Seit 2 Tagen bin ich am Inle Lake. Ich hab mich zusammen mit Laia, der Spanierin in einem gerade neu eröffneten und deswegen ziemlich günstigen Hotel niedergelassen. Gestern haben wir die Sightseeing Bootstour über den See gemacht und dabei allerhand Souvenirs geshoppt. Ich hab meine Liebe für Klangschalen entdeckt und mir nach langem und hartem feilschen eine gekauft. Mit dem festen Ziel diese auch zum klingen zu bringen, was etwas schwieriger ist. Zumindest wenn man so ein Grobmotoriker ist wie ich.
Meiner Meinung nach ist der Inle Lake eine einzige große Touristenfalle. Wenn auch eine ganz schöne. Die Einheimischen haben sich mittlerweile darauf spezialisiert, Bootstouren oder Nippes zu verkaufen. Aber sie tun das immer noch mit einem Lächeln und zu halbwegs fairen Preisen.
Teilweise wird man sogar von einem Händler darauf hingewiesen, dass der Schmuck, den er verkauft nicht echt ist. Allerdings nur dann, wenn er im Hinterzimmer mit echtem Silbergeschmeide aufwarten kann.
Aber als Nicht-Goldschmied ist man weiterhin auf den Nasenfaktor angewiesen. Den einzigen 925 Stempel, den ich entdeckt habe, war in einem Armreif, der unechter nicht hätte sein können. Der gute alte Feuerzeugtest ist hier ein schwarzer Stein, an dem man das Schmuckstück seiner Wahl rubbelt. Ist der Abrieb rot, hat man eine Kupferlegierung gekauft. Weiß bedeutet Silber.
In verschiedenen Hütten am Fluß werden diverse Kunsthandwerke demonstriert und die Waren daraufhin zu überteuerten Preisen an Touristen verhökert. Muss man alles mal gemacht haben.
Super schön war der Tempel mit den Katzen. Auch wenn diese nicht mehr wie früher Kunststückchen aufführen und Salti springen sondern faul am Boden rumliegen und sich von Touristen ablichten lassen.
Vor dem Tempel waren Laia und ich die Hauptattraktion für die Einheimischen, die Schlange standen, um ein Foto mit uns zu schießen. Lag vielleicht an unserem roten Lippenstift (und der für 6 Wochen immer noch recht blassen Bräune, die wir uns zugelegt haben). Dabei fühl ich mich knackigst braun mittlerweile. Für meine Verhältnisse...
Den gestrigen Abend haben wir mit reichlich Alkohol und frittiertem Eis ausklingen lassen. Und ich finde es immer noch erstaunlich, wie gut wir uns doch verstehen, und das obwohl wir nur auf spanisch kommunizieren können. Wohlgemerkt... Ich kann eigentlich gar kein Spanisch. Vor nem Jahr hab ich mal nen Volkshochschul-Anfängerkurs besucht. Aber irgendwie... Gings. Und da bin ich mächtig stolz drauf.
Heute wollten wir zum Markt, und zur Massage, und zum Weinberg inkl. Weinverkostung.
Dafür haben wir uns Fahrräder ausgeliehen und sind losgedüst. Aber ich hab mich seit dem Frühstück ziemlich schlapp und müde gefühlt und irgendwann... Wir standen gerade mitten auf dem Markt und haben mit einem netten Verkäufer über einen Bieröffner aus Teak verhandelt, kam ein flaues Gefühl mit dazu.
Flaue Gefühle in großen Menschenmengen - nicht gut. Ich habe kurz überlegt ob und wo es hier ein Klo geben könnte, kam aber sehr schnell auf den Trichter dass auch ein Klo auf einem solchen Markt ganz und garkein guter Ort für ein flaues Gefühl ist...
Dann kam mir eine Idee. Ich könnte mir ja einfach eine Plastiktüte geben lassen? Nur so zur Sicherheit. Der nette Händler hat mich zwar erst ein wenig verdutzt angeschaut, dann aber hinter sich gegriffen und mir eine Plastiktüte gereicht.
Eine schwarze Plastiktüte.
Was 20 Sekunden später geschah, muss ich dem geneigten Leser nicht näher schildern. Schwarze Plastiktüten werden nur zu einem einzigen Zweck produziert. Sie verheißen ein dunkles Omen, wie schwarze Katzen, unter Leitern, von links, an einem Freitag dem 13.
Die Marktfrau gegenüber kam mit einem Päckchen Tempos herbeigeeilt, der nette Händler bot mir einen Stuhl an, 2 mitleidige Touristen haben mir eine Wasserflasche vererbt. Und 10 Minuten später lag unter dem Marktstand des netten Händlers ein sorgsam zugeknotetes Tütchen (When in Burma, do as the Burmese do...) und ich hab mich vor lauter schlechtem Gewissen dazu genötigt gefühlt, eine weitere Klangschale von ihm zu erwerben. Völlig uneigennützig natürlich...
Danach hieß es für mich schnurstracks nach Hause. Mein nobler Versuch, mit dem Fahrrad zurückzufahren, endete 2 Kreuzungen weiter, wo ich abstieg, und mich erstmal schweißgebadet auf einen Randstein setzen musste.
Und wie der Zufall es will, kam gerade in dem Moment eines dieser Pickup Taxis vorbeigefahren, der mich samt Fahrrad auf die Ladefläche gepackt und ins Hotel chauffiert hat. Glück muss man haben.
Den restlichen Tag hab ich hier - im Bett verbracht. Laia hat mich mit spanischen Elektrolyten und Cola versorgt und mir geht's schon um einiges besser. Vielleicht ist ne kleine Zwangspause mal ganz gut.
Dienstag, 23. Februar 2016
Kalaw - Trekking zum Inle Lake
Morgens um 4 erreicht der Bus ohne weitere Zwischenfälle Kalaw. Es ist schweinekalt. Ich steige aus und eine Spanierin hat anscheinend das gleiche Hotel gebucht wie ich. Wir checken zusammen ein, und obwohl ich einen halben Tag extra berappen muss (early check in) bin ich froh über mein Zimmer mit Dusche.
Beim Frühstück treffe ich sie wieder und komme außerdem mit einem netten älteren Pärchen ins Gespräch, das mir Pindaya empfiehlt, einen Ort, nur 35km entfernt, mit einer Tropfsteinhöhle, die insgesamt 9.000 Buddhastatuen in allen Größen und Materialien beherbergt. Da muss ich hin.
Ich treffe meine Spanierin wieder, die kein Englisch spricht, wie sich herausstellt, aber irgendwie sind wir uns sympathisch und machen uns auf den Weg zum Reisebüro, wo wir einen weiteren 3 Tages Trek buchen und außerdem eine nette Amerikanerin mit ihrem Sohn fragen, ob sie mit zur Höhle wollen. Die beiden kommen spontan mit, und so sitzen wir ne halbe Stunde später im eigens dafür gecharterten Taxi.
Und Pindaya ist wirklich beeindruckend. Von Privatmenschen oder Organisationen gestiftet, nimmt die Anzahl der Buddhas in der Höhle beständig zu. In jeder Ecke, an jedem Vorsprung, einfach überall stehen kleine, mittlere und große Buddhas.
Ebenso zeigt uns unser Taxifahrer eine kleine Schirmmanufaktur, in der aus der Rinde des Maulbeerbaumes Papier hergestellt, und zu kleinen Schirmen und Lampions verarbeitet wird.
Als wir am Abend unser Reisebüro anrufen ist unsere Trekkinggruppe bereits auf 7 Personen angewachsen, 2 Britinnen und 3 Kanadier kommen mit, sagt man uns.
Je mehr desto besser, denke ich.
Am nächsten Morgen stehen wir bereit. Wir haben uns davor noch kurz auf dem Wochenmarkt umgesehen und ein frittiertes Teilchen verdrückt, als wir unsere Gruppe kennenlernen. Ich komme sofort mit Jean ins Gespräch, der Englisch mit einem wunderbaren Hauch eines französischen Akzentes spricht, Buchverleger ist, und Julien, seinen Lebensgefährten aus Montreal mitgebracht hat. Dann wären da noch Marcus aus Hamilton (dass er den meistens nichtsahnenden Mitreisenden als Toronto verkauft mit dem Hinweis, man solle es bitte NICHT googeln), Becks und Lizzy aus England (Lizzy studiert arabisch und hat gerade 2 Jahre in Korea gelebt) und schließlich Laia und ich.
Die Chemie stimmt. Und obwohl auch hier Staub eine dominierende Komponente des Weges ist, finde ich diesen Trek super. Weil wir einen eigenen Koch haben ist das Essen lecker und abwechslungsreich. Unterwegs kommen wir an zahlreichen Bauern vorbei die mit vorzeitlichen Methoden und Gerätschaften Chili, Ingwer und Mais ernten, oder Knoblauch anbauen. Am Abend erreichen wir unseren ersten Homestay mit einem sehr kuscheligen Matratzenlager. Wir sehen eine Katze die ziemlich dick ist und beschließen, dass sie schwanger sein muss. Am nächsten Morgen erweist sich diese Vermutung als wahr, da 3 nasse, blinde, halbnackige Kätzchen neben unserer Katze liegen und diese zufrieden brummelt. Das schwarz-weiße Kätzchen, das etwas abseits liegt, taufen wir Lizzy, weil Lizzy es zurück an die Zitze der Mama legt. Und dann werden wir Zeuge einer weiteren Geburt und ein viertes Kätzchen erblickt das Licht der Welt. Süß. Ein bisschen eklig, aber im allgemeinen süß.
Auch die nächsten beiden Tage werden dominiert von guten Gesprächen, gutem Essen (Avocadosalat!!) und guter Stimmung. Dann werden wir noch in ein Boot gesetzt und erreichen am 3. Tag Nyaung Shwe am Inle Lake, touristisch, aber mit einer Essensvielfalt, die seinesgleichen sucht.
