So, damit hätten wir Kho Phangan überlebt. Und so banal das klingt, anscheinend ist es eine echte Herausforderung.
Meine Entscheidung, einen Roller zu mieten hab ich eigentlich bis zuletzt nicht bereut. Es ist das einzige Mittel, auch entlegene Orte der Insel halbwegs unabhängig zu erkunden. Ich hab mich auch gezwungen, immer, IMMER diesen zu großen, unbequemen Helm anzuziehen, auch wenn mein Fahrradhelm zuhause sicher einen besseren Schutz bietet als diese Salatschüsseln hier.
Und trotzdem hat man jedes Mal auf der Straße dieses beklemmende Gefühl.
An den Linksverkehr gewöhnt man sich, an die Schlaglöcher allmählich. Sogar daran, stringent 40 zu fahren, obwohl der Motor weit mehr hergibt. Nicht gewöhnen will man sich an die Unfälle die man sieht. Mittlerweile sind es mindestens 2, zu einem kam ich dazu und hab nur noch gesehen wie sie einen jungen Mann in den Krankenwagen verladen haben, Blut am Gehsteig, daneben ein umgekippter Roller. Unschön.
Achtet man darauf, entdeckt man bei vielen Touristen Schürfwunden an Knien, Ellenbogen, oder Oberschenkel. Auf Nachfrage sagen dir 90%, dass sie sich mit ihrem Zweirad elegant hingelegt hätten. Wunden heilen schlecht wegen der hohen Luftfeuchtigkeit, wird meist im 2. Satz erläutert und im Krankenhaus wird zunächst der Finanzstatus gecheckt, bevor man (mangelhaft) versorgt wird. (Eine Busbekanntschaft hat mir z.B. heute erzählt, dass man seinen Schlangenbiss (!!) erst nach Nennung einer Versicherungsnummer behandeln wollte. WTF?!)
Ich bin auch froh, dass ich vor Full Moon die Kurve gekratzt habe. Die Halbmondparty war komplett ausreichend. Und bei Vollmond scheint es zu viele besoffene Idioten zu geben.
Bevor ich ging hab ich mir allerdings noch den Ang Thong Marine National Park angesehen. 40 kleine Inseln sind das, mit ner kleinen grünen Lagune, einsamen Stränden und Halong Bay Feeling. Schnorcheln waren wir und Speedboot fahren und uns die Beine vertreten. Ein rundum gelungener Tag eigentlich, und trotzdem waren wir der Meinung, es wärs nicht richtig wert gewesen.
Reizübersättigung der schönen Dinge. Irgendwann knallts nicht mehr. Man hat alles schonmal gesehen. Auch gegen diese Gleichgültigkeit muss man ein bisschen ankämpfen... Das gemeinhin als "Tempelkoller" bekannte Syndrom stellt sich oft zu schnell ein. Es zählen nur noch Superlative. Lang her sind die Tage, an denen mich Dinge noch richtig richtig umgehauen haben.
Ich erinnere mich an den genervt belustigten Gesichtsausdruck von Anja damals im Studium, als ich komplett überwältigt an einer Straßenkreuzung stand hinter der sich unverhofft der Eiffelturm gezeigt hatte. "Mariiiinaaa, wir wohnen seit 2 Monaten in Paris, wir sehen den jeden Tag..." Wann genau haben die Dinge aufgehört, eine Faszination auszuüben, die länger als 10 Sekunden und 3 Handybilder anhält?
Dabei ist Thailand mit seiner Fülle an unterschiedlichen Möglichkeiten und Landschaften eines der schönsten Länder, die ich bisher bereist habe. Auch wenn es ein paar nicht so schöne Erfahrungen bereithält. Aber an einem Tag wird man beraubt, am nächsten strahlt wieder die Sonne, Menschen lächeln und das Land offenbart seine kleinen und großen Schönheiten.
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