf. Wo ich als nächstes hinwill, fragt er. Ah - Shan Staat. Was mich immer wieder wundert: Hier redet niemand wirklich davon, dass er aus Myanmar, oder Birma (oder Burma) kommt. Alle denken in Staaten. Shan Staat, Chin Staat, Rakhine Staat... Und es ist wichtig zu wissen, in welchem Staat die Stadt ist, in die man als nächstes hinwill. In vielen Teilen des Landes kämpfen die Milizen der bestimmten Staaten um die Vorherrschaft. So ganz Friede Freude Eierkuchen ist es hier dann doch nicht.
Als erstes gehen wir auf Mandalay Hill. Eine weitreichende Aussicht hat man hier. Aber man sieht nicht sonderlich viel. Mandalay ist architektonisch weder besonders spannend, noch liegt es landschaftlich besonders reizvoll. Er versucht, mir einige Dinge über den Tempel zu erklären, und zeigt mir 2 Schlangen die Glück bringen sollen. Und wieder sehe ich einen Brunnen mit 7 Seiten, von denen jede einem Wochentag und einem Tier zugeordnet ist. Mein eigenes burmesisches Horoskop lässt mich ja nicht mehr los, seitdem wir in Yangon unseren überteuerten Guide NICHT genommen haben. Mittlerweile habe ich zumindest herausgefunden, dass ich an einem Donnerstag geboren und deswegen eine Maus (ja ich weiß, sehr viel wahrscheinlicher eine Ratte...) bin. Aber was heißt das? Bin ich besonders intelligent? Besonders sozial? Der Taxifahrer ist mit meinen Fragen überfordert.
Besonders wichtig ist ihm allerdings, dass ich mir "world's biggest book" ansehe. Wenns ihn glücklich macht... Ich kann mir nichts darunter vorstellen. Es sind 2 Stupas, wie sich herausstellt, um die herum geometrisch angeordnet, kleine weiße Gebäude stehen von denen jedes eine Steintafel mit buddhistischen Schriften enthält. Insgesamt sind es über 100 Stück. Da ich die Schriften nicht lesen kann, ist es für mich eher ein schönes Fotomotiv. So geht es mir bei vielem. Die Relevanz von bestimmten religiösen Stätten kann ich oft nur aus der Optik, der Größe, oder der Anzahl der Besucher ableiten.
Must See für mich ist die Teak Brücke. Von der habe ich gehört. 200 Jahre ist die schon alt, und tatsächlich auch ein bisschen wackelig und gnarzig. Geländer gibt's nicht, dafür umso mehr Menschen, die über sie schlendern. Hier verbringe ich meinen Sonnenuntergang und komme mit einem Mönch ins Gespräch, der mir erzählt, wie froh er über die neue Regierung ist und dass er unter der damaligen Militärregierung einige Jahre im Knast gesessen hat, weil er kritisch über sie geschrieben hat. Er sagt, ich soll ihn mal in seinem Kloster besuchen kommen, was ich tatsächlich gerne tun würde, aber mir fehlt die Zeit.
Mit meinem Taxifahrer, der mich freundlich winkend am Anfang des Steges begrüßt, geht es weiter zum Mahamuni Buddha, der in den letzten 100 Jahren deutlich an Masse zugenommen hat, weil jeden Tag Menschen mehr Leibesfülle in Form von Blattgold spenden, die dann an ihn drangepappt wird. 15cm pures Gold soll die Schicht um ihn herum schon zugelegt haben, und jeden Morgen wird er gewaschen. Ich darf ihn allerdings nur aus der 2. Reihe ankucken, weil ich eine Frau bin. Bisschen sexistisch, diese Buddhisten.