Beim Frühstück treffe ich sie wieder und komme außerdem mit einem netten älteren Pärchen ins Gespräch, das mir Pindaya empfiehlt, einen Ort, nur 35km entfernt, mit einer Tropfsteinhöhle, die insgesamt 9.000 Buddhastatuen in allen Größen und Materialien beherbergt. Da muss ich hin.
Ich treffe meine Spanierin wieder, die kein Englisch spricht, wie sich herausstellt, aber irgendwie sind wir uns sympathisch und machen uns auf den Weg zum Reisebüro, wo wir einen weiteren 3 Tages Trek buchen und außerdem eine nette Amerikanerin mit ihrem Sohn fragen, ob sie mit zur Höhle wollen. Die beiden kommen spontan mit, und so sitzen wir ne halbe Stunde später im eigens dafür gecharterten Taxi.
Und Pindaya ist wirklich beeindruckend. Von Privatmenschen oder Organisationen gestiftet, nimmt die Anzahl der Buddhas in der Höhle beständig zu. In jeder Ecke, an jedem Vorsprung, einfach überall stehen kleine, mittlere und große Buddhas.
Ebenso zeigt uns unser Taxifahrer eine kleine Schirmmanufaktur, in der aus der Rinde des Maulbeerbaumes Papier hergestellt, und zu kleinen Schirmen und Lampions verarbeitet wird.
Als wir am Abend unser Reisebüro anrufen ist unsere Trekkinggruppe bereits auf 7 Personen angewachsen, 2 Britinnen und 3 Kanadier kommen mit, sagt man uns.
Je mehr desto besser, denke ich.
Am nächsten Morgen stehen wir bereit. Wir haben uns davor noch kurz auf dem Wochenmarkt umgesehen und ein frittiertes Teilchen verdrückt, als wir unsere Gruppe kennenlernen. Ich komme sofort mit Jean ins Gespräch, der Englisch mit einem wunderbaren Hauch eines französischen Akzentes spricht, Buchverleger ist, und Julien, seinen Lebensgefährten aus Montreal mitgebracht hat. Dann wären da noch Marcus aus Hamilton (dass er den meistens nichtsahnenden Mitreisenden als Toronto verkauft mit dem Hinweis, man solle es bitte NICHT googeln), Becks und Lizzy aus England (Lizzy studiert arabisch und hat gerade 2 Jahre in Korea gelebt) und schließlich Laia und ich.
Die Chemie stimmt. Und obwohl auch hier Staub eine dominierende Komponente des Weges ist, finde ich diesen Trek super. Weil wir einen eigenen Koch haben ist das Essen lecker und abwechslungsreich. Unterwegs kommen wir an zahlreichen Bauern vorbei die mit vorzeitlichen Methoden und Gerätschaften Chili, Ingwer und Mais ernten, oder Knoblauch anbauen. Am Abend erreichen wir unseren ersten Homestay mit einem sehr kuscheligen Matratzenlager. Wir sehen eine Katze die ziemlich dick ist und beschließen, dass sie schwanger sein muss. Am nächsten Morgen erweist sich diese Vermutung als wahr, da 3 nasse, blinde, halbnackige Kätzchen neben unserer Katze liegen und diese zufrieden brummelt. Das schwarz-weiße Kätzchen, das etwas abseits liegt, taufen wir Lizzy, weil Lizzy es zurück an die Zitze der Mama legt. Und dann werden wir Zeuge einer weiteren Geburt und ein viertes Kätzchen erblickt das Licht der Welt. Süß. Ein bisschen eklig, aber im allgemeinen süß.
Auch die nächsten beiden Tage werden dominiert von guten Gesprächen, gutem Essen (Avocadosalat!!) und guter Stimmung. Dann werden wir noch in ein Boot gesetzt und erreichen am 3. Tag Nyaung Shwe am Inle Lake, touristisch, aber mit einer Essensvielfalt, die seinesgleichen sucht.
Kotzen continues
Ich fahr mal wieder Bus. Vos Hsipaw nach Kalaw, 15 Stunden. Der Bus hat schöne Vorhänge, jede Menge Mitreisender Touristen, unschuldige blaue Fleecedecken und eine funktionierende Klimaanlage.
Im Bordkino läuft - etwas zu leise, mit burmesischen Untertiteln und einem großen schwarzen Kreis im Bildschirm ein Screener von James Bond Spectre.
Und ich weiß nicht welche göttliche Eingebung es ist, dass ich mir am ersten Halt mal wieder einen Menthol Schnüffelstift kaufe. Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht weil er so schön rosa ist, vielleicht weil ich meinen letzten ohne ihn je wirklich zu benutzen dieser doofen Holländerin ausgeliehen hab, die ihn mir nie zurückgegeben hat, vielleicht weil ich mir meinen Kindheitstraum vom eigenen Stift, den ich mir beliebig oft in die Nase stecken kann erfüllen will. Aber mal wieder erweist sich mein Instinkt als brillant.
Weil ich vor meinem Abflug aus Deutschland Star Wars den Vortritt vor James Bond gegeben habe, starre ich wie gebannt auf den Bildschirm und merke anfangs nicht, dass wir in der Tat sehr viele Serpentinen fahren. Sehr magenfreundlich sind die Straßenverhältnisse wirklich nicht, das muss man sagen.
Als das erste etwas lautere und persistentere Husten anfängt bin ich alarmiert. Und dann geht es relativ schnell. Der Mann schräg hinter mir nestelt verzweifelt an seiner zugeknoteten lunchtüte. Sie ist schwarz - was auch sonst?! Er bekommt sie auf, rechtzeitig, aber nicht mehr ganz rechtzeitig. Er kotzt sich über die Hand, auf den Fußboden und ja - auch in die Tüte.
Jetzt bin ich verzweifelt. Ich packe meine Platiktüte mit den Keksen die ich mir eben gekauft habe. Selbstverständlich ist diese, als hätte sie ihren späteren Verwendungszweck geahnt schwarz. Ich kippe die Tüte über meinem Nachbarn aus, reiche sie nach schräg hinten. Der Mann bedient sich meiner Tüte. Es riecht säuerlich. Dieser Geruch eben, bei dem man unweigerlich selbst eine schwarze Tüte zur Hand haben möchte... Oder eben... Einen Schnüffelstift!
Ich kann nicht beurteilen, ob diese Stifte wirklich gegen Motion Sickness helfen, aber ich kann sagen, dass ätherisches Mentholöl in der Tat stark genug riecht, um so einiges zu übertünchen, und so halte ich mir meinen neuen rosa Stift ganz eifrig unter die Nase. Mal sehen was das noch wird....
Und ich weiß nicht welche göttliche Eingebung es ist, dass ich mir am ersten Halt mal wieder einen Menthol Schnüffelstift kaufe. Ich weiß es wirklich nicht. Vielleicht weil er so schön rosa ist, vielleicht weil ich meinen letzten ohne ihn je wirklich zu benutzen dieser doofen Holländerin ausgeliehen hab, die ihn mir nie zurückgegeben hat, vielleicht weil ich mir meinen Kindheitstraum vom eigenen Stift, den ich mir beliebig oft in die Nase stecken kann erfüllen will. Aber mal wieder erweist sich mein Instinkt als brillant.
Weil ich vor meinem Abflug aus Deutschland Star Wars den Vortritt vor James Bond gegeben habe, starre ich wie gebannt auf den Bildschirm und merke anfangs nicht, dass wir in der Tat sehr viele Serpentinen fahren. Sehr magenfreundlich sind die Straßenverhältnisse wirklich nicht, das muss man sagen.
Als das erste etwas lautere und persistentere Husten anfängt bin ich alarmiert. Und dann geht es relativ schnell. Der Mann schräg hinter mir nestelt verzweifelt an seiner zugeknoteten lunchtüte. Sie ist schwarz - was auch sonst?! Er bekommt sie auf, rechtzeitig, aber nicht mehr ganz rechtzeitig. Er kotzt sich über die Hand, auf den Fußboden und ja - auch in die Tüte.
Jetzt bin ich verzweifelt. Ich packe meine Platiktüte mit den Keksen die ich mir eben gekauft habe. Selbstverständlich ist diese, als hätte sie ihren späteren Verwendungszweck geahnt schwarz. Ich kippe die Tüte über meinem Nachbarn aus, reiche sie nach schräg hinten. Der Mann bedient sich meiner Tüte. Es riecht säuerlich. Dieser Geruch eben, bei dem man unweigerlich selbst eine schwarze Tüte zur Hand haben möchte... Oder eben... Einen Schnüffelstift!
Ich kann nicht beurteilen, ob diese Stifte wirklich gegen Motion Sickness helfen, aber ich kann sagen, dass ätherisches Mentholöl in der Tat stark genug riecht, um so einiges zu übertünchen, und so halte ich mir meinen neuen rosa Stift ganz eifrig unter die Nase. Mal sehen was das noch wird....
Hsipaw - Trekking wie es keinen Spaß macht
Einmal mehr stelle ich fest: es kommt nicht darauf an, was man tut, sondern mit wem man es tut. Und dabei fing alles ganz gut an. Die Ankunft in Hsipaw - stressfrei, das Mr. Charles Hotel - fast schon zu gut organisiert. Dann das nette amerikanische Pärchen vom Zug in der Stadt wiedergetroffen, was mit denen gegessen. Die Wäsche zu nem vernünftigen Preis zum Waschen gegeben, und am Infoschalter des Hotels gleich für den nächsten Tag eine 3 Tages Trekking Tour zu den Minderheitendörfern gebucht. Zusammen mit 2 anderen, einem Pärchen das angeblich keins ist, das aber ebenfalls nett aussieht. Jorgen, der Norweger und Uschi, aus Holland. (Uschi heißt nicht wirklich Uschi, aber um ehrlich zu sein hab ich ihren Namen genauso vergessen wie sie meinen.) Weil wir nur zu dritt sind, ist die Tour teurer, aber so haben wir eine schön kleine Gruppe.
