Eine Nacht habe ich in Mandalay gebucht. Mehr braucht man nicht, sagen alle. Mein nächster Halt soll Hsipaw sein, eine Stadt in den Bergen, als Trekkingparadies bekannt. Die Zugfahrt dahin wird als besonders idyllisch beschrieben, mit einer Brücke über eine große Schlucht. Deswegen muss ich natürlich unbedingt mit dem Zug hin.
Was ich nicht weiß: Es gibt nur einen Zug am Tag. Um 4 Uhr morgens. Das finde ich am Bahnhof heraus. Ein Ticket kaufe ich mir trotzdem. Viele Alternativen gibt es ja nicht.
Weil ich mich vorher im Supermakt mit Fresskram und einem neuen Duschgel sowie einer neuen Powerbank für mein Handy (Stichtwort Stromausfall) eingedeckt hab, bin ich ziemlich schwer beladen, und als mich ein Mopedtaxi anspricht und mir für den Weg ins Hotel einen ziemlich fairen Preis macht, bitte ich den Mann kurzerhand, mir eine Tour durch die Stadt zu geben.
Er strahlt. Damit hat er nicht gerechnet. Er nennt mir einen Preis von umgerechnet 10€ und ganz rudimentär englisch kann er auch. Dieser Taxifahrer, rettet meinen Tag. Er ist aus Mandalay, sagt er, und da auch ziemlich stolz darauf. Wo ich als nächstes hinwill, fragt er. Ah - Shan Staat. Was mich immer wieder wundert: Hier redet niemand wirklich davon, dass er aus Myanmar, oder Birma (oder Burma) kommt. Alle denken in Staaten. Shan Staat, Chin Staat, Rakhine Staat... Und es ist wichtig zu wissen, in welchem Staat die Stadt ist, in die man als nächstes hinwill. In vielen Teilen des Landes kämpfen die Milizen der bestimmten Staaten um die Vorherrschaft. So ganz Friede Freude Eierkuchen ist es hier dann doch nicht.
Als erstes gehen wir auf Mandalay Hill. Eine weitreichende Aussicht hat man hier. Aber man sieht nicht sonderlich viel. Mandalay ist architektonisch weder besonders spannend, noch liegt es landschaftlich besonders reizvoll.
Er versucht, mir einige Dinge über den Tempel zu erklären, und zeigt mir 2 Schlangen die Glück bringen sollen. Und wieder sehe ich einen Brunnen mit 7 Seiten, von denen jede einem Wochentag und einem Tier zugeordnet ist. Mein eigenes burmesisches Horoskop lässt mich ja nicht mehr los, seitdem wir in Yangon unseren überteuerten Guide NICHT genommen haben. Mittlerweile habe ich zumindest herausgefunden, dass ich an einem Donnerstag geboren und deswegen eine Maus (ja ich weiß, sehr viel wahrscheinlicher eine Ratte...) bin. Aber was heißt das? Bin ich besonders intelligent? Besonders sozial? Der Taxifahrer ist mit meinen Fragen überfordert.
Besonders wichtig ist ihm allerdings, dass ich mir "world's biggest book" ansehe. Wenns ihn glücklich macht... Ich kann mir nichts darunter vorstellen. Es sind 2 Stupas, wie sich herausstellt, um die herum geometrisch angeordnet, kleine weiße Gebäude stehen von denen jedes eine Steintafel mit buddhistischen Schriften enthält. Insgesamt sind es über 100 Stück. Da ich die Schriften nicht lesen kann, ist es für mich eher ein schönes Fotomotiv. So geht es mir bei vielem. Die Relevanz von bestimmten religiösen Stätten kann ich oft nur aus der Optik, der Größe, oder der Anzahl der Besucher ableiten.
Must See für mich ist die Teak Brücke. Von der habe ich gehört. 200 Jahre ist die schon alt, und tatsächlich auch ein bisschen wackelig und gnarzig. Geländer gibt's nicht, dafür umso mehr Menschen, die über sie schlendern. Hier verbringe ich meinen Sonnenuntergang und komme mit einem Mönch ins Gespräch, der mir erzählt, wie froh er über die neue Regierung ist und dass er unter der damaligen Militärregierung einige Jahre im Knast gesessen hat, weil er kritisch über sie geschrieben hat. Er sagt, ich soll ihn mal in seinem Kloster besuchen kommen, was ich tatsächlich gerne tun würde, aber mir fehlt die Zeit.
Mit meinem Taxifahrer, der mich freundlich winkend am Anfang des Steges begrüßt, geht es weiter zum Mahamuni Buddha, der in den letzten 100 Jahren deutlich an Masse zugenommen hat, weil jeden Tag Menschen mehr Leibesfülle in Form von Blattgold spenden, die dann an ihn drangepappt wird. 15cm pures Gold soll die Schicht um ihn herum schon zugelegt haben, und jeden Morgen wird er gewaschen. Ich darf ihn allerdings nur aus der 2. Reihe ankucken, weil ich eine Frau bin. Bisschen sexistisch, diese Buddhisten.
Wir treffen hier einen weiteren Mönch der sich viel Zeit für uns beide nimmt, und uns mehr über den Tempel und seine Artefakte erklärt. Ich verstehe es aber leider nur bruchstückhaft, weil über Megaphon lautstark Schriften rezitiert werden und ich mal wieder Probleme mit dem Englisch habe. Aber ich bekomme mit, dass das Dach 7-stufig ist, was die 7 Stadien des Buddhismus repräsentiert(?), dass im Nebengebäude Bronzestatuen aus Angkor zu bewundern sind und dass das Interieur des Tempels großteils gespendet ist (die Jadetäfelchen zum Beispiel, die die Säulen ziehren).
Danach bin ich hungrig und lade meinen Taxifahrer auf ein Bier ein, auch wenn eine Flasche mit fast 0,7l Bier vielleicht nicht unbedingt das ist, auf das man einen Mopedfahrer ohne Helm, den man im Dunkeln daran erinnern muss sein Licht einzuschalten, einladen sollte. Aber er versichert mir, dass Safety bei ihm großgeschrieben wird, und ich versichere mich auf Google Maps, dass ich die 500m zum Hotel notfalls auch zu Fuß zurücklegen könnte.
Als wir uns verabschieden ist er herzlich, wünscht mir eine gute Weiterreise und dass ich noch viel Spaß in seinem Land haben möge. Ein schöner komprimierter Tag, der mich Mandalay mit einem guten Gefühl verlassen lässt.
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