Donnerstag, 24. März 2016

Back to Business

Ja ich weiß ich hab lang nichts von mir hören lassen... Ich hatte Besuch. Es gab einfach irgendwie wichtigeres, als stundenlang Erlebnisberichte zu verfassen. Aber jetzt bin ich wieder einsam und alleine und habe genug Muse, über die vergangenen Wochen zu resümieren.
Nach dem Inle Lake war für Myanmar ursprünglich noch ein Besuch in Hpa An angestanden, einer Stadt, die alle meine französischen Mitreisenden immer als wunderschön und "pittoresque" beschrieben haben. Nachdem ich dann aber eine Weile flach lag und mir gegen Ende auch ein bisschen die Lust auf lange Busfahrten vergangen ist (man wird faul, sehr faul), habe ich diesen Stop kurzerhand ausgelassen, und bin direkt zurück nach hustely bustely Yangon gefahren. Habe mich ein letztes Mal in den waghalsigen Verkehr gestürzt (für Fußgänger wird absolut nicht gebremst, und auf dem Beifahrersitz eines Taxis geht man nicht selten im stillen sein Testament durch) und mich an den See gesetzt, wo ich mich auch durch die letzten Seiten von George Orwell gequält habe, um danach wieder in den Flieger nach Bangkok zu steigen.
Das war am 26. Februar.