Der erste Tag ist ganz nett. Unser junger Guide gibt sein Bestes, erzählt uns, wie er sein Leben umgekrempelt hat, dass er noch vor 2 Jahren nur gesoffen und sein Geld verprasst hat, aber dann einen Lehrer gefunden hat, der ihn in einen Englischkurs gesteckt und ihm eine Stelle als Guide verschafft hat. Landschaftlich ist der Trek nicht sonderlich atemberaubend. Am ersten Tag geht es viel bergauf, die Umgebung wird dominiert von Staub. Was alles nicht so schlimm wäre, wenn sich meine 2 Mitreisenden nicht als Reise-gelegenheitspärchen entpuppen würde, das bis auf ein bisschen Smalltalk mit mir völlig auf sich fixiert ist und mich komplett links liegen lässt. So kommt es, dass ich 3 Tage lang und umgeben von Staub und Steppe absolut niemanden zum Reden habe. Bravo.
Uschi ist zudem krank und hat Husten, was unsere freundliche Gastfamilie dazu bringt, sämtliche Medizin und Hausmittelchen aus den Schränken zu kramen. So kommt es, dass mitten in der ersten Nacht die Mutti mit Taschenlampe an unserem Matratzenlager steht und Uschi liebevoll mit Diesel (ja, Diesel!!!) einreibt. Ein bisschen was auf die Zunge, ein bisschen was auf Hals und Bronchien. Das burmesische Wick VapoRub.
Tag 2 und 3 empfinde ich als noch ätzender. Und vielleicht tue ich der Landschaft um Hsipaw damit unrecht, vielleicht tue ich auch Jorgen und Uschi unrecht, die für sich genommen sicher 2 ganz liebenswürdige Personen sind. Aber die Gruppendynamik ist absolut unterirdisch. Und so mache ich so gut es geht mein eigenes Ding und bin mittelmäßig frustriert. Als wir am Ende unserer 3 Tage die erste (und einzig leckere) Shan Nudelsuppe essen, bin ich froh, dass der Spuk ein Ende hat.. Auch dass wir die heißen Quellen auslassen, stört mich dann nicht mehr. Ich will eigentlich nur noch weiter.
Der erste Tag ist ganz nett. Unser junger Guide gibt sein Bestes, erzählt uns, wie er sein Leben umgekrempelt hat, dass er noch vor 2 Jahren nur gesoffen und sein Geld verprasst hat, aber dann einen Lehrer gefunden hat, der ihn in einen Englischkurs gesteckt und ihm eine Stelle als Guide verschafft hat. Landschaftlich ist der Trek nicht sonderlich atemberaubend. Am ersten Tag geht es viel bergauf, die Umgebung wird dominiert von Staub. Was alles nicht so schlimm wäre, wenn sich meine 2 Mitreisenden nicht als Reise-gelegenheitspärchen entpuppen würde, das bis auf ein bisschen Smalltalk mit mir völlig auf sich fixiert ist und mich komplett links liegen lässt. So kommt es, dass ich 3 Tage lang und umgeben von Staub und Steppe absolut niemanden zum Reden habe. Bravo.
Uschi ist zudem krank und hat Husten, was unsere freundliche Gastfamilie dazu bringt, sämtliche Medizin und Hausmittelchen aus den Schränken zu kramen. So kommt es, dass mitten in der ersten Nacht die Mutti mit Taschenlampe an unserem Matratzenlager steht und Uschi liebevoll mit Diesel (ja, Diesel!!!) einreibt. Ein bisschen was auf die Zunge, ein bisschen was auf Hals und Bronchien. Das burmesische Wick VapoRub.
Tag 2 und 3 empfinde ich als noch ätzender. Und vielleicht tue ich der Landschaft um Hsipaw damit unrecht, vielleicht tue ich auch Jorgen und Uschi unrecht, die für sich genommen sicher 2 ganz liebenswürdige Personen sind. Aber die Gruppendynamik ist absolut unterirdisch. Und so mache ich so gut es geht mein eigenes Ding und bin mittelmäßig frustriert. Als wir am Ende unserer 3 Tage die erste (und einzig leckere) Shan Nudelsuppe essen, bin ich froh, dass der Spuk ein Ende hat.. Auch dass wir die heißen Quellen auslassen, stört mich dann nicht mehr. Ich will eigentlich nur noch weiter.
Dienstag, 16. Februar 2016
Mandalay in der Nußschale
Eine Nacht habe ich in Mandalay gebucht. Mehr braucht man nicht, sagen alle. Mein nächster Halt soll Hsipaw sein, eine Stadt in den Bergen, als Trekkingparadies bekannt. Die Zugfahrt dahin wird als besonders idyllisch beschrieben, mit einer Brücke über eine große Schlucht. Deswegen muss ich natürlich unbedingt mit dem Zug hin.
Was ich nicht weiß: Es gibt nur einen Zug am Tag. Um 4 Uhr morgens. Das finde ich am Bahnhof heraus. Ein Ticket kaufe ich mir trotzdem. Viele Alternativen gibt es ja nicht.
Weil ich mich vorher im Supermakt mit Fresskram und einem neuen Duschgel sowie einer neuen Powerbank für mein Handy (Stichtwort Stromausfall) eingedeckt hab, bin ich ziemlich schwer beladen, und als mich ein Mopedtaxi anspricht und mir für den Weg ins Hotel einen ziemlich fairen Preis macht, bitte ich den Mann kurzerhand, mir eine Tour durch die Stadt zu geben.
Er strahlt. Damit hat er nicht gerechnet. Er nennt mir einen Preis von umgerechnet 10€ und ganz rudimentär englisch kann er auch. Dieser Taxifahrer, rettet meinen Tag. Er ist aus Mandalay, sagt er, und da auch ziemlich stolz darauf. Wo ich als nächstes hinwill, fragt er. Ah - Shan Staat. Was mich immer wieder wundert: Hier redet niemand wirklich davon, dass er aus Myanmar, oder Birma (oder Burma) kommt. Alle denken in Staaten. Shan Staat, Chin Staat, Rakhine Staat... Und es ist wichtig zu wissen, in welchem Staat die Stadt ist, in die man als nächstes hinwill. In vielen Teilen des Landes kämpfen die Milizen der bestimmten Staaten um die Vorherrschaft. So ganz Friede Freude Eierkuchen ist es hier dann doch nicht.
Als erstes gehen wir auf Mandalay Hill. Eine weitreichende Aussicht hat man hier. Aber man sieht nicht sonderlich viel. Mandalay ist architektonisch weder besonders spannend, noch liegt es landschaftlich besonders reizvoll. Er versucht, mir einige Dinge über den Tempel zu erklären, und zeigt mir 2 Schlangen die Glück bringen sollen. Und wieder sehe ich einen Brunnen mit 7 Seiten, von denen jede einem Wochentag und einem Tier zugeordnet ist. Mein eigenes burmesisches Horoskop lässt mich ja nicht mehr los, seitdem wir in Yangon unseren überteuerten Guide NICHT genommen haben. Mittlerweile habe ich zumindest herausgefunden, dass ich an einem Donnerstag geboren und deswegen eine Maus (ja ich weiß, sehr viel wahrscheinlicher eine Ratte...) bin. Aber was heißt das? Bin ich besonders intelligent? Besonders sozial? Der Taxifahrer ist mit meinen Fragen überfordert.
Besonders wichtig ist ihm allerdings, dass ich mir "world's biggest book" ansehe. Wenns ihn glücklich macht... Ich kann mir nichts darunter vorstellen. Es sind 2 Stupas, wie sich herausstellt, um die herum geometrisch angeordnet, kleine weiße Gebäude stehen von denen jedes eine Steintafel mit buddhistischen Schriften enthält. Insgesamt sind es über 100 Stück. Da ich die Schriften nicht lesen kann, ist es für mich eher ein schönes Fotomotiv. So geht es mir bei vielem. Die Relevanz von bestimmten religiösen Stätten kann ich oft nur aus der Optik, der Größe, oder der Anzahl der Besucher ableiten.
Must See für mich ist die Teak Brücke. Von der habe ich gehört. 200 Jahre ist die schon alt, und tatsächlich auch ein bisschen wackelig und gnarzig. Geländer gibt's nicht, dafür umso mehr Menschen, die über sie schlendern. Hier verbringe ich meinen Sonnenuntergang und komme mit einem Mönch ins Gespräch, der mir erzählt, wie froh er über die neue Regierung ist und dass er unter der damaligen Militärregierung einige Jahre im Knast gesessen hat, weil er kritisch über sie geschrieben hat. Er sagt, ich soll ihn mal in seinem Kloster besuchen kommen, was ich tatsächlich gerne tun würde, aber mir fehlt die Zeit.
Mit meinem Taxifahrer, der mich freundlich winkend am Anfang des Steges begrüßt, geht es weiter zum Mahamuni Buddha, der in den letzten 100 Jahren deutlich an Masse zugenommen hat, weil jeden Tag Menschen mehr Leibesfülle in Form von Blattgold spenden, die dann an ihn drangepappt wird. 15cm pures Gold soll die Schicht um ihn herum schon zugelegt haben, und jeden Morgen wird er gewaschen. Ich darf ihn allerdings nur aus der 2. Reihe ankucken, weil ich eine Frau bin. Bisschen sexistisch, diese Buddhisten.
Wir treffen hier einen weiteren Mönch der sich viel Zeit für uns beide nimmt, und uns mehr über den Tempel und seine Artefakte erklärt. Ich verstehe es aber leider nur bruchstückhaft, weil über Megaphon lautstark Schriften rezitiert werden und ich mal wieder Probleme mit dem Englisch habe. Aber ich bekomme mit, dass das Dach 7-stufig ist, was die 7 Stadien des Buddhismus repräsentiert(?), dass im Nebengebäude Bronzestatuen aus Angkor zu bewundern sind und dass das Interieur des Tempels großteils gespendet ist (die Jadetäfelchen zum Beispiel, die die Säulen ziehren). Danach bin ich hungrig und lade meinen Taxifahrer auf ein Bier ein, auch wenn eine Flasche mit fast 0,7l Bier vielleicht nicht unbedingt das ist, auf das man einen Mopedfahrer ohne Helm, den man im Dunkeln daran erinnern muss sein Licht einzuschalten, einladen sollte. Aber er versichert mir, dass Safety bei ihm großgeschrieben wird, und ich versichere mich auf Google Maps, dass ich die 500m zum Hotel notfalls auch zu Fuß zurücklegen könnte. Als wir uns verabschieden ist er herzlich, wünscht mir eine gute Weiterreise und dass ich noch viel Spaß in seinem Land haben möge. Ein schöner komprimierter Tag, der mich Mandalay mit einem guten Gefühl verlassen lässt.