 Wir treffen hier einen weiteren Mönch der sich viel Zeit für uns beide nimmt, und uns mehr über den Tempel und seine Artefakte erklärt. Ich verstehe es aber leider nur bruchstückhaft, weil über Megaphon lautstark Schriften rezitiert werden und ich mal wieder Probleme mit dem Englisch habe. Aber ich bekomme mit, dass das Dach 7-stufig ist, was die 7 Stadien des Buddhismus repräsentiert(?), dass im Nebengebäude Bronzestatuen aus Angkor zu bewundern sind und dass das Interieur des Tempels großteils gespendet ist (die Jadetäfelchen zum Beispiel, die die Säulen ziehren). Danach bin ich hungrig und lade meinen Taxifahrer auf ein Bier ein, auch wenn eine Flasche mit fast 0,7l Bier vielleicht nicht unbedingt das ist, auf das man einen Mopedfahrer ohne Helm, den man im Dunkeln daran erinnern muss sein Licht einzuschalten, einladen sollte. Aber er versichert mir, dass Safety bei ihm großgeschrieben wird, und ich versichere mich auf Google Maps, dass ich die 500m zum Hotel notfalls auch zu Fuß zurücklegen könnte. Als wir uns verabschieden ist er herzlich, wünscht mir eine gute Weiterreise und dass ich noch viel Spaß in seinem Land haben möge. Ein schöner komprimierter Tag, der mich Mandalay mit einem guten Gefühl verlassen lässt.

Ein Beutel Kotze

Was für eine Busfahrt. Als Peter Mrauk U verlässt, weil er zurück nach Yangon und dann nach Bangkok und dann nach Malta muss, ist es auch für mich Zeit zu gehen. Irgendwie habe ich keine Lust, alleine durch die Ruinen zu streifen, also gehe ich zum nächstbesten Ticketschalter und kaufe mir ein Busticket nach Mandalay. 25.000 Kyat soll das kosten und der Bus fährt um 9, weswegen ich um 8:15 des nächsten Tages wieder am Häuschen stehen soll. Ich werde nie ganz verstehen, warum sie einem 2 verschiedene Zeiten nennen, und glauben, dass man an ersterer an Ort und Stelle ist.
Aber an diesem Morgen habe ich nichts besseres zu tun und so stehe ich wie bestellt um 8:15 am Häuschen. Der Ticketmensch begrüßt mich, bietet mir einen Stuhl an und ich quatsche mit einer Vietnamesin, von der ich denke dass sie mit mir im Bus sitzen wird, aber anscheinend hat sie einen anderen gebucht.
Es wird 9 Uhr. Es wird 10 Uhr. Kein Bus. Um halb 11 fängt der Ticketmensch aus lauter Verzweiflung ein Gespräch mit mir an. Erzählt mir dass der Rakhine State (in dem wir uns befinden) zu den ärmsten in ganz Myanmar gehört und die Leute von der Regierung den Staatshaushalt lieber für die zentralen Regionen ausgeben. Weniger als 1% des Budgets gehen hierher, und im nördlichen Chin State gibt es immer noch bewaffnete Konflikte. Er zeigt mir ein Handyfoto von einem General. Vergleicht ihn mit Che Guevara. Es ist 11. Kein Bus. Der hatte einen Motorschaden, kurz vor Mrauk U. Sagt er mir jetzt. Der Ersatzbus kommt um 12:30, ich könne so lang noch was essen. Wahrheitsgehalt- fragwürdig. Aber gut. Ich esse was.
Um 12:15 steht der Ticketmensch neben mir am Tisch meines Restaurants. Der Bus wäre dann jetzt da. Er fährt mich mit seinem Moped hin. Etappe 1 wäre geschafft.
Der Bus macht gerade Rast, die Menschen essen zu Mittag. Ich sehe keine Touristen. Seltsam. Ich werfe einen Blick in den Bus. Aircon? Mal sehen. Ich steige ein. Die anderen Gäste steigen ein. Keine Touristen. Nix gegen Einheimische. Aber die Kategorie habe ich weder gebucht noch bezahlt. Ich wurde hochgradig verarscht. Meine Frage, ob das denn nicht ein local bus ist, umgeht der Ticketmensch galant, indem er mir erzählt nein, das wäre ein koreanischer Bus und alle Busse die hier fahren seien aus Korea.
Passiert, denk ich. Aber gut. Das Interieur ist lila und pink. Was zumindest die Tochter der Freundin freut, der ich ein Foto in der Hoffnung auf einige mitleidige Worte schicke.
