Donnerstag, 11. Februar 2016

Chin Dörfer

Die Tatsache, dass Strom beständig ausfällt, der Generator nicht immer läuft und Wifi in irgendeiner Weise Strom braucht, macht es ziemlich schwierig, die Außenwelt auf dem Laufenden zu halten. So ist es hier. Abgeschiedenheit mit einem Hauch von Zivilisation.
Gestern haben wir einen Tagesausflug zu den Chin Dörfern gemacht, einer Minderheit die eigentlich in den Bergen lebt, sich aber teilweise auch in der Nähe von Mrauk U niedergelassen hat. Dort gibt es die letzten Frauen mit tätowierten Gesichtern zu bestaunen.
Der Legende nach wollte ein Herrscher aus Mrauk U vor 200 Jahren mehrere der als besonders schön geltenden Chin-Frauen aus den Dörfern verschleppen um sie zu heiraten. Den Chin wiederum passte das garnicht und so tätowierten sie die Gesichter ihrer schönen Frauen, um den Herrscher abzuschrecken und die Frauen hässlich zu machen.
Dieses Tätowieren wurde zu einer grausamen Tradition, die erst seit ca. 2 Generationen nicht mehr durchgeführt wird.
Die Frauen, wettergegerbt und würdevoll, jede von ihnen Ende 60, manche älter, erzählen uns, dass sie im Alter von 7 bis 9 Jahren in einer 2-tägigen Prozedur tätowiert wurden, die Hände festgebunden und am Boden liegend. Selbst über die Augenlider ziehen sich die Spinnwebenmuster. Die damit einhergehenden Schmerzen will ich mir nicht vorstellen und ich bin ganz froh, dass diese Tradition heute nicht mehr angewandt wird.
Und auch der Weg zu den Dörfern war nicht weniger spannend. Zunächst im Tuktuk die holprige Straße bis zum Bootsanleger, und dann mit dem Boot stromaufwärts.
Um auch das eine ganz entlegen Dörfchen zu erreichen, mussten wir eine ziemlich seichte Stelle im Fluss passieren. Mit 5 wohlgenährten Europäern an Bord - keine Chance. Als unser Dorf schon auf der Kippe stand, weil das Boot sich einfach immer wieder im Kies des Flussbettes festgefahren hatte, sind wir einfach alle ins knietiefe Wasser gesprungen und haben angeschoben. So haben wir es mit vereinten Kräften und nicht ohne unseren Guide komplett zu verdutzen, in das Dörfchen geschafft. Heute hab ich den Tag im Bett verbracht. Irgendwie fühle ich mich nicht so auf der Höhe. Ich werde versuchen, morgen einen Bus nach Mandalay zu buchen. Das bedeutet wieder einen ganzen Tag Bus.

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