Einen Tag später kam dann der Mann, der viele Namen hat (Ellocco, Butzele, Mc Gyver....) -der Einfachheit halber nennen wir ihn hier einfach Sand. Am 27.2. hab ich also in meinem schönsten Kleidchen und bemalt mit einem meiner mittlerweile 5 Lippenstifte am Flughafen gestanden, und den Sand in Empfang genommen. Was dann folgte, waren dreieinhalb Wochen quer durch Ost- und Nordthailand, die ursprünglich mal als "Thailand und Laos" oder "Thailand und Angkor Wat" geplant waren. Aber Pläne sind da, um geändert zu werden, und schöne Flecken gibt's hier überall, auch ohne sich vorher für zig Bananenstaaten ein Visum ausstellen zu lassen.
1. Stop - Bangkok. Wie so oft. BTS fahren, Boot fahren, Khao San ankucken, durchfressen, Massage geben lassen, im Pool schwimmen, Frühstücksbuffet im 4. Sterne Hotel leer fressen, Hello Kitty Zuckerwatte bewundern und Bubble Tea trinken, Vroni und Stefan treffen, Königspalast, liegender Buddha, noch ne Massage (feat. Finger des Todes), All You Can Eat Buffet im Central World Fooodcourt, schlafen, packen.
2. Stop - Ayutthaya. Jetzt geht's also los, dachte ich. Wir zwei allein. Im Urlaub. Mal sehen. Aber ich hab ein wirklich unkompliziertes Exemplar Freund erwischt. Meckert nicht, murrt nicht, isst alles, was man ihm vorsetzt. Wobei sich relativ früh eine klare Präferenz für Pad Thai herausstellt.
Ich glaube, der Sand hat von Zentral- bis Nordthailand jedes auffindbare Pad Thai konsumiert. Präferenz 2: Mango mit Sticky Rice, und ansonsten alles wo kein Fisch oder Koriander drin ist.
Mit Rädern ausgestattet, machen wir die Ruinen unsicher, finden nach dem Umrunden vieler Bäume irgendwann den eingewachsenen Buddhakopf, radeln ans eine Ende der Stadt um auch die entlegenen Tempel und die Elefanten anzuschauen, und wieder ans andere Ende um "den 10er" Tempel ausfindig zu machen. Zum Sonnenuntergang buchen wir die Sunset Bootstour, die uns zu den 3 wichtigsten Tempeln bringt, und auch der Schnitt von einer Massage täglich wird locker gehalten. Am nächsten Morgen wollen wir wieder abreisen, aber irgendwie haben wirs nicht so mit dem früh aufstehen, und als wir um 10 an der Rezeption stehen und fragen, ob es irgendwas in Richtung Kambodscha gibt, ist der einzige vernünftige Bus bereits abgefahren und noch ne Nacht wollen wir nicht bleiben. Also wie wärs mit.... Dem Khao Yai Nationalpark? Der liegt zumindest auf dem Weg.
3. Stop - Khao Yai. Eine Stunde später sitzen wir im Zug nach Pak Chong. Wir kommen dort rechtzeitig genug an, um uns für die 1,5 Tages Tour anzumelden, die eine halbe Stunde nach dem Einchecken in unser Hotel beginnt. Wir sind eine schnuckelige 4er Gruppe und gehen zunächst in einer Quelle baden, um danach einen stinkenden Batcave zu besuchen und in der Dämmerung Tausenden von Fledermäusen beim ausschwärmen zuzusehen, wie sie sich in einem nicht abreißenden Strom durch die Luft schlängeln.
Tags drauf geht's in den Park. Schon im Auto sehen wir Gibbons und Nashornvögel. Als wir später zu Fuß unterwegs sind anstatt den angekündigten Krokodilen und Elefanten allerdings nur noch Eidechsen und Spinnen. Aber was für Spinnen! Eine waschechte Tarantel mit fleischigen, haarigen Beinchen, und einem prallen schwarzen Spinnenkörper krabbelt da aus ihrer Höhle. Vor sich rollt sie ein kleines eingesponnenes eiförmiges...Opfer. Und der Sand hat todesmutig gleich Makroaufnahmen von dem Viech gemacht und es unter Einsatz seines Lebens angeblitzt, damit das Bild scharf wird. Weiterhin haben wir ein paar tosende und imposante Wasserfälle gesehen, nur nicht ganz so tosend und imposant, weil, ist ja Trockenzeit. Wieder im Hotel ist auch der hiesige Besitzer nicht so ganz glücklich mit unserem Wunsch, dass wir nach Kambodscha wollen. Da ist gefährlich, meint er, und wir sollten besser die Nacht an der Grenze verbringen, weil sicherer. Darauf haben wir keine Lust, und so wird Siem Reap spontan auf Eis gelegt und wir beschließen, stattdessen in Thailand zu bleiben. Unser netter Hotelier fährt uns daraufhin zum Bus und hilft uns sogar beim Buchen des Tickets. Vielleicht hat er auch Angst, wir könnten es uns doch anders überlegen.... 4. Stop - Sukhothai. Drückende Hitze, mehr Ruinen, abermals auf Fahrrädern. Einen Papayasalat, von dem wir erst denken wir überleben ihn nicht, weil die Dame am Straßenstand bevor wir protestieren können eine roh und schleimig aussehende Krabbe mit reinmörsert, und Abendessen im Poh Poh Restaurant, das besser schmeckt, als der Name vermuten lässt. 5. Stop - Chiang Mai. Tja. Da sind wir wohl irgendwie versumpft. Ich hab keine Ahnung mehr, wie lange wir genau ich Chiang Mai verbracht haben, aber allein die Tatsache, dass wir dort 5 verschiedene Hotels hatten, spricht Bände. Am Anfang, wie so oft, kommt man an, Bucht ne Massage, kuckt sich nen Tempel an, isst was, lässt dabei die Beine baumeln. Dann haben wir einen 2 Tages Trek gebucht, der irgendwie keiner war. Bei sengender Hitze irgendnen Hügel hochgestampft, wieder runtergestampft, bei nem Elefantencamp angekommen. Den größten und dicksten Elefanten zum Reiten erwischt. Alle überholt hat der. Um sich als erster den juckigen Bobbes am Baumstamm zu schrabbeln. Ich weiß, eigentlich soll man auf Elefanten nicht reiten, aber ich finds trotzdem irgendwie schön, im Genick von so einem mächtigen Tier zu sitzen, dessen Ohren einem links und rechts an die Beine flappen, und dabei die borstigen Haare und die rauhe graue Haut zu streicheln. Anschließend hätten wir unseren Dickhäuter auch waschen können, aber dann haben wir in letzter Sekunde gesehen wie einer dieser unzivilisierten Elefanten doch original in sein Badewasser gekackt hat, und uns in Anbetracht der Tatsache, dass wir keine Wechselklamotten eingepackt hatten, dagegen entschieden. Man muss sich ja nicht jeden Scheiß antun. Stattdessen sind wir auf einen Abendspaziergang und haben uns dort sofort mit einem kleinen schwarzen Hund angefreundet, den wir Gonzo genannt haben und der uns auf Schritt und Tritt überall hin gefolgt ist. An Tag 2 hatten wir einhellig die Nase voll vom Wandern, unser nunmehr 10-minütiger Spaziergang führte uns dann auch nur zum "kleinen Wasserfall mit Bademöglichkeit" aka Rinnsal mit Planschgrube. Beim darauf folgenden Wildwasserrafting sind wir ebenfalls an so ziemlich jedem Stein vorbeigeschrubbt wobei das noch Spaß gemacht hat. Absolut schenken können hätten wir uns das anschließende Bamboo Rafting, wo wir mit ein paar fetten Touristen auf ein völlig überfülltes Bambusfloß gesetzt wurden, das mehr im als über Wasser in einer Brühe vor sich hingedümpelt ist. Sagenhafte 5 Minuten lang... Ne. Not amused.... Wir also wieder nach Chiang Mai, nächstes Hotel, dann Upgrade auf was nettes mit Pool, Samstagsmarkt, Sonntagsmarkt, die Suche nach dem perfekten Katzen-T-Shirt, downgrade auf ein etwas billigeres Hotel, immer noch mit Pool. Dann Kochkurs! - Der Sand, mittlerweile süchtig nach Pad Thai, lernt, wie er "im Leben nach dem Urlaub" komplett autark ein leckeres Thaigericht zubereiten kann. Er mörsert die weltbeste und sämigste Currypaste, die die (sichtlich beeindruckte) Kochlehrerin je gesehen hat und auf der Suche nach einem authentischen "thai-spicy" haut er sich 2 volle Teelöffel Chilipulver in seine Nudeln. Das feuerrote Ergebnis, (aka Pad Thai des Todes) schmeckt echt gut. Kochen kann er also auch! Unsere Abende enden meist mit einer Fußmassage am Straßenstand, aber nicht bevor wir uns gegenüber bei Ben's Cocktailbar ein Kaltgetränk Mixen lassen. So lässt sichs aushalten.

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