Irgendwann war ich also in Hualien, strategisch günstig neben Bahnhof und Bushaltestelle Richtung Taroko untergebracht.
Eigentlich wollte ich 3 Tage dort verbringen, um den Nationalpark eindringlich zu erkunden.
Nach 2 Tagen hatte ich alle ohne Genehmigung begehbaren Wanderwege abgegrast. Tatsächlich ist sehr viel aufgrund von vergangenen Taifunen und Erdrutschen gesperrt. Herabfallende Steine sind in Taroko an der Tagesordnung und Busse fahren unregelmäßig weswegen man meiner Meinung nach auch mindestens 2 Tage braucht.
Am Abend von Tag 2 traf ich dann allerdings Maciej (dessen Name ich IMMER noch nachschlagen muss) in der Lobby meines Hostels, der mich über den Park ausgefragt hat und mir gleichzeitig gezeigt hat, dass Google Translate ein chinesisches Foto(!!!) übersetzen kann!! Ich war ganz baff.
Weil ich tags drauf nicht wirklich viel vorhatte, und Maciej tatsächlich einen Weg ausfindig gemacht hatte, den ich noch nicht gelaufen war, begab ich mich abermals nach Taroko. Es war mehr Zufall dass ich am Parkeingang halt machte und mich nach den Bedingungen erkundigte. Aber die sehr freundlichen Mitarbeiter schlugen mir sofort vor, ich sollte mich für eine Genehmigung für den Zhuilu Old Trail besorgen. Und weil sie gar so nett waren haben sie mir bei der chinesischen Anmeldewebsite dafür geholfen. Nächster verfügbarer Termin: Dienstag.
So kam es dann, dass ich eine geschlagene Woche in Hualien verbracht habe. Aber die Stadt ist sehr süß, deswegen fand ich das nicht weiter tragisch.
Am Sonntag habe ich dann gleich mal in eine, DIY Schmuck-Workshop ein Ginkgo Blatt aus Silber gehämmert. Sollte ich jemals im Geheimen von einer Karriere als Goldschmied geträumt haben - jetzt tue ich das nicht mehr... Auch wenn mein Erstling sich sogar sehen lassen kann, sägen, feilen und schleifen hab ich mir irgendwie weniger anstrengend vorgestellt.
Am Dienstag gings dann auf den Trail. Highlight - die Klippenpassage, bei der es 700m senkrecht den Berg runter geht. Schon spannend.
Alle weiteren Städte ließ ich aus, weil es irgendwie in Stress ausgeartet wär, also hab ich einen unstreitigen Zug nach Taipei gebucht, um dort ganz gechillt meine letzten Tage zu verbringen.
Und wie ich Taipei mag! Die Stadt hat ungelogen so wahnsinnig viel zu bieten. Nationalpark vor der Haustür, viel Grün, das Prinzip You-Bike, mit dem man kindereinfach an einer Verleihstation ein Rad ausleihen und damit durch die City düsen kann. Der Zoo, der neben süßen Pandas und Koalas einen Seven Eleven beherbergt. Der Berg neben dem Zoo, auf den man mit ner Gondel (teilweise mit Glasboden!) hochfahren kann. Die Taipei Expo, die zufällig genau an meinem letzten Wochenende stattfand und samt Red Dot Museum mein designaffines Herz höher schlagen ließ. Und dann gibts - ebenfalls per Metro erreichbar, noch die Beitou Hotsprings. Da denkt man endgültig, man ist in einem japanischen Dorf gelandet.
Taiwan begeistert einfach, und wie Japan ist es manchmal ein klein wenig skurril.
Hier kommt meine Top 5, der Dinge die man einfach mögen muss:
1. Melodie der Müllabfuhr (wahlweise spielt der Müllabfuhrlaster Beethovens "Für Elise" oder eine andere eingängige Melodie die ich vorher nicht kannte) Und alle Leute die sie hören rennen dann mit ihren Müllsäcken auf die Straße. Einzig für die Müllabfuhrmenschen muss es ein bisschen traumatisch sein, jeden Tag stundenlang die Melodie zu hören.
2. Überall gibt's Trinkwasser. Gut, das hört sich komisch an, ist aber außerhalb von Europa oft nichts, das wie selbstverständlich aus dem Wasserhahn sprudelt. Aber in Taipei gibt's überall Wasserspender, an denen man seine Flaschen wieder auffüllen kann.
3. die freundlichen Leute - die sollten eigentlich an Platz 1 stehen. Immer nett, immer hilfsbereit, und ohne Hintergedanken, dass man in einen Laden (oder eine dunkle Seitengasse) gezerrt wird. Einmal gab mir ein Hostelbesitzer allen Ernstes den Tipp, ich sollte zu einer Sehenswürdigkeit die etwas weiter weg liegt doch einfach trampen.
4. Die Omnipräsenz von Seven Eleven. (im Zoo!! Dem Ort, an dem es in Deutschland nur 1-2 überteuerte Imbissbuden gibt. Dieser Zoo hatte einen Seven Eleven, Mc Donalds, und selbstredend überall kostenlose Trinkwasserspender)
5. Die Ampeln zeigen an wie lange noch grün ist. Dazu ist das Ampelmännchen animiert. Erst schlendert es, wenn der Coundown unter die 10 Sekunden fällt, fängt es an, zu rennen.
Das Einzige, mit dem ich weiterhin auf Kriegsfuß stehe, ist die chinesische Sprache. Nichtmal Straßenbahnhaltestellen kann ich fehlerfrei aussprechen. Dabei meine ich das ja nicht böse, aber ich erinnere mich an Casdeen, den ich eigentlich nur fragen wollte ob wir hier schon aussteigen sollen. Als Antwort kam: "Marina, du hast gerade auf die schlimmste aller erdenklichen Arten Muschi gesagt..." Na, großartig...
Sogar meinen allerletzten Abend, den ich aufgrund meines frühen Fluges am einzigen Hostel in Flughafennähe verbrachte, das ich finden konnte war super. Und ich hatte mir so wirklich garnichts davon erwartet. Aber der Host war super freundlich und wir hatten auf Anhieb ein 3-stündiges Gespräch über Gott und die Welt (Todesstrafe, Gruppenreisen, Folter, China, wie man eine F-16 fliegt... Über was man sich halt so unterhält).
Seine Mama hat mir den leckersten Salat Asiens zubereitet und wollte von mir wissen, wie man den um Himmels wissen geräuschfrei isst. Sie hatte gehört, das sei in Europa voll verpöhnt, Geräusche beim Essen zu machen...
Fazit Taiwan - einsame Spitze. Ich kann dieses Land nur jedem empfehlen.
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