Dienstag, 2. Februar 2016

As it's opening up...

Ich liege im Bett, von draußen lärmen Autos in den Straßen. Gedämpft dringen die Töne der Stadt durch meinen geschlossenen Vorhang zu mir vor.
Heute schlafe ich aus. Bis weit nach 9 Uhr räkle ich mich im Bett und obwohl ich im Hostel bin habe ich Privatsphäre, geschützt von einem kleinen Rollo vor meiner Bettkapsel, der neugierige Blicke draußen lässt, und nur in Blumenmustern gefiltertes Licht zu mir durchdringen lässt.
Hier bin ich also, in dem Land in dem Männer Röcke tragen und in dem Sonnenuntergänge etwas mystisches haben, weil immer eine Art Dunst oder Staub in der Luft liegt, in dem sich die letzen Sonnenstrahlen brechen.
Am 31. Januar habe ich einen Flieger nach Yangon genommen, nicht ohne am Flughafen 3 Mal immens Glück zu haben.
Das erste Mal, als ich lese, dass mein Visum für Myanmar nicht wie gedacht 30, sondern 28 Tage gültig ist und im Augenblick danach feststelle, dass ich den Rückflug zufällig auf den 26. Februar gelegt habe.
Ein 2. Mal habe ich Glück, als ich an der Passkontrolle nach der Departure Card gefragt werde, und den zugehörigen und bereits mehrmals als Fresszettel missbrauchten Wisch nur deswegen finde, weil er mir am Morgen zuvor beim Ausmisten von Geldbeutel und Co. zufällig in die Hände gefallen ist. Den ersten faulen Versuch ob ich nicht einfach eine andere Departure Card ausfüllen könnte wird damit kommentiert, dass ich doch bitte meine Fluggesellschaft kontaktieren soll. Also stelle ich meinen Rucksack auf den Kopf und zaubere das Dokument ans Tageslicht. Nicht ohne innerlich aufzuatmen. Hätte ich das Zettelchen, erst einmal aus dem Pass rausgeflattert, schon mehrmals fast weggeworfen...
Ein drittes Mal habe ich Glück, als ich am Abflugsgate ein absolut bezahlbares japanisches Restaurant erspähe und internationalen Boden als hygienisch genug befinde, mir mal wieder etwas Sushi zu genehmigen. Lecker!
In Myanmar indes habe ich mich bis jetzt zwar von rohem Fisch ferngehalten, aber ansonsten war ich in meiner Essenswahl weder zimperlich noch sonderlich magendarm-präventiv unterwegs.
Probiert habe ich (durchweg an Straßenständen) Durian (Stinkfrucht), Hühnerfüße, gegrillte Wachtel am Spieß, Chili con getrockneter Fisch, gedünstete Erdnüsse, Yoghurt mit Honigsoße (an Eiswürfel) und undefinierbares Gemüse zum Mittag. Letztere Beide verdauen noch, aber ich hoffe Montezuma ist mir milde gestimmt.
Das erste was ich in Yangon gemacht habe, ist mich in die Circle Line zu setzen. Das ist ein ruckelnder zuckelnder und ziemlich langsam fahrender Zug, der in ca. 3 Stunden einmal um die ganze Stadt und durch ihre Vororte und Hinterhöfe fährt. Für 20 Cent bekommt man so einen ganz guten Einblick in den burmesischen Alltag.
Auf der Hälfte der Strecke sind die Gemüsehändler eingestiegen. Riesen Trubel am Bahnhof und durch die offenen Fenster werden mir Bündel mit Gemüse hereingereicht, in einem kurzen Zustand des absoluten Chaos füllt sich minutenschnell der ganze Zug mit Menschen und Grünzeugs und im restlichen Verlauf der Fahrt putzen alle munter ihr Gemüse und schnüren, Liedchen summend marktgerechte Bündel.
Auch ich komme im Laufe der Fahrt mit 4 Maltesern ins Gespräch, mit denen ich den restlichen Tag verbringe.
