Donnerstag, 24. März 2016

Downhill Revival

Irgendwann an Tag 5 oder so kam mir die Idee, wir könnten ja mountainbiken. Ganz stilecht Downhill, so wie wir uns kennengelernt haben.
Ein bisschen Überredungskünste hat es schon gebraucht, denn ganz billig war es nicht, und am Ende steht man eventuell doch an nem Provinzhügel mit Klapprad... Aber wie findet man heraus, auf was man sich einlässt? Schon allein die Frage des Veranstalters, ob man das schonmal gemacht hat, ist irgendwie tückisch.
Sagt man nein, steht man am Idiotenhügel, oder sie lassen einen um den See rum fahren.
Sagt man ja, erwarten sie am Ende zu viel, und dann verwechselt man noch 1-2 Buchstaben weiter hinten im Alphabet, und ruck zuck gehts senkrecht den Berg runter.
Dazu kommt, dass der Sand beim Fahrradfahren ein bisschen begabter ist als ich, aber gut... Ich hab mir vor ein paar Jahren mal den großen Zeh gebrochen, und seither ist meine Aerodynamik am Bike einfach nicht mehr die gleiche... ;-)
Letztendlich lassen wir uns von den durchweg guten Bewertungen auf Tripadvisor (und der einen schlechten Bewertung von dem Typen, der sagt sein Sattel war zu niedrig) überzeugen, und buchen eine Tour bei "X-Biking Chiang Mai" für den nächsten Tag.
Als wir ankommen, begrüßt uns ein Guide und wir werden erstmal in eine ordentliche Schicht Protektoren und einen Integralhelm eingepackt. Auf dem Anhänger sind schon die Räder festgeschnallt. Mein erster Downhiller erwartet mich.
Und unser Guide - Harry aus Österreich(!) - spricht unsere Sprache und kennt jeden Stein in Saalbach. Was mich irgendwie beruhigt.
Also wirkliches echtes richtiges Downhill steht an. Ist vergleichbar mit daheim, meinte er. Was mich irgendwie beunruhigt. Hoffentlich hoffentlich komme ich irgendwie diesen Berg runter, denk ich.
Mal wieder haben wir Glück und erwischen eine kleine Gruppe. 2 Dänen kommen noch mit, meint Harry. Die Frage, obs in Dänemark überhaupt Berge gibt, schießt mir in den Kopf, aber ich verkneif sie mir.
Lange lange zuckeln wir mit unserem Jeep den Berg hoch. Oben ziehe ich mir bedächtig alles an, was uns an die Hand gegeben wurde. Handschuhe, Knieschoner, Ellenbogenschützer, Integralhelm. Mir ist ein bisschen mulmig. Dann geht's los.
Bamboo Trail heißt unsere erste Strecke. Team Dänemark fährt vor, dann Sand, dann ich. Ziemlich aufregend das alles. Wurzelig, steinig, aber auch nicht zu anspruchsvoll. Eigentlich genau die richtige Strecke für mich. Eigentlich. Aber halt auch immer noch steil, mir schießt das Adrenalin in die Adern, ich zittre überall. Nach ca. 10 Sekunden Fahrt sehe ich von meinem Freund nichts weiter als eine kleine Staubwolke. Dem taugts, denk ich. Blöd nur, dass ich das letzte halbe Jahr keinen Sport gemacht, und die letzten 3 Monate zudem mit Fressen und Saufen zugebracht hab. Nicht zu vergessen - mein böser Fußzeh. Und so zuckle ich meine Kurven ziemlich langsam den Berg runter.
Diese Hitze! Das strengt an! Zu den schlottrigen Knien kommen ziemlich schnell müde Finger dazu, und beim ersten Sammelpunkt wird beschlossen, dass der Sand mit Team Dänemark und den thailändischen Guide mitfahren darf. Harry bleibt bei mir. Jetzt hab ich meinen eigenen Privatguide.
Die Strecke ist technisch wahrscheinlich nicht viel herausfordernder als andere Sachen die ich schon gefahren bin, allein ich bin so kaputt! Während der ganzen Abfahrt hört mein Zittern nicht auf, und am liebsten würd ich mich hinsetzen, was ich auch bei jeder halbwegs flachen Passage tue.
Aber Harry ist super. Macht viele Pausen mit mir, bietet mir an strategisch wichtigen Punkten Wasser an und verwickelt mich in taktischen Smalltalk damit ich Kraft tanken kann.
Als wir unten sind, beschließe ich, die 2. Abfahrt auszusetzen. Ich bin fix und alle.
Aber Freund ist glücklich, und das ist ja die Hauptsache. Zusammen mit Rene von Team Dänemark und Harry schlürfe ich einen Milchkaffee, und lasse die Männer sich über technischen Schnickschnack, Federgabeln, Leogang und Motocross unterhalten. Der Bongo Bongo ist voll krass, meint Rene irgendwann. Hab ich auch schonmal geschoben, denk ich.
Zum Mittagessen kommt mir ein nun endgültig lächelnder Sand entgegengerollt. Die 2. Abfahrt war technisch ein bisschen anspruchsvoller, aber er ist dem Guide gut hinterhergekommen. Er klingt ein bisschen stolz, als er das sagt.
Nach einer Portion Fried Chicken mit Reis sitzen wir wieder im Jeep bergaufwärts. Ich hab wieder ein bisschen Angst vor der Abfahrt. Kaum sind wir oben auf dem Berg muss ich aufs Klo, aber Mädchenallüren kann ich jetzt nicht brauchen, was sollen da die Männer denken, also steig ich wieder aufs Bike und die 2. Abfahrt ist tatsächlich nicht ganz so anstrengend. Landschaftlich wars auch sehr schön, mit Lycheebäumen und Erdbeerfeldern - hab ich mir sagen lassen. Am Abend trifft sich die komplette Truppe zu Cordon Bleu im "German Beergarden" und ich erfahre endlich, wie man eine Massage happy macht. Dann gibt uns Harry den entscheidenden Tip, der unseren Urlaub endgültig sagenhaft macht. Ob wir kein Motorrad mieten wollen, frägt er uns. Dan Mae Hong Son Loop fahren. Der wär echt schön.

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