Im Bus teilen Sie dann kleine schwarze Plastikbeutelchen aus. Für den Müll denke ich. Ich nehm mir eins. Kann nicht schaden.
Dann gibt es Troubel. Ich hab mich irgendwohin gesetzt. Aber nicht auf Platz 36, den ich gebucht hab. Andererseits ist das hier auch nicht der Bus, den ich gebucht hab. Jetzt soll sich irgendwer neben mich setzen, und anscheinend sind sie damit ein wenig überfordert. Vielleicht wollen die Männer nicht, vielleicht denken sie, ich will nicht, vielleicht stink ich auch. Ich weiß nicht. Mit mir redet keiner.
Ein Mädel wird aufgetrieben. Von ganz vorne wird sie nach hinten neben mich gesetzt. Sie sieht nicht sehr begeistert aus. Dann sind alle glücklich. Es geht los.
Die Fahrt ist holprig. Burmesische Straßenverhältnisse... Das Mädchen wechselt ihren Gesichtsausdruck von mediumglücklich in besorgniserregend. Sie kramt in ihrer Tasche und holt einen dieser Menthol Schnüffelstifte hervor, die mir meine Oma früher immer bei Schnupfen in die Hand gedrückt hat (bevor ihr meine Mutter das verboten hat, weil es unhygienisch ist, sich den immer gleichen Schnüffelstift in eine kranke, verrotzte Nase zu stecken). Das Mädchen schnüffelt am Stift. Motion Sickness, steht drauf. Ah. Wusste ich garnicht. Das Mädchen sieht immer unglücklicher aus. Dann kramt sie sich ein schwarzes Beutelchen. Hält es sich an den Mund und kotzt drauflos. Als sie fertig ist, verknotet sie es oben, wechselt einen vielsagenden Blick mit mir. Ich öffne das Schiebefenster unseres Busses. Das Kotzbeutelchen fliegt in hohem Bogen raus. Als kleines Geschenk für die Nachwelt.
Passiert, denk ich. Aber es geht weiter. Nachdem sie sich weitere 3 Mal erbrochen hat, und wir den Weg nunmehr mit kleinen, sorgsam zugeknoteten Geschenkchen gesäumt haben, erreichen wir eine kritische Beutelchenmasse. Ich biete ihr meinen Fensterplatz an. Das erste Mal sieht sie ein bisschen glücklich aus. Jetzt kann sie ganz umweltfreundlich aus dem Fenster reihern wenn sie will. Ich bin sowas wie der blaue Engel. Am nächsten Stopp kaufe ich mir einen Schnüffelstift. Für alle Fälle. Und dann geht der Spaß richtig los. Vor mir. Hinter mir. Schräg links. Ein wahres Kotzinferno bricht im Bus aus. Ich weiß nicht was los ist. Zu diesem Zeitpunkt sitzen wir ca. 6 Stunden im Bus, weitere 12 Stunden sind angekündigt. Am Besten ist der Typ übern Gang. Vielleicht ist er sich der begrenzten Beutelressourcen bewusst. Vielleicht ist er auch ein Umweltaktivist. Aber er bedient sich allen Ernstes des Tütchens, füllt es mindestens bis zur Hälfte, und dann knotet er es sorgsam am Vordersitz fest! Für schlechte Zeiten?! Ich bin sprachlos. Sicherheitshalber schnüffle ich ein wenig an meinem Stift. Der Aktivist trägt eine Jeansjacke mit Stachelnieten, von denen jede mindestens 5cm lang ist. Ich habe Kopfkino von einem durchpieksten Beutelchen, dessen Inhalt sich... Ich schnüffle nochmal am Stift. Noch mindestens 2 Mal sehe ich ihm zu, wie er sich in das ein und dasselbe Tütchen übergibt. Irgendwann ist es fast randvoll. Ich frage den Busfahrer nach Nachschub für den armen Mann. Er entsorgt sein Paket über das Fenster. Ich bin erleichtert. Unterwegs passieren wir 2 Grenzposten. Mitten in der Nacht steigen alle aus, zeigen Ihren Pass, Ein Grenzbeamter geht mit einer Taschenlampe durch den Bus, dann dürfen alle wieder einsteigen. Morgens um 6 erreiche ich Mandalay. Mein Hotel lässt mich extra früh einchecken. Ich nehme eine Dusche an der ich mich seit langem fast verbrühe. Ich liebe es.

