Sonntag, 10. April 2016

Green Island - die Perle

Jetzt aber. Green Island. 2 Tage habe ich vorgebucht, und nach einer ersten Umrundung mit dem E-Roller (für alles andere bräuchte man einen taiwanischen Führerschein) verlängere ich um eine Nacht, und auch da werde ich später bereuen, dass es nicht 2 oder 3 Nächte sind.
Die Schönheit von Green Island ist wirklich nur schwer in Worte zu fassen. Dieser Flecken Erde zieht mich sofort in seinen Bann. Da wären Buchten, die in allen Blautönen leuchten, Felsformationen mit so poetisch klingenden Namen wie "Sleeping Beauty" (und der Fels sieht tatsächlich einem schlummernden Dornröschen ähnlich) und ein Salzwasserhotspring.
Am meisten hat mich aber an Green Island fasziniert, dass es so garnicht überlaufen war. Da kuckt man auf einen Sonnenuntergang und ist dabei allein. Kann ungestört seinen Gedanken nachhängen, in den Horizont starren (und dabei Unmengen von Selfies machen) und glücklich sein.
Am ersten Tag tuckere ich ganz allein über das Inselchen. Mach alle Meter mal Halt, knipse Fotos, fahr weiter, halte wieder an, und so weiter. Die Insel ist komplett vulkanisch, am Strand haben die Felsformationen allerhand Einschlüsse, der "Sand" besteht aus Korallen, wenn man genau hinsieht, entdeckt man kleine Krebse (und springende Shrimps!) und im Wald tummelt sich das ein oder andere Reh.
Gegen 22 Uhr mache ich mich auf zum Hot Spring. Man kann im Becken sitzen und den Sternenhimmel beobachten, heißt es. Und so mache ich das dann auch. Fast noch schöner finde ich allerdings den Heimweg. Auch wenn ich sehr darauf achten muss, keine Frösche zu überfahren, denn die kommen nachts raus und hüpfen sehr suizidal über die Straße.
Irgendwann, und ich weiß garnicht mehr warum, ich glaub ich wollte mir die Sterne ansehen, halte ich am Straßenrand an und mache das Licht aus. Es ist stockduster. Und auf einmal sehe ich es überall um mich herum funkeln. Glühwürmchen! Da gabs Glühwürmchen! Ich werd nimmer...
An Tag 2 laufe ich im Hostel einem Mädel über den Weg. Theresa aus Tschechien. Sie ist glaube ich schon einen Tag länger da, hat aber schon alles ausgekaspert. Den Tag verbringen wir zusammen. Wir wollen die Hiking Trails der Insel erkunden. Unterwegs machen wir unzählige Bilder von Riesenspinnen, Leguanen und Schmetterlingen. Diese tollen riesigen Schmetterlinge, die manchmal ohne mit den Flügeln zu flappen einfach durch die Luft segeln und sich vom Wind tragen lassen.
Doch irgendwann sehen wir auch unsere erste Schlange und ab da kucken wir peinlich genau auf den Boden. Das ist so lange kein Stress wie der Weg schön breit und gepflastert vor uns liegt. Aber kurz darauf wird er schmaler, und die Pflanzen wuchern von beiden Seiten in den Weg hinein.
Aber ich merk schon... Theresa ist outdoorerprobt. Die wilden Wälder Tschechiens sind wohl von einem anderen Kaliber als der deutsche Normalwald. So schnappt sie sich den nächstbesten Bengel am Wegesrand und ab sofort wird in jedes Grasbüschel, das zu weit in den Weg hineinragt beherzt draufgeschlagen. Gegen die Schlangen. Ich fühl mich sicher. Einmal treffen wir andere Menschen auf dem Weg. Ansonsten sind wir - wie so oft - ganz allein.
Für den nächsten Tag nehmen wir uns das Gefängnis vor. - Ja auch das hat Green Island zu bieten. Geschichte. Hier war nämlich eine Art Alcatraz, in dem das KMT Regime politische Gegner "umerziehen" ließ. Sogar das Gefängnis hat einen poetischen Namen: Oasis Villa. In diesem Fall ist er aber durchaus zynisch. Abends im Hostel gesellt sich Ebba zu uns, eine Deutsche, und den letzten halben Tag unternehmen wir zu dritt etwas.
Mal wieder hat Theresa die perfekte location in petto. "Blue Lagoon". Das klingt nicht nur, wie aus dem Erotikfilm, das ist auch genauso geil. Wir parken am Strand und klettern über das Vulkangestein und tatsächlich! Da ist eine kleine Lagune. Tief genug zum baden, in den herrlichsten Blau- und Grüntönen schimmernd, und keine Menschenseele weit und breit! 10 Meter weiter prallt die geballte Wucht des wilden Pazifiks an die Steilklippen, das Wasser donnert hier tiefblau an die schwarzen Felsen und zerstäubt mit weißer Gischt wieder in den Ozean zurück.
Zu diesem Zeitpunkt habe ich noch ca. 10 Minuten, bis ich zum Roller laufen, gen Hostel fahren, duschen, auschecken, zum Hafen düsen und wieder aufs Boot muss... Hier hätt ichs locker ne Woche ausgehalten... Man halte fest: Green Island, absolutes Highlight(!!) von Taiwan bis jetzt, und definitiv in den Top 3 der gesamten Reise überhaupt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen