Zwei Tage bin ich jetzt in Phetchaburi. Dem Stopp der eigentlich ganz spontan war. Geplant hatte ich, abermals einen Nationalpark zu besuchen. Aber einmal angekommen hat mich der provinzielle Charme von dieser Kleinstadt dermaßen in den Bann gezogen, dass ich beschlossen hab, lieber ganz gechillt - 2 Tage am Stück - durch die Stadt zu strolchen.
Mein Guesthouse ist das beste das ich auf der gesamten Reise hatte. Das Zimmer ist geschmackvoll eingerichtet. Das Wifi ist göttlich schnell. Das Badezimmer neu. Und die Temperaturen sind so kühl, dass es einen abends angenehm fröstelt und man nicht sofort versucht ist, sich Sonnencreme auf den Leib zu schmieren. Nach einer langen und ausgiebigen Dusche hab ich mich das erste Mal in 3 Wochen geschminkt.
Ich fühl mich endlich mal wieder wie eine Frau. Dieser wiederentdeckten Weiblichkeit ist es auch geschuldet, dass ich in 2 Tagen wie im Affekt 5(!) Lippenstifte gekauft habe. Untermaltes Glücksgefühl sozusagen. Und ein kleines Kleidchen hab ich mir auch gegönnt. Mein erstes und einziges Kleidungsstück wohlgemerkt.
Die Menschen hier sind nett und herzlich. Und seit ich wieder weiblich und als solches erkennbar bin, machen mir viele Menschen Komplimente und - schenken mir Wasser... Heute ungelogen 2 Mal passiert. Muss an meinem Kleidchen liegen. Da kommen einfach Menschen, lächeln mich an, und drücken mir eine Wasserflasche in die Hand!
Es gibt hier mehrere Tempel, die ich trotz Karte teilweise nicht gefunden habe. Völlig unverhofft bin ich allerdings in das angeblich Beste(!) Padtai Restaurant gestolpert, wo sich hilfsbereite Einheimische gleich meiner angenommen und für mich bestellt haben.
Generell sind Tempel und dergleichen nur ein Alibi um in eine bestimmte Richtung zu laufen.
Die Straßen sind voller kleiner Obst, Gemüse und Fleischmärkte. Überall verstreut stehen kleine Garküchen oder ganze Märkte voller Essen. Wenn man mit Händen und Füßen ordentlich kommuniziert, gibt's leckeres Essen.
Das ist das wahre Highlight. Die Menschen sind so herrlich unverbraucht.
Dass es auf nem Hügel ein Museum/Tempel/Sehenswürdigkeit gibt.... Nebensächlich.
Es war da tatsächlich ganz gediegen. Auf dem Weg nach oben belagern Affen die Straße. Es ist echt nicht meine Schuld, dass ich so garnichts über die Sommerresidenz von irgendwelchen Königen und ihren Gefolgschaften weiß. Ich hatte meinen schlauen Flyer (den ich natürlich vorbildlich gelesen und hier zum Besten gegeben hätte...) genau 20 Sekunden lang, bis ihn mir ein Affe aus den Händen gerissen hat.
Mein diplomatischer Versuch auf ihn einzureden, ihm zu sagen er kann ja eh nicht lesen und den Flyer zurückzufordern endete darin, dass er mir seine Zähne gezeigt hat.
Touché... Mit vergleichbaren Eckzähnen kann ich nicht aufwarten. Also bin ich die 10m zurück zum Infohäuschen und hab mir nen Monkey-Protection-Stick organisiert. Weil Affen sind echt kein Spaß...
Das Zweite erwähnenswerte an dieser... Stätte auf dem Berg waren die Lautsprecher, die über die ganze Anlage verteilt waren und Musik gespielt haben, die was von den 20er Jahren hatte. Das hat dem ganzen Ort eine gewisse Stimmung verliehen.
Und gerade sitze ich wieder in meiner Lieblingsbar am Fluß, mit großen alten Fensterläden und einer ansonsten ziemlich offenen Architektur. Unter mir zieht Phetchaburi River dahin, ich stell mir gerade das 2. Bier in den Kopf und lausche ebenfalls guter Musik aus vergangenen Tagen. Und stelle gerade fest dass "Somewhere over the rainbow" nicht von Marusha ist...
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