Was für eine Busfahrt. Als Peter Mrauk U verlässt, weil er zurück nach Yangon und dann nach Bangkok und dann nach Malta muss, ist es auch für mich Zeit zu gehen. Irgendwie habe ich keine Lust, alleine durch die Ruinen zu streifen, also gehe ich zum nächstbesten Ticketschalter und kaufe mir ein Busticket nach Mandalay. 25.000 Kyat soll das kosten und der Bus fährt um 9, weswegen ich um 8:15 des nächsten Tages wieder am Häuschen stehen soll.
Ich werde nie ganz verstehen, warum sie einem 2 verschiedene Zeiten nennen, und glauben, dass man an ersterer an Ort und Stelle ist.
Aber an diesem Morgen habe ich nichts besseres zu tun und so stehe ich wie bestellt um 8:15 am Häuschen. Der Ticketmensch begrüßt mich, bietet mir einen Stuhl an und ich quatsche mit einer Vietnamesin, von der ich denke dass sie mit mir im Bus sitzen wird, aber anscheinend hat sie einen anderen gebucht.
Es wird 9 Uhr. Es wird 10 Uhr. Kein Bus. Um halb 11 fängt der Ticketmensch aus lauter Verzweiflung ein Gespräch mit mir an. Erzählt mir dass der Rakhine State (in dem wir uns befinden) zu den ärmsten in ganz Myanmar gehört und die Leute von der Regierung den Staatshaushalt lieber für die zentralen Regionen ausgeben. Weniger als 1% des Budgets gehen hierher, und im nördlichen Chin State gibt es immer noch bewaffnete Konflikte. Er zeigt mir ein Handyfoto von einem General. Vergleicht ihn mit Che Guevara.
Es ist 11. Kein Bus. Der hatte einen Motorschaden, kurz vor Mrauk U. Sagt er mir jetzt. Der Ersatzbus kommt um 12:30, ich könne so lang noch was essen. Wahrheitsgehalt- fragwürdig. Aber gut. Ich esse was.
Um 12:15 steht der Ticketmensch neben mir am Tisch meines Restaurants. Der Bus wäre dann jetzt da. Er fährt mich mit seinem Moped hin.
Etappe 1 wäre geschafft.
Der Bus macht gerade Rast, die Menschen essen zu Mittag. Ich sehe keine Touristen. Seltsam. Ich werfe einen Blick in den Bus. Aircon? Mal sehen. Ich steige ein. Die anderen Gäste steigen ein. Keine Touristen. Nix gegen Einheimische. Aber die Kategorie habe ich weder gebucht noch bezahlt. Ich wurde hochgradig verarscht. Meine Frage, ob das denn nicht ein local bus ist, umgeht der Ticketmensch galant, indem er mir erzählt nein, das wäre ein koreanischer Bus und alle Busse die hier fahren seien aus Korea.
Passiert, denk ich. Aber gut. Das Interieur ist lila und pink. Was zumindest die Tochter der Freundin freut, der ich ein Foto in der Hoffnung auf einige mitleidige Worte schicke.
Im Bus teilen Sie dann kleine schwarze Plastikbeutelchen aus. Für den Müll denke ich. Ich nehm mir eins. Kann nicht schaden.
Dann gibt es Troubel. Ich hab mich irgendwohin gesetzt. Aber nicht auf Platz 36, den ich gebucht hab. Andererseits ist das hier auch nicht der Bus, den ich gebucht hab. Jetzt soll sich irgendwer neben mich setzen, und anscheinend sind sie damit ein wenig überfordert. Vielleicht wollen die Männer nicht, vielleicht denken sie, ich will nicht, vielleicht stink ich auch. Ich weiß nicht. Mit mir redet keiner.
Ein Mädel wird aufgetrieben. Von ganz vorne wird sie nach hinten neben mich gesetzt. Sie sieht nicht sehr begeistert aus. Dann sind alle glücklich. Es geht los.
Die Fahrt ist holprig. Burmesische Straßenverhältnisse... Das Mädchen wechselt ihren Gesichtsausdruck von mediumglücklich in besorgniserregend. Sie kramt in ihrer Tasche und holt einen dieser Menthol Schnüffelstifte hervor, die mir meine Oma früher immer bei Schnupfen in die Hand gedrückt hat (bevor ihr meine Mutter das verboten hat, weil es unhygienisch ist, sich den immer gleichen Schnüffelstift in eine kranke, verrotzte Nase zu stecken). Das Mädchen schnüffelt am Stift. Motion Sickness, steht drauf. Ah. Wusste ich garnicht. Das Mädchen sieht immer unglücklicher aus. Dann kramt sie sich ein schwarzes Beutelchen. Hält es sich an den Mund und kotzt drauflos. Als sie fertig ist, verknotet sie es oben, wechselt einen vielsagenden Blick mit mir. Ich öffne das Schiebefenster unseres Busses. Das Kotzbeutelchen fliegt in hohem Bogen raus. Als kleines Geschenk für die Nachwelt.
Passiert, denk ich. Aber es geht weiter. Nachdem sie sich weitere 3 Mal erbrochen hat, und wir den Weg nunmehr mit kleinen, sorgsam zugeknoteten Geschenkchen gesäumt haben, erreichen wir eine kritische Beutelchenmasse. Ich biete ihr meinen Fensterplatz an. Das erste Mal sieht sie ein bisschen glücklich aus. Jetzt kann sie ganz umweltfreundlich aus dem Fenster reihern wenn sie will. Ich bin sowas wie der blaue Engel.
Am nächsten Stopp kaufe ich mir einen Schnüffelstift. Für alle Fälle.
Und dann geht der Spaß richtig los. Vor mir. Hinter mir. Schräg links. Ein wahres Kotzinferno bricht im Bus aus. Ich weiß nicht was los ist. Zu diesem Zeitpunkt sitzen wir ca. 6 Stunden im Bus, weitere 12 Stunden sind angekündigt.
Am Besten ist der Typ übern Gang. Vielleicht ist er sich der begrenzten Beutelressourcen bewusst. Vielleicht ist er auch ein Umweltaktivist. Aber er bedient sich allen Ernstes des Tütchens, füllt es mindestens bis zur Hälfte, und dann knotet er es sorgsam am Vordersitz fest! Für schlechte Zeiten?! Ich bin sprachlos. Sicherheitshalber schnüffle ich ein wenig an meinem Stift. Der Aktivist trägt eine Jeansjacke mit Stachelnieten, von denen jede mindestens 5cm lang ist. Ich habe Kopfkino von einem durchpieksten Beutelchen, dessen Inhalt sich... Ich schnüffle nochmal am Stift.
Noch mindestens 2 Mal sehe ich ihm zu, wie er sich in das ein und dasselbe Tütchen übergibt. Irgendwann ist es fast randvoll. Ich frage den Busfahrer nach Nachschub für den armen Mann. Er entsorgt sein Paket über das Fenster. Ich bin erleichtert.
Unterwegs passieren wir 2 Grenzposten. Mitten in der Nacht steigen alle aus, zeigen Ihren Pass, Ein Grenzbeamter geht mit einer Taschenlampe durch den Bus, dann dürfen alle wieder einsteigen. Morgens um 6 erreiche ich Mandalay.
Mein Hotel lässt mich extra früh einchecken. Ich nehme eine Dusche an der ich mich seit langem fast verbrühe.
Ich liebe es.
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