Donnerstag, 11. Februar 2016

Chin Dörfer

Die Tatsache, dass Strom beständig ausfällt, der Generator nicht immer läuft und Wifi in irgendeiner Weise Strom braucht, macht es ziemlich schwierig, die Außenwelt auf dem Laufenden zu halten. So ist es hier. Abgeschiedenheit mit einem Hauch von Zivilisation.
Gestern haben wir einen Tagesausflug zu den Chin Dörfern gemacht, einer Minderheit die eigentlich in den Bergen lebt, sich aber teilweise auch in der Nähe von Mrauk U niedergelassen hat. Dort gibt es die letzten Frauen mit tätowierten Gesichtern zu bestaunen.
Der Legende nach wollte ein Herrscher aus Mrauk U vor 200 Jahren mehrere der als besonders schön geltenden Chin-Frauen aus den Dörfern verschleppen um sie zu heiraten. Den Chin wiederum passte das garnicht und so tätowierten sie die Gesichter ihrer schönen Frauen, um den Herrscher abzuschrecken und die Frauen hässlich zu machen.
Dieses Tätowieren wurde zu einer grausamen Tradition, die erst seit ca. 2 Generationen nicht mehr durchgeführt wird.
Die Frauen, wettergegerbt und würdevoll, jede von ihnen Ende 60, manche älter, erzählen uns, dass sie im Alter von 7 bis 9 Jahren in einer 2-tägigen Prozedur tätowiert wurden, die Hände festgebunden und am Boden liegend. Selbst über die Augenlider ziehen sich die Spinnwebenmuster. Die damit einhergehenden Schmerzen will ich mir nicht vorstellen und ich bin ganz froh, dass diese Tradition heute nicht mehr angewandt wird.
Und auch der Weg zu den Dörfern war nicht weniger spannend. Zunächst im Tuktuk die holprige Straße bis zum Bootsanleger, und dann mit dem Boot stromaufwärts.
Um auch das eine ganz entlegen Dörfchen zu erreichen, mussten wir eine ziemlich seichte Stelle im Fluss passieren. Mit 5 wohlgenährten Europäern an Bord - keine Chance. Als unser Dorf schon auf der Kippe stand, weil das Boot sich einfach immer wieder im Kies des Flussbettes festgefahren hatte, sind wir einfach alle ins knietiefe Wasser gesprungen und haben angeschoben. So haben wir es mit vereinten Kräften und nicht ohne unseren Guide komplett zu verdutzen, in das Dörfchen geschafft. Heute hab ich den Tag im Bett verbracht. Irgendwie fühle ich mich nicht so auf der Höhe. Ich werde versuchen, morgen einen Bus nach Mandalay zu buchen. Das bedeutet wieder einen ganzen Tag Bus.

Der burmesische Outback

"17 Stunden..." Sage ich immer wieder zu allen möglichen Menschen, denen ich im Hostel begegne und mache dann eine bedeutungsschwangere Pause. Mein einziges Ziel ist der erstaunte, zuweilen bewundernde und auch etwas mitleidige Blick in ihren Augen, der sich kurz darauf einstellt. Eigentlich ist es nur dieser Blick, den ich sehen will. Der ist schon Belohnung genug.
Denn Mrauk U (gesprochen Mja-u) liegt abseits der touristisch ausgetretenen Pfade - weswegen es kaum einer kennt, und ist trotz einer sehr kurz erscheinenden Luftlinie nur sehr beschwerlich zu erreichen - weswegen der Bus dahin nun mal 17 Stunden braucht. In unserem Fall 19 Stunden, weil wir unterwegs eine Reifenpanne hatten.