Er strahlt. Damit hat er nicht gerechnet. Er nennt mir einen Preis von umgerechnet 10€ und ganz rudimentär englisch kann er auch. Dieser Taxifahrer, rettet meinen Tag. Er ist aus Mandalay, sagt er, und da auch ziemlich stolz darauf. Wo ich als nächstes hinwill, fragt er. Ah - Shan Staat. Was mich immer wieder wundert: Hier redet niemand wirklich davon, dass er aus Myanmar, oder Birma (oder Burma) kommt. Alle denken in Staaten. Shan Staat, Chin Staat, Rakhine Staat... Und es ist wichtig zu wissen, in welchem Staat die Stadt ist, in die man als nächstes hinwill. In vielen Teilen des Landes kämpfen die Milizen der bestimmten Staaten um die Vorherrschaft. So ganz Friede Freude Eierkuchen ist es hier dann doch nicht.
Als erstes gehen wir auf Mandalay Hill. Eine weitreichende Aussicht hat man hier. Aber man sieht nicht sonderlich viel. Mandalay ist architektonisch weder besonders spannend, noch liegt es landschaftlich besonders reizvoll. Er versucht, mir einige Dinge über den Tempel zu erklären, und zeigt mir 2 Schlangen die Glück bringen sollen. Und wieder sehe ich einen Brunnen mit 7 Seiten, von denen jede einem Wochentag und einem Tier zugeordnet ist. Mein eigenes burmesisches Horoskop lässt mich ja nicht mehr los, seitdem wir in Yangon unseren überteuerten Guide NICHT genommen haben. Mittlerweile habe ich zumindest herausgefunden, dass ich an einem Donnerstag geboren und deswegen eine Maus (ja ich weiß, sehr viel wahrscheinlicher eine Ratte...) bin. Aber was heißt das? Bin ich besonders intelligent? Besonders sozial? Der Taxifahrer ist mit meinen Fragen überfordert.
Besonders wichtig ist ihm allerdings, dass ich mir "world's biggest book" ansehe. Wenns ihn glücklich macht... Ich kann mir nichts darunter vorstellen. Es sind 2 Stupas, wie sich herausstellt, um die herum geometrisch angeordnet, kleine weiße Gebäude stehen von denen jedes eine Steintafel mit buddhistischen Schriften enthält. Insgesamt sind es über 100 Stück. Da ich die Schriften nicht lesen kann, ist es für mich eher ein schönes Fotomotiv. So geht es mir bei vielem. Die Relevanz von bestimmten religiösen Stätten kann ich oft nur aus der Optik, der Größe, oder der Anzahl der Besucher ableiten.
Must See für mich ist die Teak Brücke. Von der habe ich gehört. 200 Jahre ist die schon alt, und tatsächlich auch ein bisschen wackelig und gnarzig. Geländer gibt's nicht, dafür umso mehr Menschen, die über sie schlendern. Hier verbringe ich meinen Sonnenuntergang und komme mit einem Mönch ins Gespräch, der mir erzählt, wie froh er über die neue Regierung ist und dass er unter der damaligen Militärregierung einige Jahre im Knast gesessen hat, weil er kritisch über sie geschrieben hat. Er sagt, ich soll ihn mal in seinem Kloster besuchen kommen, was ich tatsächlich gerne tun würde, aber mir fehlt die Zeit.
Mit meinem Taxifahrer, der mich freundlich winkend am Anfang des Steges begrüßt, geht es weiter zum Mahamuni Buddha, der in den letzten 100 Jahren deutlich an Masse zugenommen hat, weil jeden Tag Menschen mehr Leibesfülle in Form von Blattgold spenden, die dann an ihn drangepappt wird. 15cm pures Gold soll die Schicht um ihn herum schon zugelegt haben, und jeden Morgen wird er gewaschen. Ich darf ihn allerdings nur aus der 2. Reihe ankucken, weil ich eine Frau bin. Bisschen sexistisch, diese Buddhisten.
Wir treffen hier einen weiteren Mönch der sich viel Zeit für uns beide nimmt, und uns mehr über den Tempel und seine Artefakte erklärt. Ich verstehe es aber leider nur bruchstückhaft, weil über Megaphon lautstark Schriften rezitiert werden und ich mal wieder Probleme mit dem Englisch habe. Aber ich bekomme mit, dass das Dach 7-stufig ist, was die 7 Stadien des Buddhismus repräsentiert(?), dass im Nebengebäude Bronzestatuen aus Angkor zu bewundern sind und dass das Interieur des Tempels großteils gespendet ist (die Jadetäfelchen zum Beispiel, die die Säulen ziehren). Danach bin ich hungrig und lade meinen Taxifahrer auf ein Bier ein, auch wenn eine Flasche mit fast 0,7l Bier vielleicht nicht unbedingt das ist, auf das man einen Mopedfahrer ohne Helm, den man im Dunkeln daran erinnern muss sein Licht einzuschalten, einladen sollte. Aber er versichert mir, dass Safety bei ihm großgeschrieben wird, und ich versichere mich auf Google Maps, dass ich die 500m zum Hotel notfalls auch zu Fuß zurücklegen könnte. Als wir uns verabschieden ist er herzlich, wünscht mir eine gute Weiterreise und dass ich noch viel Spaß in seinem Land haben möge. Ein schöner komprimierter Tag, der mich Mandalay mit einem guten Gefühl verlassen lässt.
Ein Beutel Kotze
Was für eine Busfahrt. Als Peter Mrauk U verlässt, weil er zurück nach Yangon und dann nach Bangkok und dann nach Malta muss, ist es auch für mich Zeit zu gehen. Irgendwie habe ich keine Lust, alleine durch die Ruinen zu streifen, also gehe ich zum nächstbesten Ticketschalter und kaufe mir ein Busticket nach Mandalay. 25.000 Kyat soll das kosten und der Bus fährt um 9, weswegen ich um 8:15 des nächsten Tages wieder am Häuschen stehen soll.
Ich werde nie ganz verstehen, warum sie einem 2 verschiedene Zeiten nennen, und glauben, dass man an ersterer an Ort und Stelle ist.
Aber an diesem Morgen habe ich nichts besseres zu tun und so stehe ich wie bestellt um 8:15 am Häuschen. Der Ticketmensch begrüßt mich, bietet mir einen Stuhl an und ich quatsche mit einer Vietnamesin, von der ich denke dass sie mit mir im Bus sitzen wird, aber anscheinend hat sie einen anderen gebucht.
Es wird 9 Uhr. Es wird 10 Uhr. Kein Bus. Um halb 11 fängt der Ticketmensch aus lauter Verzweiflung ein Gespräch mit mir an. Erzählt mir dass der Rakhine State (in dem wir uns befinden) zu den ärmsten in ganz Myanmar gehört und die Leute von der Regierung den Staatshaushalt lieber für die zentralen Regionen ausgeben. Weniger als 1% des Budgets gehen hierher, und im nördlichen Chin State gibt es immer noch bewaffnete Konflikte. Er zeigt mir ein Handyfoto von einem General. Vergleicht ihn mit Che Guevara. Es ist 11. Kein Bus. Der hatte einen Motorschaden, kurz vor Mrauk U. Sagt er mir jetzt. Der Ersatzbus kommt um 12:30, ich könne so lang noch was essen. Wahrheitsgehalt- fragwürdig. Aber gut. Ich esse was.
Um 12:15 steht der Ticketmensch neben mir am Tisch meines Restaurants. Der Bus wäre dann jetzt da. Er fährt mich mit seinem Moped hin. Etappe 1 wäre geschafft.
Der Bus macht gerade Rast, die Menschen essen zu Mittag. Ich sehe keine Touristen. Seltsam. Ich werfe einen Blick in den Bus. Aircon? Mal sehen. Ich steige ein. Die anderen Gäste steigen ein. Keine Touristen. Nix gegen Einheimische. Aber die Kategorie habe ich weder gebucht noch bezahlt. Ich wurde hochgradig verarscht. Meine Frage, ob das denn nicht ein local bus ist, umgeht der Ticketmensch galant, indem er mir erzählt nein, das wäre ein koreanischer Bus und alle Busse die hier fahren seien aus Korea.
Passiert, denk ich. Aber gut. Das Interieur ist lila und pink. Was zumindest die Tochter der Freundin freut, der ich ein Foto in der Hoffnung auf einige mitleidige Worte schicke.
Im Bus teilen Sie dann kleine schwarze Plastikbeutelchen aus. Für den Müll denke ich. Ich nehm mir eins. Kann nicht schaden.
Dann gibt es Troubel. Ich hab mich irgendwohin gesetzt. Aber nicht auf Platz 36, den ich gebucht hab. Andererseits ist das hier auch nicht der Bus, den ich gebucht hab. Jetzt soll sich irgendwer neben mich setzen, und anscheinend sind sie damit ein wenig überfordert. Vielleicht wollen die Männer nicht, vielleicht denken sie, ich will nicht, vielleicht stink ich auch. Ich weiß nicht. Mit mir redet keiner.
Ein Mädel wird aufgetrieben. Von ganz vorne wird sie nach hinten neben mich gesetzt. Sie sieht nicht sehr begeistert aus. Dann sind alle glücklich. Es geht los.
