Donnerstag, 11. Februar 2016

Der burmesische Outback

"17 Stunden..." Sage ich immer wieder zu allen möglichen Menschen, denen ich im Hostel begegne und mache dann eine bedeutungsschwangere Pause. Mein einziges Ziel ist der erstaunte, zuweilen bewundernde und auch etwas mitleidige Blick in ihren Augen, der sich kurz darauf einstellt. Eigentlich ist es nur dieser Blick, den ich sehen will. Der ist schon Belohnung genug.
Denn Mrauk U (gesprochen Mja-u) liegt abseits der touristisch ausgetretenen Pfade - weswegen es kaum einer kennt, und ist trotz einer sehr kurz erscheinenden Luftlinie nur sehr beschwerlich zu erreichen - weswegen der Bus dahin nun mal 17 Stunden braucht. In unserem Fall 19 Stunden, weil wir unterwegs eine Reifenpanne hatten.
Aber jetzt bin ich hier. Irgendwo im Westen von Myanmar, fast schon an der Grenze zu Bangladesch in einem Städtchen, das wie Bagan alte Tempel und Stupas zu bestaunen hat, aber bei weitem nicht so touristisch ist. Hier scheint vielmehr die Zeit stehen geblieben zu sein. Irgendwann vor 100 Jahren oder so. Frauen holen sich mit Metallvasen Wasser aus einem Brunnen, die sie dann auf dem Kopf balancierend bis nach Hause tragen. Gestern beispielsweise wollte ich mir im Restaurant die Hände waschen, suche 2 Sekunden lang den Wasserhahn am Waschbecken und stelle dann fest, dass das Wasser mit einer Metallschüssel aus einem größeren Behälter nebenan geschöpft werden muss.
Die Menschen sind freundlich und leben ihr Dorfleben. Zugegebenermaßen schwelgen sie aber nicht im Überfluss. 2015 gab es hier größere Überschwemmungen. Derzeit ist alles eher sehr sehr staubig. Strom fällt oft aus und mein iPhone vibriert ganz leicht, wenn ich es zum Laden an die Steckdose hänge... Kein gutes Zeichen, glaube ich.
Zusammen mit Peter, dem Fotografen aus Malta, mache ich mich besonders zu Sonnenauf- und Untergang auf, um die besten Stimmungen aus der Umgebung einzufangen. Nachts machen wir oft Nachtaufnahmen und Lightpaintings, indem wir mit einer Taschenlampe Kreise in den stockfinsteren Himmel malen. Es macht Spaß, zu assistieren und langsam aber beständig wächst der Wunsch, mein Kameraequipment deutlich upzugraden.

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