Mittwoch, 13. April 2016

Flowing upstream

Doulan. Warum genau bin ich eigentlich hier? Stimmt, hatte mir der Ralf erzählt. Da kann man dieses Naturwunder ankucken. Water Flowing upstream. Doulan gehört zu Taitung und liegt auf direktem Weg mit dem Bus von Fu Gang nach Norden. Und - das mag jetzt vielleicht der bescheuertste Grund sein, warum ich hier bin... Ich konnte mir den Namen merken weil ich mir ne Eselsbrücke zu diesem Disney Film gebaut hab. Mulan-Dulan... Easy... Da gehma hin.
Das aufwärtsfließende Wasser ist am Dorfeingang, und das eigentliche Phänomen sind die Busladungen voller Chinesen, die hier abgesetzt werden. Ich bin den Kilometer dahin zu Fuß gelaufen und muss sagen das war irgendwie verlorene Zeit.
 Auf dem Rückweg bin ich auf der Suche nach Essbarem bei einem Inder im Shop gelandet, der mir einen überteuerten Wrap verkauft hat und mir in einem halbstündigen Monolog erklärt hat, dass Kettensägen von Stihl die besten sind. Gut. Das hab jetzt sogar ich gewusst. Ich erspare dem Mann mein gesammeltes Halbwissen über Hilti Bohrmaschinen und DeWalt Akkuschrauber und seh zu dass ich Land gewinne.
Mein Hostel veranstaltet an diesem Abend ein Konzert mit Livemusik, das so lange gut ist, bis mich eine Taiwanesin auf die Bühne schubst und mich zwingt "Happy Birthday" zu singen (weil das jeder kann...) WTF? Ich kann nicht singen und kein Mensch hat hier Geburtstag! Aber gut.... Wenn es sie glücklich macht...
Tags drauf erkunde ich den Strand und esse einen sehr sehr leckeren Burger, gefolgt von sehr sehr leckerem Vietnamesischem Essen. Und der Herr vom Imbissstand hat sogar eine Ankreuzkarte auf Englisch!! Laminiert und abwaschbar, das nenne ich mal nachhaltig!
Weil das Hostel aber nicht so der Bringer ist (bin mittlerweile zu verwöhnt von den hippen, bezahlbaren Unterkünften) ziehe ich weiter. Mal wieder ohne vorherige Erkundungen im Lonely Planet eingeholt zu haben. Dabei lese ich ihn durchaus. Aber nicht so... eindringlich...
Mein nächster Stop ist Donghe, dort fahre ich hin weil eine Straße ins Hinterland abzweigt und ich hoffe, den Li Song Hot Spring machen zu können. Und weil das Hostel so herrlich hip aussieht.
Die Bushaltestelle an der ich aussteige ist die Donghe Dumpling Factory - klingt ja vielversprechend. Und das Hostel bleibt nicht hinter den Erwartungen zurück. Freiliegendes Backsteingemäuer, Loft-Chic, ein ultra reizendes Mädel an der Rezeption die einfach immer lächelt und total hilfsbereit ist und eine 1,40m Matratze! (Open Surf Hostel Taitung - falls ihr mal in Taiwan sein solltet). Womit wir naja, beim "Nachteil" wären.
In Donghe gibts irgendwie garnichts zu tun. Wer hier herkommt hat nur eins im Kopf - surfen. Der Plan ein Moped zu mieten erweist sich auch als illusorisch. Die Roller sind steinalt, haben einen angebauten Surfbretthalter und mir wird empfohlen, damit maximal bis an den Strand zu fahren. Endgültig zerschmettert werden meine Hot Spring Pläne von einem japanisch-taiwanischem Zimmernachbarn, der mir erzählt, dass allein die Hinfahrt dorthin 4 Stunden gedauert hat, unterwegs der Sprit ausging und man dann eine 1-stündige steile Kletterpartie nach unten in Kauf nehmen und anschließend einen Fluß überqueren muss, um da hin zu kommen... Okay, gut, dann eben beim nächsten Mal.