Die Fahrt ist holprig. Burmesische Straßenverhältnisse... Das Mädchen wechselt ihren Gesichtsausdruck von mediumglücklich in besorgniserregend. Sie kramt in ihrer Tasche und holt einen dieser Menthol Schnüffelstifte hervor, die mir meine Oma früher immer bei Schnupfen in die Hand gedrückt hat (bevor ihr meine Mutter das verboten hat, weil es unhygienisch ist, sich den immer gleichen Schnüffelstift in eine kranke, verrotzte Nase zu stecken). Das Mädchen schnüffelt am Stift. Motion Sickness, steht drauf. Ah. Wusste ich garnicht. Das Mädchen sieht immer unglücklicher aus. Dann kramt sie sich ein schwarzes Beutelchen. Hält es sich an den Mund und kotzt drauflos. Als sie fertig ist, verknotet sie es oben, wechselt einen vielsagenden Blick mit mir. Ich öffne das Schiebefenster unseres Busses. Das Kotzbeutelchen fliegt in hohem Bogen raus. Als kleines Geschenk für die Nachwelt.
Passiert, denk ich. Aber es geht weiter. Nachdem sie sich weitere 3 Mal erbrochen hat, und wir den Weg nunmehr mit kleinen, sorgsam zugeknoteten Geschenkchen gesäumt haben, erreichen wir eine kritische Beutelchenmasse. Ich biete ihr meinen Fensterplatz an. Das erste Mal sieht sie ein bisschen glücklich aus. Jetzt kann sie ganz umweltfreundlich aus dem Fenster reihern wenn sie will. Ich bin sowas wie der blaue Engel. Am nächsten Stopp kaufe ich mir einen Schnüffelstift. Für alle Fälle. Und dann geht der Spaß richtig los. Vor mir. Hinter mir. Schräg links. Ein wahres Kotzinferno bricht im Bus aus. Ich weiß nicht was los ist. Zu diesem Zeitpunkt sitzen wir ca. 6 Stunden im Bus, weitere 12 Stunden sind angekündigt. Am Besten ist der Typ übern Gang. Vielleicht ist er sich der begrenzten Beutelressourcen bewusst. Vielleicht ist er auch ein Umweltaktivist. Aber er bedient sich allen Ernstes des Tütchens, füllt es mindestens bis zur Hälfte, und dann knotet er es sorgsam am Vordersitz fest! Für schlechte Zeiten?! Ich bin sprachlos. Sicherheitshalber schnüffle ich ein wenig an meinem Stift. Der Aktivist trägt eine Jeansjacke mit Stachelnieten, von denen jede mindestens 5cm lang ist. Ich habe Kopfkino von einem durchpieksten Beutelchen, dessen Inhalt sich... Ich schnüffle nochmal am Stift. Noch mindestens 2 Mal sehe ich ihm zu, wie er sich in das ein und dasselbe Tütchen übergibt. Irgendwann ist es fast randvoll. Ich frage den Busfahrer nach Nachschub für den armen Mann. Er entsorgt sein Paket über das Fenster. Ich bin erleichtert. Unterwegs passieren wir 2 Grenzposten. Mitten in der Nacht steigen alle aus, zeigen Ihren Pass, Ein Grenzbeamter geht mit einer Taschenlampe durch den Bus, dann dürfen alle wieder einsteigen. Morgens um 6 erreiche ich Mandalay. Mein Hotel lässt mich extra früh einchecken. Ich nehme eine Dusche an der ich mich seit langem fast verbrühe. Ich liebe es.
Aber an diesem Morgen habe ich nichts besseres zu tun und so stehe ich wie bestellt um 8:15 am Häuschen. Der Ticketmensch begrüßt mich, bietet mir einen Stuhl an und ich quatsche mit einer Vietnamesin, von der ich denke dass sie mit mir im Bus sitzen wird, aber anscheinend hat sie einen anderen gebucht.
Es wird 9 Uhr. Es wird 10 Uhr. Kein Bus. Um halb 11 fängt der Ticketmensch aus lauter Verzweiflung ein Gespräch mit mir an. Erzählt mir dass der Rakhine State (in dem wir uns befinden) zu den ärmsten in ganz Myanmar gehört und die Leute von der Regierung den Staatshaushalt lieber für die zentralen Regionen ausgeben. Weniger als 1% des Budgets gehen hierher, und im nördlichen Chin State gibt es immer noch bewaffnete Konflikte. Er zeigt mir ein Handyfoto von einem General. Vergleicht ihn mit Che Guevara. Es ist 11. Kein Bus. Der hatte einen Motorschaden, kurz vor Mrauk U. Sagt er mir jetzt. Der Ersatzbus kommt um 12:30, ich könne so lang noch was essen. Wahrheitsgehalt- fragwürdig. Aber gut. Ich esse was.
Um 12:15 steht der Ticketmensch neben mir am Tisch meines Restaurants. Der Bus wäre dann jetzt da. Er fährt mich mit seinem Moped hin. Etappe 1 wäre geschafft.
Der Bus macht gerade Rast, die Menschen essen zu Mittag. Ich sehe keine Touristen. Seltsam. Ich werfe einen Blick in den Bus. Aircon? Mal sehen. Ich steige ein. Die anderen Gäste steigen ein. Keine Touristen. Nix gegen Einheimische. Aber die Kategorie habe ich weder gebucht noch bezahlt. Ich wurde hochgradig verarscht. Meine Frage, ob das denn nicht ein local bus ist, umgeht der Ticketmensch galant, indem er mir erzählt nein, das wäre ein koreanischer Bus und alle Busse die hier fahren seien aus Korea.
Passiert, denk ich. Aber gut. Das Interieur ist lila und pink. Was zumindest die Tochter der Freundin freut, der ich ein Foto in der Hoffnung auf einige mitleidige Worte schicke.
Im Bus teilen Sie dann kleine schwarze Plastikbeutelchen aus. Für den Müll denke ich. Ich nehm mir eins. Kann nicht schaden.
Dann gibt es Troubel. Ich hab mich irgendwohin gesetzt. Aber nicht auf Platz 36, den ich gebucht hab. Andererseits ist das hier auch nicht der Bus, den ich gebucht hab. Jetzt soll sich irgendwer neben mich setzen, und anscheinend sind sie damit ein wenig überfordert. Vielleicht wollen die Männer nicht, vielleicht denken sie, ich will nicht, vielleicht stink ich auch. Ich weiß nicht. Mit mir redet keiner.
Ein Mädel wird aufgetrieben. Von ganz vorne wird sie nach hinten neben mich gesetzt. Sie sieht nicht sehr begeistert aus. Dann sind alle glücklich. Es geht los.
Die Fahrt ist holprig. Burmesische Straßenverhältnisse... Das Mädchen wechselt ihren Gesichtsausdruck von mediumglücklich in besorgniserregend. Sie kramt in ihrer Tasche und holt einen dieser Menthol Schnüffelstifte hervor, die mir meine Oma früher immer bei Schnupfen in die Hand gedrückt hat (bevor ihr meine Mutter das verboten hat, weil es unhygienisch ist, sich den immer gleichen Schnüffelstift in eine kranke, verrotzte Nase zu stecken). Das Mädchen schnüffelt am Stift. Motion Sickness, steht drauf. Ah. Wusste ich garnicht. Das Mädchen sieht immer unglücklicher aus. Dann kramt sie sich ein schwarzes Beutelchen. Hält es sich an den Mund und kotzt drauflos. Als sie fertig ist, verknotet sie es oben, wechselt einen vielsagenden Blick mit mir. Ich öffne das Schiebefenster unseres Busses. Das Kotzbeutelchen fliegt in hohem Bogen raus. Als kleines Geschenk für die Nachwelt.
Passiert, denk ich. Aber es geht weiter. Nachdem sie sich weitere 3 Mal erbrochen hat, und wir den Weg nunmehr mit kleinen, sorgsam zugeknoteten Geschenkchen gesäumt haben, erreichen wir eine kritische Beutelchenmasse. Ich biete ihr meinen Fensterplatz an. Das erste Mal sieht sie ein bisschen glücklich aus. Jetzt kann sie ganz umweltfreundlich aus dem Fenster reihern wenn sie will. Ich bin sowas wie der blaue Engel. Am nächsten Stopp kaufe ich mir einen Schnüffelstift. Für alle Fälle. Und dann geht der Spaß richtig los. Vor mir. Hinter mir. Schräg links. Ein wahres Kotzinferno bricht im Bus aus. Ich weiß nicht was los ist. Zu diesem Zeitpunkt sitzen wir ca. 6 Stunden im Bus, weitere 12 Stunden sind angekündigt. Am Besten ist der Typ übern Gang. Vielleicht ist er sich der begrenzten Beutelressourcen bewusst. Vielleicht ist er auch ein Umweltaktivist. Aber er bedient sich allen Ernstes des Tütchens, füllt es mindestens bis zur Hälfte, und dann knotet er es sorgsam am Vordersitz fest! Für schlechte Zeiten?! Ich bin sprachlos. Sicherheitshalber schnüffle ich ein wenig an meinem Stift. Der Aktivist trägt eine Jeansjacke mit Stachelnieten, von denen jede mindestens 5cm lang ist. Ich habe Kopfkino von einem durchpieksten Beutelchen, dessen Inhalt sich... Ich schnüffle nochmal am Stift. Noch mindestens 2 Mal sehe ich ihm zu, wie er sich in das ein und dasselbe Tütchen übergibt. Irgendwann ist es fast randvoll. Ich frage den Busfahrer nach Nachschub für den armen Mann. Er entsorgt sein Paket über das Fenster. Ich bin erleichtert. Unterwegs passieren wir 2 Grenzposten. Mitten in der Nacht steigen alle aus, zeigen Ihren Pass, Ein Grenzbeamter geht mit einer Taschenlampe durch den Bus, dann dürfen alle wieder einsteigen. Morgens um 6 erreiche ich Mandalay. Mein Hotel lässt mich extra früh einchecken. Ich nehme eine Dusche an der ich mich seit langem fast verbrühe. Ich liebe es.
Donnerstag, 11. Februar 2016
Chin Dörfer
Die Tatsache, dass Strom beständig ausfällt, der Generator nicht immer läuft und Wifi in irgendeiner Weise Strom braucht, macht es ziemlich schwierig, die Außenwelt auf dem Laufenden zu halten. So ist es hier. Abgeschiedenheit mit einem Hauch von Zivilisation.