Aber jetzt bin ich hier. Irgendwo im Westen von Myanmar, fast schon an der Grenze zu Bangladesch in einem Städtchen, das wie Bagan alte Tempel und Stupas zu bestaunen hat, aber bei weitem nicht so touristisch ist. Hier scheint vielmehr die Zeit stehen geblieben zu sein. Irgendwann vor 100 Jahren oder so. Frauen holen sich mit Metallvasen Wasser aus einem Brunnen, die sie dann auf dem Kopf balancierend bis nach Hause tragen. Gestern beispielsweise wollte ich mir im Restaurant die Hände waschen, suche 2 Sekunden lang den Wasserhahn am Waschbecken und stelle dann fest, dass das Wasser mit einer Metallschüssel aus einem größeren Behälter nebenan geschöpft werden muss.
Die Menschen sind freundlich und leben ihr Dorfleben. Zugegebenermaßen schwelgen sie aber nicht im Überfluss. 2015 gab es hier größere Überschwemmungen. Derzeit ist alles eher sehr sehr staubig. Strom fällt oft aus und mein iPhone vibriert ganz leicht, wenn ich es zum Laden an die Steckdose hänge... Kein gutes Zeichen, glaube ich.
Zusammen mit Peter, dem Fotografen aus Malta, mache ich mich besonders zu Sonnenauf- und Untergang auf, um die besten Stimmungen aus der Umgebung einzufangen. Nachts machen wir oft Nachtaufnahmen und Lightpaintings, indem wir mit einer Taschenlampe Kreise in den stockfinsteren Himmel malen. Es macht Spaß, zu assistieren und langsam aber beständig wächst der Wunsch, mein Kameraequipment deutlich upzugraden.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Viele Tempel und noch mehr Glück

Der Super Special von Pimp my Bus ausgestattete JJ Express (Liegesitze mit ausklappbarem Fußteil, Bildschirme im Vordersitz, Sitzheizung.... name it...) nach Bagan war natürlich schon ausgebucht.
Also nehmen Team Malta und ich die nächstgünstigere Nachtbus-Variante, die besser als erwartet ausfällt, aber trotzdem nicht ganz zum Ausruhen gedacht ist. Meine Hand und beide Beine schlafen abwechselnd mehrmals ein. Ich zumindest einmal kurz. Ich rechne mit einer 10-stündigen holprigen Busfahrt, aber die Straßen sind ausgesprochen gut und wir kommen morgens kurz nach 5 in Bagan an. Da es zum Einchecken ohnehin zu früh ist, buchen wir gleich unsere erste Sunrise Tour. Es ist noch ein bisschen kalt morgens, zumal wir jetzt erstmal eine Stunde im Dunkeln sitzen und die Wächter mit Taschenlampen kontrollieren, dass wir auch ja unsere Socken ausgezogen haben. Auf den Tempel geht's nur barfuß.
Aber wie so oft hab ich mal wieder Glück. Meine leeren Kameraakkus hab ich zumindest so rudimentär aufgeladen, dass sie die morgendliche Fotosession überstehen, weil mein Handy leer ist hab ich Mein iPad für Panoramaaufnahmen mit (ja ich kann diese Scheißtouristen mit ihren Scheiß iPads auch nicht ausstehen :) und das allerbeste: ich hab meine Skiunterwäsche an! Damit der Bobbes nicht kalt wird, setz ich mich auf meine selbst konstruierte Schaumstoff-Gefrierbeutel-Kombi (in der ich eigentlich mein iPad vor Stößen schütze) Und auch wenn es aussieht, als wären wir viel zu früh dran, wir sind nicht die ersten, und innerhalb von 15 Minuten füllt sich das Plätzchen oben auf dem Tempel rasant schnell mit Menschen. Jetzt noch klammheimlich die Socken wieder anziehen und warten.
Der Sonnenaufgang ist majestätisch. In Nebelschwaden gehüllt ragen tausende kleiner Tempel aus dem Boden, und spätestens wenn die Sonne am Horizont zu sehen ist steigen die Heißluftballons in den Himmel und komplettieren das Panorama. Als ich danach im Hotel ankomme, stelle ich fest, dass es richtigen Kaffee mit echter Milch gibt! Dazu angeblich authentische Pasta, da das "Ostello Bello" von Italienern geführt wird. Alles richtig gemacht. Also heißt es erstmal auf der Sonnenterasse chillen, Kraft für den Tag tanken und heute Abend gleich noch ne Sunset Tour anschließen.