Dann laufe ich spazieren, rette einen Schmetterling, leihe mir ein klappriges Fahrrad von Sisi, fahre damit über die historische Brücke die Schlucht nach hinten mitten ins grün hinein. Unterwegs mache ich Fotos von Affen und der Natur, die wie immer atemberaubend ist. Als es abends regnet freue ich mich fast.
Die Regenmomente sind die einzigen, in denen man ohne schlechtes Gewissen mal ein Buch lesen (oder Blog schreiben) kann. Das liegt bescheuert, aber auch nach fast 4 Monaten (2 Wochen sind es jetzt noch!!) hat man manchmal diesen Druck, dass man nicht faul rumsitzen darf. Irgendwie hab ich im Hinterkopf die latente Angst dass mich wer zuhause fragen könnte "Was, du warst jetzt 4 Wochen in Taiwan, und dann hast du noch nichtmal xy gesehen?!" Was hast du denn da gemacht?! Und deswegen freut mach sich, ein einem der Regen diesen Druck "produktiv" sein zu müssen abnimmt, und man sich einfach mal nen ganzen nachmittag lang faul aufs Bett flacken kann.
Für Tag 2 (ich habe vor lauter Enthusiasmus 2 Nächte gebucht) fahre ich nach Chenggong um mir die Sanxiantai Insel anzusehen. Nach einem kleinen Umweg komme ich dort auch tatsächlich an, höre dem Meer zu, wie es am Pebble Beach sein ganz eigenes Wellengeräusch macht (wenn die Brandung vom Kieselstrand zurückfließt, ist das Geräusch sehr laut, aber gleichzeitig ziemlich beruhigend) und laufe über die Brücke, mit ihren 8 Bögen, die ich mittlerweile auf so vielen Postkarten gesehen habe.
Als ich am Abend nach Hause komme sitzen alle Surferboys in unserem Zimmer und schauen sich einen schlechten Film mit tollen Surfszenen an (Point Break - wenn man die schlechte Story weglässt, hätte es durchaus das Zeug zu nem Red Bull Movie).
In den 2 Tagen Donghe hatte ich außerdem den höchsten Bautse pro Tag Konsum meines Lebens. Ein weiteres phonetisches Mysterium, diese Bauzis. Keine Ahnung wie man das akkurat schreibt. Wahrscheinlich garnicht. Hefedampfknödel mit Schweinebällchenfüllung müsste das wohl korrekt heißen. Und die Teile sind echt lecker... Am nächsten Morgen - heute, um genau zu sein - heißt es also ein letztes Mal Bauzis kaufen und weiterziehen. Einen weiteren Hot Spring lasse ich aus, weil die Hotelpreise in dem Ort schweinisch sind. Stattdessen mache ich mich auf nach Hualien, dem Eingangstor zum Taroko Nationalpark. Mal wieder regnet es, deswegen sitze ich in einem Café, höre irgendwas, das sich nach Jack Johnson anhört und schreibe das hier. Draußen sitzen allerhand Künstler und solche, die es noch werden wollen, und bieten ihre Waren feil. Vorhin zum Beispiel hat mir einer einen Löffel German Cake angeboten, mir dazu erzählt, dass er dafür alle Zutaten aus Deutschland einfliegen lässt, keinerlei Zucker, Mehl oder Eier verwendet und ich den Kuchen doch mal hochheben soll. Der ist total schwer. - Weil da so viel gute Sachen drin sind! Gut ähm. Die Logik, warum das Gewicht eines Kuchens ein Qualitätsmerkmal sein soll erschließt sich mir noch nicht so ganz... Und gesehen hab ich sowas zuhause auch noch nicht. Wie ers schafft, dass sein Kuchen ganz ohne Zucker so süß ist, frag ich ihn (auf englisch! Weil ich Angst hab, dass ich sonst aus rein patriotischer Solidarität heraus so nen Klotz kaufen muss...) und er meint, heut sei ein bisschen Honig drin, aber sonst nimmt er Früchte... Zitronen (Zitronen?!) Beeren.. und... "Und Bananen??" Frage ich mitleidig. Ja, Bananen auch, sagt er. Alter Schwede, der ist ein Fall für "Die Auswanderer" denke ich im weitergehen.

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