Gestern haben wir einen Tagesausflug zu den Chin Dörfern gemacht, einer Minderheit die eigentlich in den Bergen lebt, sich aber teilweise auch in der Nähe von Mrauk U niedergelassen hat. Dort gibt es die letzten Frauen mit tätowierten Gesichtern zu bestaunen.
Der Legende nach wollte ein Herrscher aus Mrauk U vor 200 Jahren mehrere der als besonders schön geltenden Chin-Frauen aus den Dörfern verschleppen um sie zu heiraten. Den Chin wiederum passte das garnicht und so tätowierten sie die Gesichter ihrer schönen Frauen, um den Herrscher abzuschrecken und die Frauen hässlich zu machen.
Dieses Tätowieren wurde zu einer grausamen Tradition, die erst seit ca. 2 Generationen nicht mehr durchgeführt wird.
Die Frauen, wettergegerbt und würdevoll, jede von ihnen Ende 60, manche älter, erzählen uns, dass sie im Alter von 7 bis 9 Jahren in einer 2-tägigen Prozedur tätowiert wurden, die Hände festgebunden und am Boden liegend. Selbst über die Augenlider ziehen sich die Spinnwebenmuster. Die damit einhergehenden Schmerzen will ich mir nicht vorstellen und ich bin ganz froh, dass diese Tradition heute nicht mehr angewandt wird.
Und auch der Weg zu den Dörfern war nicht weniger spannend. Zunächst im Tuktuk die holprige Straße bis zum Bootsanleger, und dann mit dem Boot stromaufwärts.
Um auch das eine ganz entlegen Dörfchen zu erreichen, mussten wir eine ziemlich seichte Stelle im Fluss passieren. Mit 5 wohlgenährten Europäern an Bord - keine Chance. Als unser Dorf schon auf der Kippe stand, weil das Boot sich einfach immer wieder im Kies des Flussbettes festgefahren hatte, sind wir einfach alle ins knietiefe Wasser gesprungen und haben angeschoben. So haben wir es mit vereinten Kräften und nicht ohne unseren Guide komplett zu verdutzen, in das Dörfchen geschafft. Heute hab ich den Tag im Bett verbracht. Irgendwie fühle ich mich nicht so auf der Höhe. Ich werde versuchen, morgen einen Bus nach Mandalay zu buchen. Das bedeutet wieder einen ganzen Tag Bus.
Gestern haben wir einen Tagesausflug zu den Chin Dörfern gemacht, einer Minderheit die eigentlich in den Bergen lebt, sich aber teilweise auch in der Nähe von Mrauk U niedergelassen hat. Dort gibt es die letzten Frauen mit tätowierten Gesichtern zu bestaunen.
Der Legende nach wollte ein Herrscher aus Mrauk U vor 200 Jahren mehrere der als besonders schön geltenden Chin-Frauen aus den Dörfern verschleppen um sie zu heiraten. Den Chin wiederum passte das garnicht und so tätowierten sie die Gesichter ihrer schönen Frauen, um den Herrscher abzuschrecken und die Frauen hässlich zu machen.
Dieses Tätowieren wurde zu einer grausamen Tradition, die erst seit ca. 2 Generationen nicht mehr durchgeführt wird.
Die Frauen, wettergegerbt und würdevoll, jede von ihnen Ende 60, manche älter, erzählen uns, dass sie im Alter von 7 bis 9 Jahren in einer 2-tägigen Prozedur tätowiert wurden, die Hände festgebunden und am Boden liegend. Selbst über die Augenlider ziehen sich die Spinnwebenmuster. Die damit einhergehenden Schmerzen will ich mir nicht vorstellen und ich bin ganz froh, dass diese Tradition heute nicht mehr angewandt wird.
Und auch der Weg zu den Dörfern war nicht weniger spannend. Zunächst im Tuktuk die holprige Straße bis zum Bootsanleger, und dann mit dem Boot stromaufwärts.
Um auch das eine ganz entlegen Dörfchen zu erreichen, mussten wir eine ziemlich seichte Stelle im Fluss passieren. Mit 5 wohlgenährten Europäern an Bord - keine Chance. Als unser Dorf schon auf der Kippe stand, weil das Boot sich einfach immer wieder im Kies des Flussbettes festgefahren hatte, sind wir einfach alle ins knietiefe Wasser gesprungen und haben angeschoben. So haben wir es mit vereinten Kräften und nicht ohne unseren Guide komplett zu verdutzen, in das Dörfchen geschafft. Heute hab ich den Tag im Bett verbracht. Irgendwie fühle ich mich nicht so auf der Höhe. Ich werde versuchen, morgen einen Bus nach Mandalay zu buchen. Das bedeutet wieder einen ganzen Tag Bus.
Der burmesische Outback
"17 Stunden..." Sage ich immer wieder zu allen möglichen Menschen, denen ich im Hostel begegne und mache dann eine bedeutungsschwangere Pause. Mein einziges Ziel ist der erstaunte, zuweilen bewundernde und auch etwas mitleidige Blick in ihren Augen, der sich kurz darauf einstellt. Eigentlich ist es nur dieser Blick, den ich sehen will. Der ist schon Belohnung genug.
Denn Mrauk U (gesprochen Mja-u) liegt abseits der touristisch ausgetretenen Pfade - weswegen es kaum einer kennt, und ist trotz einer sehr kurz erscheinenden Luftlinie nur sehr beschwerlich zu erreichen - weswegen der Bus dahin nun mal 17 Stunden braucht. In unserem Fall 19 Stunden, weil wir unterwegs eine Reifenpanne hatten.
Aber jetzt bin ich hier. Irgendwo im Westen von Myanmar, fast schon an der Grenze zu Bangladesch in einem Städtchen, das wie Bagan alte Tempel und Stupas zu bestaunen hat, aber bei weitem nicht so touristisch ist. Hier scheint vielmehr die Zeit stehen geblieben zu sein. Irgendwann vor 100 Jahren oder so. Frauen holen sich mit Metallvasen Wasser aus einem Brunnen, die sie dann auf dem Kopf balancierend bis nach Hause tragen. Gestern beispielsweise wollte ich mir im Restaurant die Hände waschen, suche 2 Sekunden lang den Wasserhahn am Waschbecken und stelle dann fest, dass das Wasser mit einer Metallschüssel aus einem größeren Behälter nebenan geschöpft werden muss.
Die Menschen sind freundlich und leben ihr Dorfleben. Zugegebenermaßen schwelgen sie aber nicht im Überfluss. 2015 gab es hier größere Überschwemmungen. Derzeit ist alles eher sehr sehr staubig. Strom fällt oft aus und mein iPhone vibriert ganz leicht, wenn ich es zum Laden an die Steckdose hänge... Kein gutes Zeichen, glaube ich.
Zusammen mit Peter, dem Fotografen aus Malta, mache ich mich besonders zu Sonnenauf- und Untergang auf, um die besten Stimmungen aus der Umgebung einzufangen. Nachts machen wir oft Nachtaufnahmen und Lightpaintings, indem wir mit einer Taschenlampe Kreise in den stockfinsteren Himmel malen. Es macht Spaß, zu assistieren und langsam aber beständig wächst der Wunsch, mein Kameraequipment deutlich upzugraden.
Denn Mrauk U (gesprochen Mja-u) liegt abseits der touristisch ausgetretenen Pfade - weswegen es kaum einer kennt, und ist trotz einer sehr kurz erscheinenden Luftlinie nur sehr beschwerlich zu erreichen - weswegen der Bus dahin nun mal 17 Stunden braucht. In unserem Fall 19 Stunden, weil wir unterwegs eine Reifenpanne hatten.
Aber jetzt bin ich hier. Irgendwo im Westen von Myanmar, fast schon an der Grenze zu Bangladesch in einem Städtchen, das wie Bagan alte Tempel und Stupas zu bestaunen hat, aber bei weitem nicht so touristisch ist. Hier scheint vielmehr die Zeit stehen geblieben zu sein. Irgendwann vor 100 Jahren oder so. Frauen holen sich mit Metallvasen Wasser aus einem Brunnen, die sie dann auf dem Kopf balancierend bis nach Hause tragen. Gestern beispielsweise wollte ich mir im Restaurant die Hände waschen, suche 2 Sekunden lang den Wasserhahn am Waschbecken und stelle dann fest, dass das Wasser mit einer Metallschüssel aus einem größeren Behälter nebenan geschöpft werden muss.
Die Menschen sind freundlich und leben ihr Dorfleben. Zugegebenermaßen schwelgen sie aber nicht im Überfluss. 2015 gab es hier größere Überschwemmungen. Derzeit ist alles eher sehr sehr staubig. Strom fällt oft aus und mein iPhone vibriert ganz leicht, wenn ich es zum Laden an die Steckdose hänge... Kein gutes Zeichen, glaube ich.
Zusammen mit Peter, dem Fotografen aus Malta, mache ich mich besonders zu Sonnenauf- und Untergang auf, um die besten Stimmungen aus der Umgebung einzufangen. Nachts machen wir oft Nachtaufnahmen und Lightpaintings, indem wir mit einer Taschenlampe Kreise in den stockfinsteren Himmel malen. Es macht Spaß, zu assistieren und langsam aber beständig wächst der Wunsch, mein Kameraequipment deutlich upzugraden.
Mittwoch, 3. Februar 2016
Viele Tempel und noch mehr Glück
Der Super Special von Pimp my Bus ausgestattete JJ Express (Liegesitze mit ausklappbarem Fußteil, Bildschirme im Vordersitz, Sitzheizung.... name it...) nach Bagan war natürlich schon ausgebucht.