Dienstag, 2. Februar 2016

As it's opening up...

Ich liege im Bett, von draußen lärmen Autos in den Straßen. Gedämpft dringen die Töne der Stadt durch meinen geschlossenen Vorhang zu mir vor.
Heute schlafe ich aus. Bis weit nach 9 Uhr räkle ich mich im Bett und obwohl ich im Hostel bin habe ich Privatsphäre, geschützt von einem kleinen Rollo vor meiner Bettkapsel, der neugierige Blicke draußen lässt, und nur in Blumenmustern gefiltertes Licht zu mir durchdringen lässt.
Hier bin ich also, in dem Land in dem Männer Röcke tragen und in dem Sonnenuntergänge etwas mystisches haben, weil immer eine Art Dunst oder Staub in der Luft liegt, in dem sich die letzen Sonnenstrahlen brechen.
Am 31. Januar habe ich einen Flieger nach Yangon genommen, nicht ohne am Flughafen 3 Mal immens Glück zu haben.
Das erste Mal, als ich lese, dass mein Visum für Myanmar nicht wie gedacht 30, sondern 28 Tage gültig ist und im Augenblick danach feststelle, dass ich den Rückflug zufällig auf den 26. Februar gelegt habe.
Ein 2. Mal habe ich Glück, als ich an der Passkontrolle nach der Departure Card gefragt werde, und den zugehörigen und bereits mehrmals als Fresszettel missbrauchten Wisch nur deswegen finde, weil er mir am Morgen zuvor beim Ausmisten von Geldbeutel und Co. zufällig in die Hände gefallen ist. Den ersten faulen Versuch ob ich nicht einfach eine andere Departure Card ausfüllen könnte wird damit kommentiert, dass ich doch bitte meine Fluggesellschaft kontaktieren soll. Also stelle ich meinen Rucksack auf den Kopf und zaubere das Dokument ans Tageslicht. Nicht ohne innerlich aufzuatmen. Hätte ich das Zettelchen, erst einmal aus dem Pass rausgeflattert, schon mehrmals fast weggeworfen...
Ein drittes Mal habe ich Glück, als ich am Abflugsgate ein absolut bezahlbares japanisches Restaurant erspähe und internationalen Boden als hygienisch genug befinde, mir mal wieder etwas Sushi zu genehmigen. Lecker!
In Myanmar indes habe ich mich bis jetzt zwar von rohem Fisch ferngehalten, aber ansonsten war ich in meiner Essenswahl weder zimperlich noch sonderlich magendarm-präventiv unterwegs.
Probiert habe ich (durchweg an Straßenständen) Durian (Stinkfrucht), Hühnerfüße, gegrillte Wachtel am Spieß, Chili con getrockneter Fisch, gedünstete Erdnüsse, Yoghurt mit Honigsoße (an Eiswürfel) und undefinierbares Gemüse zum Mittag. Letztere Beide verdauen noch, aber ich hoffe Montezuma ist mir milde gestimmt.
Das erste was ich in Yangon gemacht habe, ist mich in die Circle Line zu setzen. Das ist ein ruckelnder zuckelnder und ziemlich langsam fahrender Zug, der in ca. 3 Stunden einmal um die ganze Stadt und durch ihre Vororte und Hinterhöfe fährt. Für 20 Cent bekommt man so einen ganz guten Einblick in den burmesischen Alltag.
Auf der Hälfte der Strecke sind die Gemüsehändler eingestiegen. Riesen Trubel am Bahnhof und durch die offenen Fenster werden mir Bündel mit Gemüse hereingereicht, in einem kurzen Zustand des absoluten Chaos füllt sich minutenschnell der ganze Zug mit Menschen und Grünzeugs und im restlichen Verlauf der Fahrt putzen alle munter ihr Gemüse und schnüren, Liedchen summend marktgerechte Bündel.
