Sonntag, 10. April 2016

Taiwan - was bisher geschah...

Wenn man über die Taiwaner eines sagen kann, dann dass sie ein absolut freundliches und hilfsbereites Völkchen sind. Die einzigen wirklich frustrierenden Erfahrungen die ich bisher machen musste basierten auf Kommunikationsschwierigkeiten.
Für das ultimative Reiseerlebnis empfehlen sich 2-3 Brocken Mandarin. Sonst kann es schon mal passieren, dass man sich auf einen bestellten Salat freut und dann einen Teller mit mariniertem Tintenfisch vorgesetzt bekommt.
Davon abgesehen ist Taiwan das so ziemlich schönste Land der Reise. Der Überraschungsjoker sozusagen. Und vielleicht auch deswegen weil ich keine bestimmte Erwartungshaltung hatte. Wenn man nicht weiß, was einen erwartet, können schon mal keine Träume zerstört werden. Aber das alleine klingt jetzt zu negativ. Man darf durchaus anspruchsvoll sein, wenn man hierher reist.
Vor allem begeistert mich immer wieder die Natur. Und im Gegensatz zu anderen gehypten Destinationen kann es vorkommen, dass man mutterseelenallein vor einem atemberaubenden Naturwunder steht und sein Glück garnicht fassen kann. Gebannt aufs Meer starrt, wie sich die Wellen an den Steinklippen brechen und die Gischt weiß schäumt und brodelt.
Man lässt sich an die Gegenwart fesseln und schaut einfach mal zu.
Aber der Reihe nach... Ich hab ein bisschen getrödelt mit dem Schreiben, deswegen stecke ich chronologisch immer noch in Taipeh fest, obwohl ich längst ein ganz anderes Highlight auserkoren habe.
Taipeh, Yangmingshan. Das war am....Ostermontag. Ein herrlich milder und sonniger Tag. Zusammen mit Delia und Casdeen, meinen beiden Taiwanern mache ich mich auf.
Taipeh ist eine der wenigen Städte, die innerhalb der Stadtgrenzen einen Naturpark haben (man kann mit Ubahn und Bus hinfahren!). Nach ein paar mal Umsteigen und nach dem Weg fragen stehen wir auf dem Berg, sehen Kühen beim grasen zu und laufen den ausgeschriebenen Rundwegen nach. Wir kommen an einem schönen Wasserfall und einer Hängebrücke vorbei. Auf den Wiesen werden unzählige Hochzeitsfotos geschossen. Verlaufen kann man sich eigentlich nicht. Alle Wege sind wunderbar beschildert, sogar zweisprachig. Und als wir denken es war genug Natur für einen Tag, setzen wir uns wieder in den Bus und fahren zurück zum Shilin Night Market und futtern uns durch bis wir keinen Hunger mehr haben. Frittierter Oktopustentakel, Süßkartoffelbällchen, Jakobsmuscheln und Austern mit Maracujacreme. Und einmal mehr plant sich die nächste Reiseetappe wie von selbst.
Casdeen erzählt mir vom Spring Scream Festival, das Anfang April in Kenting, also am südlichsten Zipfel Taiwans, sein soll. Ich checke die Lage hinsichtlich Hostels und entdecke genau eines im Umkreis von 20km, das noch genau 2 bezahlbare Betten im Dorm verfügbar hat. Das deute ich als Wink des Schicksals.
Da das Festival noch ne kleine Weile hin ist, verbringe ich 2 Nächte dazwischen in Tainan, ehemaliger Hauptstadt von Taiwan. Gleich nach meiner 5 stündigen Busfahrt dorthin, werde ich von einem freundlichen Typen angequatscht, der mir zu guten Konditionen einen E-Roller vermietet. Mobil bin ich also auch.
Tag 1 widme ich einer Tempeltour. Konfuzius und Co. werden gnadenlos abgegrast und ich stelle fest, dass auch die Tempel in Taiwan erfrischend anders sind als im Rest von Asien. Die Figuren darin sind meist düster, mit Grimassen, aus dunklem Holz, es riecht herrlich nach Räucherstäbchen und man kann allerhand skurriler Riten beobachten.
So hat jeder Tempel einen kleinen Ofen, in dem Menschen munter gelbes Papier verbrennen. Als ich frage, was es damit auf sich hat, wird mir gesagt, das sei Papiergeld für die Ahnen. Wenn man es verbrennt, kommt es mit dem Rauch ins Jenseits und kann dort verprasst werden. Interessantes Konzept. Einmal liegt so ein "Geldschein" auf dem Boden rum. Ein Pferd und ein Männchen ist drauf. Damit kann man sich dann ein Pferd kaufen im Jenseits, und einen, der es füttert. Aha... Und im August machen alle Ahnen Urlaub auf der Erde, dann wird zusätzlich Essen gespendet... Das ist doch mal was anderes, als alle 2 Meter über nen Buddha zu stolpern.
Tag 2 widme ich einem anderen Stadtteil, dessen Hauptattraktion ein Haus ist, das komplett von Banyanbäumen überwuchert ist. Das sind die gleichen, die auch in Angkor in den Tempeln wachsen. Und sieht ziemlich cool aus, wenn sich diese Wurzeln durch das Mauerwerk kämpfen.
An Tag 3 treffe ich Casdeen am Bahnhof und wir fahren mit dem Zug nach... Ähm... Gaushong oder so. Vergess ich immer. Aber is auch Wurschd, weil wir da nur nen Roller ausleihen um schnell nach Kenting runterzufahren. Dauert ne Stunde sagt Casdeen. Und weil er Local ist, glaube ich ihm das natürlich. Dreieinhalb(!!!) Stunden später erreichen wir Kenting. Ich mit meinem 12 Kilo Rucksack und einem zu großen Helm als Sozius. Mit Zahlen hats der Gute wohl nicht so. Aber gut. Wir sind da. Und das Hostel hätt ich ohne ihn wahrscheinlich auch nicht gefunden.
Die nächsten 3 Tage verbringen wir abends jeweils am Festival und tagsüber in der Umgebung. Das Springscream ist ganz witzig. Angepriesen als Festival mit über 200 Bands hat es 5 Stages, jede davon so klein, dass man bei jedem Auftritt in der ersten Reihe - oder gleich auf der Bühne - stehen kann wenn man das will. Dazwischen gibt es Chill Areas und Stände die Essen und Hippiekram verkaufen. Ihr wisst schon... Selbergehäkeltes und so. Der schönste Tag war der, den wir in der Forest Recreation Area verbracht haben. Zwar kostet dieser Wald Eintritt, aber man wird mit schönen Wanderwegen, tollen Bäumen (ja, wirklich!) und anderen Naturphänomenen belohnt. Und die Taiwaner sind sehr kreativ, was die Namensgebung ihrer Naturschönheiten angeht. So waren wir am "Fairy Cave" also der Feenhöhle, danach am "Silver Dragon Cave" danach am "Cliff of Apes" und an der " One line Sky". Es ist wie bei einem raffiniert verschnürten Geschenk. Nicht nur schön ansich, sondern auch sehr geil verpackt. Und wie von selbst plant sich auch mal wieder die nächste Etappe der Reise. Ich soll mir Green Island anschauen, rät mir Casdeen, da isses echt schön. Also guuuut.

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