Seit 2 Tagen bin ich am Inle Lake. Ich hab mich zusammen mit Laia, der Spanierin in einem gerade neu eröffneten und deswegen ziemlich günstigen Hotel niedergelassen. Gestern haben wir die Sightseeing Bootstour über den See gemacht und dabei allerhand Souvenirs geshoppt. Ich hab meine Liebe für Klangschalen entdeckt und mir nach langem und hartem feilschen eine gekauft. Mit dem festen Ziel diese auch zum klingen zu bringen, was etwas schwieriger ist. Zumindest wenn man so ein Grobmotoriker ist wie ich.
Meiner Meinung nach ist der Inle Lake eine einzige große Touristenfalle. Wenn auch eine ganz schöne. Die Einheimischen haben sich mittlerweile darauf spezialisiert, Bootstouren oder Nippes zu verkaufen. Aber sie tun das immer noch mit einem Lächeln und zu halbwegs fairen Preisen.
Teilweise wird man sogar von einem Händler darauf hingewiesen, dass der Schmuck, den er verkauft nicht echt ist. Allerdings nur dann, wenn er im Hinterzimmer mit echtem Silbergeschmeide aufwarten kann.
Aber als Nicht-Goldschmied ist man weiterhin auf den Nasenfaktor angewiesen. Den einzigen 925 Stempel, den ich entdeckt habe, war in einem Armreif, der unechter nicht hätte sein können. Der gute alte Feuerzeugtest ist hier ein schwarzer Stein, an dem man das Schmuckstück seiner Wahl rubbelt. Ist der Abrieb rot, hat man eine Kupferlegierung gekauft. Weiß bedeutet Silber.
In verschiedenen Hütten am Fluß werden diverse Kunsthandwerke demonstriert und die Waren daraufhin zu überteuerten Preisen an Touristen verhökert. Muss man alles mal gemacht haben.
Super schön war der Tempel mit den Katzen. Auch wenn diese nicht mehr wie früher Kunststückchen aufführen und Salti springen sondern faul am Boden rumliegen und sich von Touristen ablichten lassen.
Vor dem Tempel waren Laia und ich die Hauptattraktion für die Einheimischen, die Schlange standen, um ein Foto mit uns zu schießen. Lag vielleicht an unserem roten Lippenstift (und der für 6 Wochen immer noch recht blassen Bräune, die wir uns zugelegt haben). Dabei fühl ich mich knackigst braun mittlerweile. Für meine Verhältnisse...
Den gestrigen Abend haben wir mit reichlich Alkohol und frittiertem Eis ausklingen lassen. Und ich finde es immer noch erstaunlich, wie gut wir uns doch verstehen, und das obwohl wir nur auf spanisch kommunizieren können. Wohlgemerkt... Ich kann eigentlich gar kein Spanisch. Vor nem Jahr hab ich mal nen Volkshochschul-Anfängerkurs besucht. Aber irgendwie... Gings. Und da bin ich mächtig stolz drauf.
Heute wollten wir zum Markt, und zur Massage, und zum Weinberg inkl. Weinverkostung.
Dafür haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind losgedüst. Aber ich hab mich seit dem Frühstück ziemlich schlapp und müde gefühlt und irgendwann... Wir standen gerade mitten auf dem Markt und haben mit einem netten Verkäufer über einen Bieröffner aus Teak verhandelt, kam ein flaues Gefühl mit dazu.
Flaue Gefühle in großen Menschenmengen - nicht gut. Ich habe kurz überlegt ob und wo es hier ein Klo geben könnte, kam aber sehr schnell auf den Trichter dass auch ein Klo auf einem solchen Markt ganz und garkein guter Ort für ein flaues Gefühl ist...
Dann kam mir eine Idee. Ich könnte mir ja einfach eine Plastiktüte geben lassen? Nur so zur Sicherheit. Der nette Händler hat mich zwar erst ein wenig verdutzt angeschaut, dann aber hinter sich gegriffen und mir eine Plastiktüte gereicht.
Eine schwarze Plastiktüte.
Was 20 Sekunden später geschah, muss ich dem geneigten Leser nicht näher schildern. Schwarze Plastiktüten werden nur zu einem einzigen Zweck produziert. Sie verheißen ein dunkles Omen, wie schwarze Katzen, unter Leitern, von links, an einem Freitag dem 13.
Die Marktfrau gegenüber kam mit einem Päckchen Tempos herbeigeeilt, der nette Händler bot mir einen Stuhl an, 2 mitleidige Touristen haben mir eine Wasserflasche vererbt. Und 10 Minuten später lag unter dem Marktstand des netten Händlers ein sorgsam zugeknotetes Tütchen (When in Burma, do as the Burmese do...) und ich hab mich vor lauter schlechtem Gewissen dazu genötigt gefühlt, eine weitere Klangschale von ihm zu erwerben. Völlig uneigennützig natürlich...
Danach hieß es für mich schnurstracks nach Hause. Mein nobler Versuch, mit dem Fahrrad zurückzufahren, endete 2 Kreuzungen weiter, wo ich abstieg, und mich erstmal schweißgebadet auf einen Randstein setzen musste.
Und wie der Zufall es will, kam gerade in dem Moment eines dieser Pickup Taxis vorbeigefahren, der mich samt Fahrrad auf die Ladefläche gepackt und ins Hotel chauffiert hat. Glück muss man haben.
Den restlichen Tag hab ich hier - im Bett verbracht. Laia hat mich mit spanischen Elektrolyten und Cola versorgt und mir geht's schon um einiges besser. Vielleicht ist ne kleine Zwangspause mal ganz gut.
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