Auch ich komme im Laufe der Fahrt mit 4 Maltesern ins Gespräch, mit denen ich den restlichen Tag verbringe.
Nächster Programmpunkt ist die Shwedagon Pagode. Grell reflektieren 60t Gold das unbarmherzige Sonnenlicht in meine Augen zurück und erst gegen Abend muss man die Augen bei dem ganzen Prunk nicht mehr allzusehr zusammenkneifen.
Kurz vor Dämmerung bietet uns ein Guide seine Dienste an, der mehrmals betont, dass er schon 69 Jahre alt ist und tatsächlich ein bisschen aussieht wie Mr. Miyagi. Leider hat seine geballte Lebenserfahrung auch einen salzigen Preis, 5 Dollar pro Person für die kurze Tour mit allerhand Geschichtlichem, den besten Fotospots für Insider und einer persönlichen Berechnung des Tierkreiszeichens, ganze 10 Dollar will er für die Special Extended Führung, inklusive Romeo & Julia Liebesgeschichte. Natürlich sind wir zu geizig, und als wir uns darauf einigen, nur die kurze Tour zu machen, scheitert es letztendlich an 900 Kyat, weil er unbedingt den von Dollar in Kyat umgerechneten exakten Wechselkurs berücksichtigt haben will (12.900 statt 12.000). Aber wir sind felsenfest der Meinung dass er uns die Differenz auch hätte entgegenkommen können (geht schließlich ums Prinzip) und so weiß ich leider immer noch nicht, welches Tier ich bin (im Zweifel ein Schaf), oder wie lang ich leben werde. Aber den Rest des Abends haben wir damit verbracht, alle möglichen Dinge in "Guide Units" umzurechnen. "Wir können jetzt 7 Bier trinken, oder 2 Handyladekabel plus USB Doppelstecker kaufen..... Oder wir hätten den Guide nehmen können..." Zum Beispiel hätten wir uns statt der kostbaren Dienste des Guides auch einfach 129 Packungen Sekundenkleber kaufen können... Da merkt man erstmal wie teuer der war.... Und soweit wars das auch schon. Die Sule Pagode wird derzeit renoviert und ist optisch daher nicht der Rede wert. Sofern man sich nach 2 Tagen einen Vergleich zu Thailand anmaßen kann... Yangon ist chaotischer, dreckiger, lauter als Bangkok. Aber auch ein bisschen herzlicher. Menschen bieten dir Stühle an, lassen dich ihren Yoghurt probieren und sind auch ansonsten sehr zuvorkommend. Kommunikation ist zuweilen etwas frustrierend, da englisch oft nur rudimentär gesprochen wird. Aber das ist ja das, was viele Traveller suchen. Das echte Abenteuer. Jedenfalls ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Land zu bereisen. Es ist gerade in Begriff sich zu öffnen, ist derzeit noch unberührt genug um sein brachiales Backpacker Erlebnis zu haben, aber auch schon entwickelt genug, dass man Unterkünfte online buchen und bezahlen kann und auch das passende Wifi hat, um nach Ihnen zu recherchieren. Das Mobilfunknetz funktioniert nicht immer, und nicht immer einwandfrei, aber es funktioniert. Oh, eine lokale SIM Karte zu kaufen war ein kleines Abenteuer. Nano-SIM's gibt's hier noch nicht. Also muss man Mikro kaufen und stanzen. Erschwerend kam hinzu, dass im ersten Geschäft kein Apple-aufmach-Piekser aufzufinden war. Als der Zahnstocher einfach nicht wollte, und der in der Kruschtelkiste aufgetriebene Metallnagel zu dick war, ging der hilfsbereite Ladenbesitzer kurzerhand mit der Flex ans Werk und hat mir den Metallstift so lange zugeschliffen, bis er dünn genug war, um mein kapriziöses Handy zu öffnen. Diesen Stift hab ich dann für kommende schlechte Zeiten gleich mitbekommen. Das nenn ich mal echte Kundenorientierung! Nächste Station: Bagan. Wenn es strategisch gesehen auch am Schluss kommen sollte, aber was soll das schon? Ich freu mich!