Nächster Programmpunkt ist die Shwedagon Pagode. Grell reflektieren 60t Gold das unbarmherzige Sonnenlicht in meine Augen zurück und erst gegen Abend muss man die Augen bei dem ganzen Prunk nicht mehr allzusehr zusammenkneifen.
Kurz vor Dämmerung bietet uns ein Guide seine Dienste an, der mehrmals betont, dass er schon 69 Jahre alt ist und tatsächlich ein bisschen aussieht wie Mr. Miyagi. Leider hat seine geballte Lebenserfahrung auch einen salzigen Preis, 5 Dollar pro Person für die kurze Tour mit allerhand Geschichtlichem, den besten Fotospots für Insider und einer persönlichen Berechnung des Tierkreiszeichens, ganze 10 Dollar will er für die Special Extended Führung, inklusive Romeo & Julia Liebesgeschichte. Natürlich sind wir zu geizig, und als wir uns darauf einigen, nur die kurze Tour zu machen, scheitert es letztendlich an 900 Kyat, weil er unbedingt den von Dollar in Kyat umgerechneten exakten Wechselkurs berücksichtigt haben will (12.900 statt 12.000). Aber wir sind felsenfest der Meinung dass er uns die Differenz auch hätte entgegenkommen können (geht schließlich ums Prinzip) und so weiß ich leider immer noch nicht, welches Tier ich bin (im Zweifel ein Schaf), oder wie lang ich leben werde. Aber den Rest des Abends haben wir damit verbracht, alle möglichen Dinge in "Guide Units" umzurechnen. "Wir können jetzt 7 Bier trinken, oder 2 Handyladekabel plus USB Doppelstecker kaufen..... Oder wir hätten den Guide nehmen können..." Zum Beispiel hätten wir uns statt der kostbaren Dienste des Guides auch einfach 129 Packungen Sekundenkleber kaufen können... Da merkt man erstmal wie teuer der war.... Und soweit wars das auch schon. Die Sule Pagode wird derzeit renoviert und ist optisch daher nicht der Rede wert. Sofern man sich nach 2 Tagen einen Vergleich zu Thailand anmaßen kann... Yangon ist chaotischer, dreckiger, lauter als Bangkok. Aber auch ein bisschen herzlicher. Menschen bieten dir Stühle an, lassen dich ihren Yoghurt probieren und sind auch ansonsten sehr zuvorkommend. Kommunikation ist zuweilen etwas frustrierend, da englisch oft nur rudimentär gesprochen wird. Aber das ist ja das, was viele Traveller suchen. Das echte Abenteuer. Jedenfalls ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Land zu bereisen. Es ist gerade in Begriff sich zu öffnen, ist derzeit noch unberührt genug um sein brachiales Backpacker Erlebnis zu haben, aber auch schon entwickelt genug, dass man Unterkünfte online buchen und bezahlen kann und auch das passende Wifi hat, um nach Ihnen zu recherchieren. Das Mobilfunknetz funktioniert nicht immer, und nicht immer einwandfrei, aber es funktioniert. Oh, eine lokale SIM Karte zu kaufen war ein kleines Abenteuer. Nano-SIM's gibt's hier noch nicht. Also muss man Mikro kaufen und stanzen. Erschwerend kam hinzu, dass im ersten Geschäft kein Apple-aufmach-Piekser aufzufinden war. Als der Zahnstocher einfach nicht wollte, und der in der Kruschtelkiste aufgetriebene Metallnagel zu dick war, ging der hilfsbereite Ladenbesitzer kurzerhand mit der Flex ans Werk und hat mir den Metallstift so lange zugeschliffen, bis er dünn genug war, um mein kapriziöses Handy zu öffnen. Diesen Stift hab ich dann für kommende schlechte Zeiten gleich mitbekommen. Das nenn ich mal echte Kundenorientierung! Nächste Station: Bagan. Wenn es strategisch gesehen auch am Schluss kommen sollte, aber was soll das schon? Ich freu mich!

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