Also nehmen Team Malta und ich die nächstgünstigere Nachtbus-Variante, die besser als erwartet ausfällt, aber trotzdem nicht ganz zum Ausruhen gedacht ist. Meine Hand und beide Beine schlafen abwechselnd mehrmals ein. Ich zumindest einmal kurz. Ich rechne mit einer 10-stündigen holprigen Busfahrt, aber die Straßen sind ausgesprochen gut und wir kommen morgens kurz nach 5 in Bagan an. Da es zum Einchecken ohnehin zu früh ist, buchen wir gleich unsere erste Sunrise Tour. Es ist noch ein bisschen kalt morgens, zumal wir jetzt erstmal eine Stunde im Dunkeln sitzen und die Wächter mit Taschenlampen kontrollieren, dass wir auch ja unsere Socken ausgezogen haben. Auf den Tempel geht's nur barfuß.
Aber wie so oft hab ich mal wieder Glück. Meine leeren Kameraakkus hab ich zumindest so rudimentär aufgeladen, dass sie die morgendliche Fotosession überstehen, weil mein Handy leer ist hab ich Mein iPad für Panoramaaufnahmen mit (ja ich kann diese Scheißtouristen mit ihren Scheiß iPads auch nicht ausstehen :) und das allerbeste: ich hab meine Skiunterwäsche an! Damit der Bobbes nicht kalt wird, setz ich mich auf meine selbst konstruierte Schaumstoff-Gefrierbeutel-Kombi (in der ich eigentlich mein iPad vor Stößen schütze) Und auch wenn es aussieht, als wären wir viel zu früh dran, wir sind nicht die ersten, und innerhalb von 15 Minuten füllt sich das Plätzchen oben auf dem Tempel rasant schnell mit Menschen. Jetzt noch klammheimlich die Socken wieder anziehen und warten.
Der Sonnenaufgang ist majestätisch. In Nebelschwaden gehüllt ragen tausende kleiner Tempel aus dem Boden, und spätestens wenn die Sonne am Horizont zu sehen ist steigen die Heißluftballons in den Himmel und komplettieren das Panorama. Als ich danach im Hotel ankomme, stelle ich fest, dass es richtigen Kaffee mit echter Milch gibt! Dazu angeblich authentische Pasta, da das "Ostello Bello" von Italienern geführt wird. Alles richtig gemacht. Also heißt es erstmal auf der Sonnenterasse chillen, Kraft für den Tag tanken und heute Abend gleich noch ne Sunset Tour anschließen.
Also nehmen Team Malta und ich die nächstgünstigere Nachtbus-Variante, die besser als erwartet ausfällt, aber trotzdem nicht ganz zum Ausruhen gedacht ist. Meine Hand und beide Beine schlafen abwechselnd mehrmals ein. Ich zumindest einmal kurz. Ich rechne mit einer 10-stündigen holprigen Busfahrt, aber die Straßen sind ausgesprochen gut und wir kommen morgens kurz nach 5 in Bagan an. Da es zum Einchecken ohnehin zu früh ist, buchen wir gleich unsere erste Sunrise Tour. Es ist noch ein bisschen kalt morgens, zumal wir jetzt erstmal eine Stunde im Dunkeln sitzen und die Wächter mit Taschenlampen kontrollieren, dass wir auch ja unsere Socken ausgezogen haben. Auf den Tempel geht's nur barfuß.
Aber wie so oft hab ich mal wieder Glück. Meine leeren Kameraakkus hab ich zumindest so rudimentär aufgeladen, dass sie die morgendliche Fotosession überstehen, weil mein Handy leer ist hab ich Mein iPad für Panoramaaufnahmen mit (ja ich kann diese Scheißtouristen mit ihren Scheiß iPads auch nicht ausstehen :) und das allerbeste: ich hab meine Skiunterwäsche an! Damit der Bobbes nicht kalt wird, setz ich mich auf meine selbst konstruierte Schaumstoff-Gefrierbeutel-Kombi (in der ich eigentlich mein iPad vor Stößen schütze) Und auch wenn es aussieht, als wären wir viel zu früh dran, wir sind nicht die ersten, und innerhalb von 15 Minuten füllt sich das Plätzchen oben auf dem Tempel rasant schnell mit Menschen. Jetzt noch klammheimlich die Socken wieder anziehen und warten.
Der Sonnenaufgang ist majestätisch. In Nebelschwaden gehüllt ragen tausende kleiner Tempel aus dem Boden, und spätestens wenn die Sonne am Horizont zu sehen ist steigen die Heißluftballons in den Himmel und komplettieren das Panorama. Als ich danach im Hotel ankomme, stelle ich fest, dass es richtigen Kaffee mit echter Milch gibt! Dazu angeblich authentische Pasta, da das "Ostello Bello" von Italienern geführt wird. Alles richtig gemacht. Also heißt es erstmal auf der Sonnenterasse chillen, Kraft für den Tag tanken und heute Abend gleich noch ne Sunset Tour anschließen.
Dienstag, 2. Februar 2016
As it's opening up...
Ich liege im Bett, von draußen lärmen Autos in den Straßen. Gedämpft dringen die Töne der Stadt durch meinen geschlossenen Vorhang zu mir vor.
Heute schlafe ich aus. Bis weit nach 9 Uhr räkle ich mich im Bett und obwohl ich im Hostel bin habe ich Privatsphäre, geschützt von einem kleinen Rollo vor meiner Bettkapsel, der neugierige Blicke draußen lässt, und nur in Blumenmustern gefiltertes Licht zu mir durchdringen lässt.
Hier bin ich also, in dem Land in dem Männer Röcke tragen und in dem Sonnenuntergänge etwas mystisches haben, weil immer eine Art Dunst oder Staub in der Luft liegt, in dem sich die letzen Sonnenstrahlen brechen.
Am 31. Januar habe ich einen Flieger nach Yangon genommen, nicht ohne am Flughafen 3 Mal immens Glück zu haben.
Das erste Mal, als ich lese, dass mein Visum für Myanmar nicht wie gedacht 30, sondern 28 Tage gültig ist und im Augenblick danach feststelle, dass ich den Rückflug zufällig auf den 26. Februar gelegt habe.
Ein 2. Mal habe ich Glück, als ich an der Passkontrolle nach der Departure Card gefragt werde, und den zugehörigen und bereits mehrmals als Fresszettel missbrauchten Wisch nur deswegen finde, weil er mir am Morgen zuvor beim Ausmisten von Geldbeutel und Co. zufällig in die Hände gefallen ist. Den ersten faulen Versuch ob ich nicht einfach eine andere Departure Card ausfüllen könnte wird damit kommentiert, dass ich doch bitte meine Fluggesellschaft kontaktieren soll. Also stelle ich meinen Rucksack auf den Kopf und zaubere das Dokument ans Tageslicht. Nicht ohne innerlich aufzuatmen. Hätte ich das Zettelchen, erst einmal aus dem Pass rausgeflattert, schon mehrmals fast weggeworfen...
Ein drittes Mal habe ich Glück, als ich am Abflugsgate ein absolut bezahlbares japanisches Restaurant erspähe und internationalen Boden als hygienisch genug befinde, mir mal wieder etwas Sushi zu genehmigen. Lecker!
In Myanmar indes habe ich mich bis jetzt zwar von rohem Fisch ferngehalten, aber ansonsten war ich in meiner Essenswahl weder zimperlich noch sonderlich magendarm-präventiv unterwegs.
Probiert habe ich (durchweg an Straßenständen) Durian (Stinkfrucht), Hühnerfüße, gegrillte Wachtel am Spieß, Chili con getrockneter Fisch, gedünstete Erdnüsse, Yoghurt mit Honigsoße (an Eiswürfel) und undefinierbares Gemüse zum Mittag. Letztere Beide verdauen noch, aber ich hoffe Montezuma ist mir milde gestimmt.
Das erste was ich in Yangon gemacht habe, ist mich in die Circle Line zu setzen. Das ist ein ruckelnder zuckelnder und ziemlich langsam fahrender Zug, der in ca. 3 Stunden einmal um die ganze Stadt und durch ihre Vororte und Hinterhöfe fährt. Für 20 Cent bekommt man so einen ganz guten Einblick in den burmesischen Alltag.
Auf der Hälfte der Strecke sind die Gemüsehändler eingestiegen. Riesen Trubel am Bahnhof und durch die offenen Fenster werden mir Bündel mit Gemüse hereingereicht, in einem kurzen Zustand des absoluten Chaos füllt sich minutenschnell der ganze Zug mit Menschen und Grünzeugs und im restlichen Verlauf der Fahrt putzen alle munter ihr Gemüse und schnüren, Liedchen summend marktgerechte Bündel.
Auch ich komme im Laufe der Fahrt mit 4 Maltesern ins Gespräch, mit denen ich den restlichen Tag verbringe.
Nächster Programmpunkt ist die Shwedagon Pagode. Grell reflektieren 60t Gold das unbarmherzige Sonnenlicht in meine Augen zurück und erst gegen Abend muss man die Augen bei dem ganzen Prunk nicht mehr allzusehr zusammenkneifen.
Kurz vor Dämmerung bietet uns ein Guide seine Dienste an, der mehrmals betont, dass er schon 69 Jahre alt ist und tatsächlich ein bisschen aussieht wie Mr. Miyagi. Leider hat seine geballte Lebenserfahrung auch einen salzigen Preis, 5 Dollar pro Person für die kurze Tour mit allerhand Geschichtlichem, den besten Fotospots für Insider und einer persönlichen Berechnung des Tierkreiszeichens, ganze 10 Dollar will er für die Special Extended Führung, inklusive Romeo & Julia Liebesgeschichte. Natürlich sind wir zu geizig, und als wir uns darauf einigen, nur die kurze Tour zu machen, scheitert es letztendlich an 900 Kyat, weil er unbedingt den von Dollar in Kyat umgerechneten exakten Wechselkurs berücksichtigt haben will (12.900 statt 12.000). Aber wir sind felsenfest der Meinung dass er uns die Differenz auch hätte entgegenkommen können (geht schließlich ums Prinzip) und so weiß ich leider immer noch nicht, welches Tier ich bin (im Zweifel ein Schaf), oder wie lang ich leben werde. Aber den Rest des Abends haben wir damit verbracht, alle möglichen Dinge in "Guide Units" umzurechnen. "Wir können jetzt 7 Bier trinken, oder 2 Handyladekabel plus USB Doppelstecker kaufen..... Oder wir hätten den Guide nehmen können..." Zum Beispiel hätten wir uns statt der kostbaren Dienste des Guides auch einfach 129 Packungen Sekundenkleber kaufen können... Da merkt man erstmal wie teuer der war.... Und soweit wars das auch schon. Die Sule Pagode wird derzeit renoviert und ist optisch daher nicht der Rede wert. Sofern man sich nach 2 Tagen einen Vergleich zu Thailand anmaßen kann... Yangon ist chaotischer, dreckiger, lauter als Bangkok. Aber auch ein bisschen herzlicher. Menschen bieten dir Stühle an, lassen dich ihren Yoghurt probieren und sind auch ansonsten sehr zuvorkommend. Kommunikation ist zuweilen etwas frustrierend, da englisch oft nur rudimentär gesprochen wird. Aber das ist ja das, was viele Traveller suchen. Das echte Abenteuer. Jedenfalls ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Land zu bereisen. Es ist gerade in Begriff sich zu öffnen, ist derzeit noch unberührt genug um sein brachiales Backpacker Erlebnis zu haben, aber auch schon entwickelt genug, dass man Unterkünfte online buchen und bezahlen kann und auch das passende Wifi hat, um nach Ihnen zu recherchieren. Das Mobilfunknetz funktioniert nicht immer, und nicht immer einwandfrei, aber es funktioniert. Oh, eine lokale SIM Karte zu kaufen war ein kleines Abenteuer. Nano-SIM's gibt's hier noch nicht. Also muss man Mikro kaufen und stanzen. Erschwerend kam hinzu, dass im ersten Geschäft kein Apple-aufmach-Piekser aufzufinden war. Als der Zahnstocher einfach nicht wollte, und der in der Kruschtelkiste aufgetriebene Metallnagel zu dick war, ging der hilfsbereite Ladenbesitzer kurzerhand mit der Flex ans Werk und hat mir den Metallstift so lange zugeschliffen, bis er dünn genug war, um mein kapriziöses Handy zu öffnen. Diesen Stift hab ich dann für kommende schlechte Zeiten gleich mitbekommen. Das nenn ich mal echte Kundenorientierung! Nächste Station: Bagan. Wenn es strategisch gesehen auch am Schluss kommen sollte, aber was soll das schon? Ich freu mich!
Heute schlafe ich aus. Bis weit nach 9 Uhr räkle ich mich im Bett und obwohl ich im Hostel bin habe ich Privatsphäre, geschützt von einem kleinen Rollo vor meiner Bettkapsel, der neugierige Blicke draußen lässt, und nur in Blumenmustern gefiltertes Licht zu mir durchdringen lässt.
Hier bin ich also, in dem Land in dem Männer Röcke tragen und in dem Sonnenuntergänge etwas mystisches haben, weil immer eine Art Dunst oder Staub in der Luft liegt, in dem sich die letzen Sonnenstrahlen brechen.
Am 31. Januar habe ich einen Flieger nach Yangon genommen, nicht ohne am Flughafen 3 Mal immens Glück zu haben.
Das erste Mal, als ich lese, dass mein Visum für Myanmar nicht wie gedacht 30, sondern 28 Tage gültig ist und im Augenblick danach feststelle, dass ich den Rückflug zufällig auf den 26. Februar gelegt habe.
Ein 2. Mal habe ich Glück, als ich an der Passkontrolle nach der Departure Card gefragt werde, und den zugehörigen und bereits mehrmals als Fresszettel missbrauchten Wisch nur deswegen finde, weil er mir am Morgen zuvor beim Ausmisten von Geldbeutel und Co. zufällig in die Hände gefallen ist. Den ersten faulen Versuch ob ich nicht einfach eine andere Departure Card ausfüllen könnte wird damit kommentiert, dass ich doch bitte meine Fluggesellschaft kontaktieren soll. Also stelle ich meinen Rucksack auf den Kopf und zaubere das Dokument ans Tageslicht. Nicht ohne innerlich aufzuatmen. Hätte ich das Zettelchen, erst einmal aus dem Pass rausgeflattert, schon mehrmals fast weggeworfen...
Ein drittes Mal habe ich Glück, als ich am Abflugsgate ein absolut bezahlbares japanisches Restaurant erspähe und internationalen Boden als hygienisch genug befinde, mir mal wieder etwas Sushi zu genehmigen. Lecker!
In Myanmar indes habe ich mich bis jetzt zwar von rohem Fisch ferngehalten, aber ansonsten war ich in meiner Essenswahl weder zimperlich noch sonderlich magendarm-präventiv unterwegs.
Probiert habe ich (durchweg an Straßenständen) Durian (Stinkfrucht), Hühnerfüße, gegrillte Wachtel am Spieß, Chili con getrockneter Fisch, gedünstete Erdnüsse, Yoghurt mit Honigsoße (an Eiswürfel) und undefinierbares Gemüse zum Mittag. Letztere Beide verdauen noch, aber ich hoffe Montezuma ist mir milde gestimmt.
Das erste was ich in Yangon gemacht habe, ist mich in die Circle Line zu setzen. Das ist ein ruckelnder zuckelnder und ziemlich langsam fahrender Zug, der in ca. 3 Stunden einmal um die ganze Stadt und durch ihre Vororte und Hinterhöfe fährt. Für 20 Cent bekommt man so einen ganz guten Einblick in den burmesischen Alltag.
Auf der Hälfte der Strecke sind die Gemüsehändler eingestiegen. Riesen Trubel am Bahnhof und durch die offenen Fenster werden mir Bündel mit Gemüse hereingereicht, in einem kurzen Zustand des absoluten Chaos füllt sich minutenschnell der ganze Zug mit Menschen und Grünzeugs und im restlichen Verlauf der Fahrt putzen alle munter ihr Gemüse und schnüren, Liedchen summend marktgerechte Bündel.
Auch ich komme im Laufe der Fahrt mit 4 Maltesern ins Gespräch, mit denen ich den restlichen Tag verbringe.
Nächster Programmpunkt ist die Shwedagon Pagode. Grell reflektieren 60t Gold das unbarmherzige Sonnenlicht in meine Augen zurück und erst gegen Abend muss man die Augen bei dem ganzen Prunk nicht mehr allzusehr zusammenkneifen.
Kurz vor Dämmerung bietet uns ein Guide seine Dienste an, der mehrmals betont, dass er schon 69 Jahre alt ist und tatsächlich ein bisschen aussieht wie Mr. Miyagi. Leider hat seine geballte Lebenserfahrung auch einen salzigen Preis, 5 Dollar pro Person für die kurze Tour mit allerhand Geschichtlichem, den besten Fotospots für Insider und einer persönlichen Berechnung des Tierkreiszeichens, ganze 10 Dollar will er für die Special Extended Führung, inklusive Romeo & Julia Liebesgeschichte. Natürlich sind wir zu geizig, und als wir uns darauf einigen, nur die kurze Tour zu machen, scheitert es letztendlich an 900 Kyat, weil er unbedingt den von Dollar in Kyat umgerechneten exakten Wechselkurs berücksichtigt haben will (12.900 statt 12.000). Aber wir sind felsenfest der Meinung dass er uns die Differenz auch hätte entgegenkommen können (geht schließlich ums Prinzip) und so weiß ich leider immer noch nicht, welches Tier ich bin (im Zweifel ein Schaf), oder wie lang ich leben werde. Aber den Rest des Abends haben wir damit verbracht, alle möglichen Dinge in "Guide Units" umzurechnen. "Wir können jetzt 7 Bier trinken, oder 2 Handyladekabel plus USB Doppelstecker kaufen..... Oder wir hätten den Guide nehmen können..." Zum Beispiel hätten wir uns statt der kostbaren Dienste des Guides auch einfach 129 Packungen Sekundenkleber kaufen können... Da merkt man erstmal wie teuer der war.... Und soweit wars das auch schon. Die Sule Pagode wird derzeit renoviert und ist optisch daher nicht der Rede wert. Sofern man sich nach 2 Tagen einen Vergleich zu Thailand anmaßen kann... Yangon ist chaotischer, dreckiger, lauter als Bangkok. Aber auch ein bisschen herzlicher. Menschen bieten dir Stühle an, lassen dich ihren Yoghurt probieren und sind auch ansonsten sehr zuvorkommend. Kommunikation ist zuweilen etwas frustrierend, da englisch oft nur rudimentär gesprochen wird. Aber das ist ja das, was viele Traveller suchen. Das echte Abenteuer. Jedenfalls ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das Land zu bereisen. Es ist gerade in Begriff sich zu öffnen, ist derzeit noch unberührt genug um sein brachiales Backpacker Erlebnis zu haben, aber auch schon entwickelt genug, dass man Unterkünfte online buchen und bezahlen kann und auch das passende Wifi hat, um nach Ihnen zu recherchieren. Das Mobilfunknetz funktioniert nicht immer, und nicht immer einwandfrei, aber es funktioniert. Oh, eine lokale SIM Karte zu kaufen war ein kleines Abenteuer. Nano-SIM's gibt's hier noch nicht. Also muss man Mikro kaufen und stanzen. Erschwerend kam hinzu, dass im ersten Geschäft kein Apple-aufmach-Piekser aufzufinden war. Als der Zahnstocher einfach nicht wollte, und der in der Kruschtelkiste aufgetriebene Metallnagel zu dick war, ging der hilfsbereite Ladenbesitzer kurzerhand mit der Flex ans Werk und hat mir den Metallstift so lange zugeschliffen, bis er dünn genug war, um mein kapriziöses Handy zu öffnen. Diesen Stift hab ich dann für kommende schlechte Zeiten gleich mitbekommen. Das nenn ich mal echte Kundenorientierung! Nächste Station: Bagan. Wenn es strategisch gesehen auch am Schluss kommen sollte, aber was soll das schon? Ich freu mich!
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